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Hotels dürfen wieder öffnen: Rekordtief bei Buchungen

Ab Freitag dürfen Hotels wieder öffnen.
Ab Freitag dürfen Hotels wieder öffnen. ©APA/BARBARA GINDL
Ab Freitag dürfen Hotels in Wellen wieder öffnen. Die Auslastung liegt im Schnitt derzeit jedoch nur bei 20 bis 30 Prozent.

Ab Freitag dürfte der österreichische Tourismus wieder durchstarten - der behördlich verordnete Lockdown endet am 29. Mai. "Je nach Auslastung öffnen die Betriebe in Wellen - Ende Mai, Mitte und Ende Juni", sagte der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer, im Gespräch mit der APA. Die Buchungen sind infolge der Coronakrise auf Rekordtief.

Nachfragerückgang wird sich auf Preise niederschlagen

"Die ersten Zahlen zeigen, dass wir mit Öffnung im Schnitt 20 bis 30 Prozent Auslastung haben in der Branche - das heißt, da ist noch viel Luft nach oben", betonte Gratzer. "Wir haben Betriebe, die sehr gut gebucht sind, mit 90 Prozent dank ihrer Stammgäste, aber auch welche, die bei 10 Prozent liegen, was natürlich sehr schwach ist."

Der Nachfragerückgang wird sich auch auf die Preise niederschlagen, ist sich ÖHV-Sprecher Martin Stanits sicher. Im Sommer ist das Geschäft auf 80 Millionen Nächtigungen ausgelegt. Dieses Angebot wird heuer bei weitem nicht ausgeschöpft. "In stark nachgefragten Regionen - an den Seen und in Thermenregionen - sowie in der Oberklasse werden sich die Hoteliers eine Spur leichter tun mit der Preisdurchsetzung", meinte der Branchensprecher. "Es gibt ein bisschen einen 'Run' auf wenige Hotels."

Auslastung für Ende Mai und Juni liegt bei 22 Prozent

Für Ende Mai und Juni liegt die Auslastung in der Qualitätshotellerie einer Umfrage der Hoteliervereinigung zufolge im bundesweiten Schnitt jedenfalls bei nur 22 Prozent - gegenüber 44,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. "Das ist eine Halbierung", so Stanits. Im Juli und im August, betrage sie aus heutiger Sicht jeweils nur knapp 33 Prozent gegenüber 68 bzw. 74 Prozent im Vorjahr, also wieder ein Rückgang von mehr als 50 Prozent. "Das kann sich noch ändern - je nach Änderungen bei den Möglichkeiten bei der Anreise", so Stanits mit Blick auf die Öffnung von Airports und Grenzen.

Österreichweit gibt es laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) knapp 16.000 Hotels mit fast 1,1 Millionen Betten, die zu füllen wären. Die meisten davon entfielen im Sommer 2019 auf Tirol (330.690), Salzburg (204.575), Kärnten (119.685), die Steiermark (115.024) und Wien (81.389).

Auslastungsrückgang von 50 Prozent bei vielen Hotels erwartet

"Die meisten Hotels im Bundesgebiet werden einen Auslastungsrückgang von mehr als 50 Prozent verzeichnen, über die gesamte Saison - und auch da sieht die Lage in der Stadt schlechter aus als im Rest von Österreich", erwartet der ÖHV-Sprecher. "Mit dieser Auslastung kann man nicht wirtschaftlich arbeiten." Dafür sei mindestens eine Auslastung von 55 Prozent nötig, in Thermenhotels wegen der hohen Energiekosten sogar 70 Prozent.

Am Land habe jedes zweite Hotel heuer im Sommer weniger als halb so viele Gäste wie im Vorjahr. "Das ist ein Wahnsinn, da hängen so viele Arbeitsplätze dran", ist Stanits alarmiert. Im Sommer verdienten die Betriebe normalerweise das Geld, mit dem sie Mitarbeiter, Lieferanten (Bäcker, Fleischer und Biobauern) sowie gewerbliche Auftragnehmer wie etwa Bautischler bezahlten.

