"How To Live Together": Neue Ausstellung in der Kunsthalle

"How To Live Together" - die neue Ausstellung in der Kunsthalle Wien.
"How To Live Together" - die neue Ausstellung in der Kunsthalle Wien. ©VIENNA.at/David Mayr
Eineinhalb Jahre lang wurde die Ausstellung "How To Live Together" in der Wiener Kunsthalle vorbereitet.

Ein Android, der Martin Luther King und Judith Butler zitiert; ein angeschrägter Teppichboden mit dem Wort “ewig” in überdimensionalen Lettern; oder Angela Merkel, fotografisch festgehalten von 1991 bis 2006: Es sind höchst unterschiedliche Positionen, die die neue Kunsthallen-Ausstellung “How To Live Together” zusammenbringt. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam: die Gesellschaft im Wandel.

Vor gut eineinhalb Jahren begann die Vorbereitung zur Schau, erläuterte Direktor Nicolaus Schafhausen bei der Presseführung am Mittwoch. “Seitdem hat sich unsere Welt radikal verändert”, verwies er auf die jüngsten Wahlen, die weltweit geschlagen wurden, und die vielerorts beklagte Spaltung der Gesellschaft. “Auch in Österreich stehen wir vor Monaten des Wahlkampfs.” Dem “permanenten Wahlkampfmodus” will die ab Donnerstag zu sehende Ausstellung nun mit verschiedenen Fragestellungen begegnen. Im Fokus steht dabei aber weniger der große politische Zusammenhang, als vielmehr “die individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen unseres sozialen Miteinanders”.

Konsequenterweise arbeiten sich die knapp drei Dutzend Künstler dabei auch mittels höchst persönlicher, teils biografischer Zugänge ab. US-Fotografin Tina Barney ging in ihrem Oeuvre beispielsweise vom Ablichten ihrer – immer stärker inszenierten – Familie zum Festhalten der amerikanischen Oberschicht über. Hier wird das überhöhte Idyll gleichermaßen gebrochen, während die Reihe “The Europeans” Barneys Topoi jenseits des Atlantiks transportiert. In direktem Kontrast dazu stehen Mohamed Bourouissas “Peripherique”-Arbeiten, in denen er die Pariser Banlieues völlig unprätentiös einfängt. Überspitzt ließe sich sagen: soziale Hängematte hier, soziale Härte dort.

Kunsthalle Wien: Journalistische Fotoserie von Herlinde Koelbl

Eine nicht minder fesselnde, in erster Linie journalistische Fotoserie ist dank Herlinde Koelbl vertreten: Sie befasste sich im Auftrag des Europarats 2016 mit dem Flüchtlingsstrom und hat höchst ästhetische, beizeiten gar distanzierte Bilder geschaffen, die den Betrachter auf die eigenen Ansichten zurückwerfen. Aus ihrem Zyklus “Spuren der Macht” stammen wiederum Fotos der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Politikerin in stets sehr ähnlichen Posen von 1991 bis 2006 zeigen: simple schwarz-weiß Aufnahmen, die die persönliche Veränderung einer prägenden Figur des vergangenen Jahrzehnts in den Vordergrund rückt. Der Kraft und Wandlung von Sprache nimmt sich Leon Kahane an, der auf einer großen Teppichinstallation das Wörtchen “ewig” während der Ausstellungsdauer immer neu einschreiben lässt – als ob man mit Staubsaugern Spuren zieht.

Was sich vor unseren Augen abspielt, aber oft unbeachtet bleibt, thematisieren Jeroen de Rijke und Willem de Rooij: Ihre Videoarbeit “Junks” zeigt sechs Drogenabhängige, die für das Duo mehrere Minuten lang still sitzend vor einer Kamera verbrachten – oder es zumindest versuchten. Es ist ein unbequemer Blick, der sich dadurch auf die vermeintlichen Ränder der Gesellschaft eröffnet. Futuristisches mit Historischem verknüpft Goshka Macuga: Der “To the Son of Man Who Ate the Scroll” betitelte Android begrüßt die Besucher im oberen Stock der umfangreichen Schau, auf einer halbkreisförmigen Bank sitzend. Starrer Blick, starre Körperhaltung – und doch durch die möglichen Bewegungen mit menschlichen Zügen ausgestattet. Was er zu sagen hat, entlehnt er Texten und Reden von King, Butler, aber auch Charlie Chaplin oder Hannah Arendt. Was braucht es, damit unser Miteinander funktioniert? Und wo liegt unsere persönliche Verantwortung?

“Ort des Dialogs und der Empathie”

Schafhausen hofft letztlich auf einen “Ort des Dialogs und der Empathie”, ist für ihn der Titel der Ausstellung doch auch als Handlungsanweisung zu verstehen. “Solidarität darf sich nicht nur in eng abgesteckten, sozialen Grenzen, in Echokammern und Filterblasen zeigen. Es braucht eine neue Vorstellung von Gemeinsamkeit.” Folglich soll “How To Live Together” auch mehr bieten als nur künstlerische Positionen, sondern mit dem eingangs eingerichteten “Community College” aktive Reize setzen. Workshops, Lehrgänge und Vorträge sind hier bis zum Ende der Schau (das zufälligerweise mit dem Neuwahltermin am 15. Oktober zusammenfällt) angesetzt.

Um dabei möglichst viele Menschen zu erreichen, sind sowohl die College-Programme als auch die Ausstellung selbst während der Eröffnungstage bis 28. Mai sowie an jedem Sonntag nach dem Prinzip “pay as you wish” zu besuchen. Weitere Kooperationen sind mit Soho in Ottakring, der Vienna Pride oder der Wienwoche angesetzt.

(APA, Red.)

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