Huawei nova 9 im Test: Gutes Smartphone mit großem "Aber"

Das Huawei nova 9 gibt es um rund 500 Euro im Handel. Der Preis dürfte aber weiter fallen.
Das Huawei nova 9 gibt es um rund 500 Euro im Handel. Der Preis dürfte aber weiter fallen. ©HUAWEI
Huawei bringt mit dem Huawei nova 9 ein gutes Smartphone im 500-Euro-Preisbereich heraus. Das Handy ist solide, wenn da nicht das Problem mit den Google Services wäre.
Beispielbilder Huawei nova 9
Huawei-Produktbilder

Der chinesische Smartphonehersteller Huawei lässt wieder von sich hören - dieses Mal mit dem Huawei nova 9. Bei dem Mittelklasse-Smartphone um 499 Euro (UVP) verspricht der Hersteller lange Akkulaufzeiten, hervorragende Kamera und einen Top-Bildschirm. Im Test konnte das Huawei nova 9 in einigen Punkten überzeugen, es gibt aber ein großes "Aber".

Die Kamera

50-Megapixel-Hauptkamera, 8-Megapixel-Weitwinkelkamera, Tiefensensor und noch eine 2-Megapixel Makrokamera: Rückseitig ist das Huawei nova 9 mit gleich vier Kameralinsen ausgestattet, die Selfiekamera löst mit 32 Megapixel auf. Leider wurde auf eine eigene Zoom-Linse verzichtet, in meinen Augen die bessere Wahl als eine Makro-Linse. Das heißt, dass man auf reinen digitalen Zoom setzt - als würde man ein bereits geschossenes Bild am Bildschirm vergrößern.

Weitwinkel, Normal, Zweifach- und Zehnfachzoom. Mehr Beispielbilder in der angehängten Gallerie.

Das nova 9 punktet aber bei den Video-Features. Bei Nacht kann mit den Funktionen "Night Selfie Video" und "Extreme Night Shot" sowohl mit der vorderen, als auch der hinteren Kamera in 4K Auflösung gefilmt werden. Während der Aufnahme kann sogar jederzeit zwischen den beiden Kameras umgeschaltet werden, und es gibt mehrere Einstellungen für V-Logger, wie etwa die Bild-im-Bild-Funktion.

Mit dem eigenen Schnittprogramm von Huawei können nachträglich noch Hintergrundmusik oder Effekte eingefügt werden. Zudem gibt es bereits vor eingestellte Storys, mit denen Kurzvideos - etwa für Tiktok oder Instagram - aufgenommen werden können.

Design

Das Huawei nova 9 ist nur 7,77 mm dick und wiegt etwa 175 Gramm, wodurch es angenehm leicht in der Hand liegt. Das 6,57-Zoll-OLED-Display ist an den Seiten abgerundet, was das Smartphone noch einmal handlicher macht. Die Bildwiederholfrequenz lässt sich auf 120 Hz einstellen, was die Bedienung noch einen Ticken flüssiger erscheinen lässt. Zudem funktioniert der In-Screen-Fingerabdrucksensor schnell und zuverlässig.

Das Huawei nova 9 steht in gleich zwei Farbvarianten zur Verfügung: Starry Blue - auf Deutsch wohl Grau-Blau-Metallisch - und Schwarz.

Innenleben: Prozessor und Speicher

Im Huawei nova 9 werkt ein Snapdragon 778G 4G Prozessor, 8 Gigabyte RAM und der Speicher ist auf 128 Gigabyte bemessen. Auf 5G muss man beim nova 9 verzichten - in der Preisklasse gibt es mehrere Alternativen, die den neuen Mobilfunkstandard bereits unterstützen. Stattdessen bietet es Platz für zwei Nano-SIM-Karten, was ebenso seine Vorteile bietet.

Guter Akku mit Schnellladefunktion

Prozessor und Bildschirm werden von einem 4.300 mAh großen Akku gespeist, was mittlerweile Standard bei Android-Handys in dieser Preisklasse ist. Huawei verspricht dabei, dass der Akku in nur 38 Minuten vollständig aufgeladen ist. Das 66 Watt starke Ladegerät ist in der Tat ordentlich, von 20 auf 100 Prozent braucht es im Test 35 Minuten.

"Aber": Das Betriebssystem

Das chinesische Unternehmen darf wegen eines US-Banns keine Google-Services auf seinen Smartphones verwenden. Obwohl das Betriebssystem - in diesem Falle Android 11 - grundsätzlich Open Source und frei verwendbar ist, sind die Google-Dienste tief im System verwurzelt. So fehlen etwa alle Google-App wie Google Maps, Google Drive oder auch der Google App Store. Huawei bietet hier so gut wie möglich Alternativen an. Den App Store versucht Huawei mit einer eigenen App Gallery zu ersetzen, die allerdings nicht denselben Umfang bietet. Apps wie Facebook, Whatsapp oder Instagram müssen als APK heruntergeladen und installiert werden. In etwa so, als würde man ein exe-Programm in Windows installieren. Huawei versucht diese Hürde mit einer eigenen Suchmaschine für APKs zwar so niedrig wie möglich zu gestalten, sie ist aber da. Automatische Aktualisierungen fallen somit weg.

Das Fehlen der Google Play-Dienste merkt man
Das Fehlen der Google Play-Dienste merkt man

Einige Apps werden außerdem gar nicht unterstützt, wie etwa viele Bankingapps. Auch auf einige Spiele wie etwa das bekannte Pokemon Go muss man (noch) vollständig verzichten. Viele Apps können zwar (als APK) heruntergeladen und installiert werden - In-App-Käufe oder sonstige Funktionen, die Google Services voraussetzen, sind aber nicht verfügbar.

Negativ fällt auch auf: Beim ersten Start ist das Betriebssystem überladen mit Bloatware, also vorinstallierten Apps. Die lassen sich zwar alle löschen, in dieser Preisklasse muss das aber nicht sein.

Fazit

Wer bis jetzt ein Huawei-Smartphone ohne Google Dienste verwendet und damit zufrieden ist, wird auch mit dem nova 9 gut auskommen. Alle anderen müssen sich überlegen, ob sie sich darauf einlassen wollen. Wer sich das nicht traut, kriegt mit dem Honor 50 ein fast baugleiches Smartphone mit 5G-Prozessor und einer etwas anderen - leider schlechteren - Kameraausstattung.

(red)

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