Stadthotellerie am härtesten getroffen

Die Stadthotellerie ist am härtesten von der Krise betroffen. In der Stadt liegt der Auslastungswert bei der Hälfte der ohnehin schon schlecht gebuchten Ferienhotellerie. "Hier haben wir die zweifache Herausforderung, dass der klassische Business-Gast ausbleibt und dass die Stadthotellerie stark von internationalen Urlaubern abhängig ist - und da sehen wir noch lange kein Licht am Ende des Tunnels", so Gratzer. Die Airports sind noch nicht offen. Weiters gebe es in den Städten noch kein Programm, das akzeptabel sei, ergänzte Stanits unter Verweis auf Kulturveranstaltungen. "Hier fehlen in fast jedem Hotel mehr als die Hälfte der Buchungen."

Es sei noch völlig ungewiss, wann Businessveranstaltungen wieder möglich seien und wie die Betriebe konkret weiter unterstützt würden. Die Kurzarbeit etwa müsste laut Hoteliervereinigung bis nächstes Jahr verlängert werden. Auch der Fixkostenzuschuss werde nicht ausreichen - weder von der Dauer (drei Monate) noch von der Höhe her. Es sei ein generelles Problem, dass der Zuschuss auf gesunde Unternehmen abstelle, mit positivem Eigenkapital. "Die Branche hat aber ein geringes oder negatives Eigenkapital", betonte Gratzer. Viele Betriebe hätten investiert und zahlten ihre Kredite ab.

APA

Hotels arbeiten heuer hauptsächlich mit Personal aus Österreich

Die Coronakrise hinterlässt auch beim Hotelpersonal ihre Spuren. Die Belegschaft, sonst eine globale Mischung, wird heuer hauptsächlich aus Österreichern ergänzt um EU-Bürger bestehen. "Man möchte versuchen, vordergründig heimische Mitarbeiter zu platzieren", sagte WKÖ-Branchensprecherin Susanne Kraus-Winkler mit Blick auf die extrem hohe Arbeitslosigkeit und die geringe Auslastung in den Hotels.

"Wir haben heuer so gut wie keine Anfragen für Saisonniers, wahrscheinlich weil einige Betriebe später aufsperren und genug Mitarbeiter aus Österreich, der EU und den EWR-Staaten haben", meinte die Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) im Gespräch mit der APA.

Es sei derzeit schwierig genug, Mitarbeiter aus dem EWR-Raum reinzubekommen. Ab 1. Juli bräuchten auch Arbeitnehmer aus Kroatien keine Beschäftigungsbewilligung mehr, denn da ende die Übergangsfrist, die beim EU-Beitritt verhängt wurde. Bis 15. Juni müssten aber alle Arbeitnehmer aus der EU den generellen Einreisebestimmungen zufolge einen Covid-Test vorweisen, um sich die zweiwöchige Quarantäne zu ersparen, so Kraus-Winkler.

Saisonniers werden heuer vermutlich kein Thema sein

"Da eher weniger als mehr Mitarbeiter gebraucht werden, gehen wir davon aus, dass Saisonniers diese Sommer- und Wintersaison kein Thema sein werden", erwartet die Hoteliersvertreterin. Laut Verordnung vom Dezember 2019 hätten heuer 1.263 Angehörige aus Drittstaaten im heimischen Tourismus arbeiten dürfen - die meisten davon in Salzburg, Tirol und Vorarlberg. In den Jahren davor wurde diese Zahl von der Branche stets als viel zu niedrig angeprangert.

Die Saisonniers aus den Nicht-EU-Ländern bräuchten neben einem Visum und einer Beschäftigungsbewilligung auch ein Gesundheitszeugnis. "Da wird es schwierig, da das im Moment sehr kompliziert ist - in manchen Ländern ist auch gar kein Covid-Test möglich", so die WKÖ-Funktionärin.

Saisonniers können nicht in Kurzarbeit geschickt werden

Ein weiterer Nachteil: Saisonniers könnten nicht in Kurzarbeit geschickt werden. Mit einem Arbeitnehmer aus einem Drittstaat könnten ganze Abteilungen, wie etwa das Reinigungspersonal, nicht auf Kurzarbeit gehen - denn entweder gehen alle oder keiner.

Seit einer Woche ist klar, dass die Regierung die Kurzarbeit um drei Monate verlängert. Ein wichtiges Signal für den Tourismus. Denn für jene Betriebe, die davon per 1. März gebrauch machen, endet die erste Phase mit 31. Mai, also jetzt am Pfingstsonntag. "Der Bundeskanzler hat das vergangenen Donnerstag klar ausgesprochen - das war gut", ist Kraus-Winkler erleichtert.

Hotelöffnung bereitet Gewerkschaft Kopfzerbrechen

Dem Wiederaufsperren der österreichischen Hotellerie sieht die Gewerkschaft nur mit verhaltener Euphorie entgegen. "Aufsperren dürfen, ist nicht aufsperren können", so der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Berend Tusch, am Mittwoch. Kopfzerbrechen bereitet ihm die mangelnde Auslastung der Häuser. Das könnte noch viele Jobs kosten.

Ein Hotelbetrieb sei nicht einfach mit der Industrie vergleichbar, es brauche zu jeder Tages- und Nachtzeit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wenn der Betrieb offen ist. Solange aber nicht ausreichend Gäste in Hotels nächtigten, sei ein wirtschaftliches Führen der Betriebe selbst mit minimalem Personaleinsatz nicht möglich. "Tausende Menschen, die vor allem in der Stadthotellerie beschäftigt sind, bangen um ihren Arbeitsplatz oder haben diesen schon verloren", so der Gewerkschafter.

Ein Personalgrundstock sei auch bei minimaler Auslastung notwendig. Ebenso fielen monatlich weitere Kosten an, auf denen die Hotels sitzenblieben, wenn sie wegen der fehlenden Auslastung nicht den notwendigen Umsatz generieren zu könnten.

Finanzielle Unterstützung für Beschäftigte gefordert

"Wenn die Bundesregierung in den nächsten Wochen und Monaten nicht einen weiteren Zuwachs an Arbeitslosen produzieren will, braucht es dringend finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten, die Corona-Arbeitslosen und jene Betriebe, deren Auslastung gering ist, die aber den Beschäftigtenstand halten", betonte Tusch.

Der Gewerkschafter sorgt sich auch um die Gesundheit der Hotelmitarbeiter. Denn die Gäste müssen nur im Eingangsbereich und an der Rezeption einen Mund-Nasen-Schutz tragen, an den Tischen im Restaurant dürfen sie diesen abnehmen. Die Kellnerinnen und Kellner wiederum müssen überall im Innenraum Masken tragen. Und sie müssen auch einen Covid-19-Test machen.

Gegen Testungen spreche nicht, aber Jobs müssen gesichert bleiben

"Gegen Testungen für Beschäftigte im Tourismus ist natürlich nichts einzuwenden - wichtig ist, dass der Job unabhängig vom Testergebnis gesichert ist und alle getestet werden und nicht nur jene, die direkt am Gast oder Kunden arbeiten", meinte Tusch. "Die Übertragung kann genauso durch Gäste erfolgen, die in mehreren Lokalen unterwegs sind - wie auch internationale Erfahrungen zeigen", sagte der Gewerkschafter. Er versteht nicht, dass die Regierung einerseits Corona-Tests für Arbeitnehmer plane, die am Gast arbeiten, andererseits aber Gäste ohne Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen herumlaufen lasse. "Die kurzfristig abgeänderte Verordnung, dass Gäste nur im Eingangsbereich Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, passt nicht zur Idee mit Tests für Beschäftigte", findet Tusch.

"Soll es Corona-Tests für Beschäftigte im Tourismus geben, braucht es gleichzeitig das verpflichtende Tragen von Mund-Nasen-Schutz für Gäste in allen geschlossenen Räumen, außer man befindet sich am Tisch, im Hotelzimmer oder im Wellnessbereich", so die Meinung des Gewerkschafters. Damit sei auch für jeden Gast klar, was wo gelte.

Der vida-Gewerkschafter fragt sich zudem, was passiere, wenn "plötzlich ein Mitarbeiter tatsächlich positiv getestet wird". Die Pläne seien dementsprechend nicht zu Ende gedacht.

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(APA/Red)


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