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Hoteliers uneinig über optimalen Zeitpunkt für Wiedereröffnung

Über den optimalen Zeitpunkt für eine Wiedereröffnung sind sich die Hoteliers uneinig.
Über den optimalen Zeitpunkt für eine Wiedereröffnung sind sich die Hoteliers uneinig. ©APA/BARBARA GINDL
Der Start des heimischen Winter-Tourismus wurde durch die Coronakrise bisher ausgebremst. Über einen optimalen Zeitpunkt für einen Restart sind sich die Hoteliers jedoch uneinig.

Die hohen Corona-Infektionszahlen und internationale Reisewarnungen haben den Start des heimischen Tourismus in die aktuelle Wintersaison vorerst ausgebremst. Sämtliche Hotels sind derzeit zu. Über den optimalen Zeitpunkt für die Wiederöffnung herrscht Uneinigkeit. Knapp die Hälfte (46,5 Prozent) der Betriebe will spätestens bis Weihnachten aufsperren dürfen, etwas über die Hälfte danach, wie aus einer Umfrage der Hoteliervereinigung hervorgeht, die der APA exklusiv vorliegt.

Infektionszahlen für Aufsperren entscheidend

"So schnell wie möglich" öffnen möchten 23,5 Prozent; vor Weihnachten - sprich ab dem 20. Dezember - aufmachen wollen weitere 23 Prozent. Mitte Jänner starten wollen 43 Prozent; knapp nach Weihnachten - am 26. Dezember - loslegen, also versuchen, auch das Silvestergeschäft noch mitzunehmen, wollen weitere 10 Prozent. Knapp ein Viertel aller Befragten betonte aber zugleich, dass für das Aufsperren "alleine die Infektionszahlen entscheidend" seien.

Obwohl die Buchungen massiv eingebrochen sind und eine wirtschaftliche Bewertung zumindest eine Herausforderung darstellt, würden aber sogar 69 Prozent der befragten Hoteliers am liebsten schon zu Weihnachten öffnen, wenn dies erlaubt und möglich wäre. Nur ein Fünftel davon führte als Motiv an, dass sich das auszahlte. Für den Großteil (rund 43 Prozent) stünde dabei im Vordergrund, die Mitarbeiter zu halten. Ein weiteres knappes Fünftel (19 Prozent) würde gerne für seine Stammgäste da sein, der Rest gab "sonstige Gründe" an.

Erwartete Auslastung keinesfalls berauschend

Die erwartete Auslastung ist diesen Winter keinesfalls berauschend: Zu Weihnachten liegt sie aus aktueller Sicht im Schnitt bei knapp 29 Prozent, zu Silvester bei 43 Prozent, im Jänner bei rund 37 Prozent und im Februar dann bei fast 53 Prozent, wie aus der Erhebung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) weiters hervorgeht.

Befragt wurden 544 Beherbergungsbetriebe der gehobenen Kategorie mitten im zweiten Lockdown, im Zeitraum 27. bis 30. November. Über die Hälfte davon befindet sich in den im Winter nächtigungsstarken Bundesländern Tirol (22,3 Prozent), Salzburg (20,6 Prozent) und Vorarlberg (13 Prozent).

Die verbreitete Annahme, dass vor allem die westlichen Bundesländer mit einem besonders hohen Anteil an internationalen Urlaubern und dem Saisonhöhepunkt ab Februar (mit den österreichischen und deutschen Semesterferien bzw. niederländischen Krokusferien) auf den späteren Saisonbeginn setzen würden, halte nicht, so die Hoteliervereinigung: Die Zustimmung sei mit 44 Prozent im Westen bzw. 45 Prozent im Osten "praktisch gleich hoch" und die Differenz jedenfalls innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

Unterschied zwischen Stadt- und Ferienhotellerie

Interessant sei der Unterschied zwischen Stadt- und Ferienhotellerie: Die Stadthotels wollen - wenn auch auf niedrigem Niveau - deutlich häufiger "möglichst rasch" öffnen - mit 31 Prozent gegenüber 21 Prozent am Land. Noch auffälliger ist freilich der deutlich höhere Anteil der Stadthotels, die erst "Mitte Jänner oder später" öffnen wollen - mit einem Anteil von knapp 55 Prozent. Unter den Ferienhotels setzen mit knapp 39 Prozent deutlich weniger auf eine sichere zweite Saisonhälfte.

Der Hintergrund dürften hier die Erfahrungen der vergangenen Monate mit den Schließungen sein, die man kein zweites Mal riskieren will, sowie auch der Aufwand im Zusammenhang mit dem Herunter- und Wiederhochfahren der Betriebe. Während das in der Ferienhotellerie weitestgehend Routine sei, hätten die Stadthotels, die bis vor der Pandemie stets rund um die Uhr besetzt waren, vor dem Lockdown teilweise gar keine Alarmanlagen gehabt, hieß es aus der Hoteliervereinigung.

Zusätzlich zur Umfrage geführte Gespräche mit einzelnen Hoteliers hätten ergeben, dass die Branche "im Endeffekt sehr breit aufgestellt ist". Es gebe von Fall zu Fall extreme Unterschiede bei den Geschäftsmodellen, den Gästeschichten, aber auch bei den Erfahrungen mit dem Lockdown und den weiterlaufenden Kosten bzw. Unterstützungszahlungen, vor allem aber auch bei den Erwartungen und finanziellen Reserven, dem erwähnten Aufwand und der Routine.

Stadthotels: Niedriges Niveau besser als kein Betrieb

Auch wenn Weihnachtsmärkte und Weihnachtsfeiern in größerem Ausmaß fast genauso unwahrscheinlich sind wie Städtereisen, plädiert laut ÖHV immerhin fast ein Drittel der Stadthotels für den schnellstmöglichen Restart - weil die laufenden Kosten zu hoch sind und selbst ein niedriges Niveau besser als gar kein Betrieb. Das Öffnen werde auch als Investition in die Mitarbeiter gesehen. Stamm- und Businessgäste könnten aber - bei Einhaltung aller Regeln - auch für eine Grundauslastung sorgen.

Befürchtungen von zu viel Kontakt und in weiterer Folge Infektionen sind dem Branchenverband zufolge unbegründet - einerseits weil in den Hotels die Hygieneregeln seit dem Frühjahr eingeführt seien und befolgt würden, andererseits weil bei der erwarteten Auslastung zu Weihnachten von knapp 29 Prozent "wirklich kein Gedränge zu erwarten" sei und bei den voraussichtlich etwas über 50 Prozent Auslastung im Februar "mehr als genug Platz pro Gast zu erwarten" sei.

Restart: Optimalen Zeitpunkt gibt es nicht

Einen optimalen Zeitpunkt für den Restart der gesamten Hotellerie gibt es laut ÖHV nicht: Die Erwartungen in Bezug auf Auslastung und Rentabilität, der Aufwand für das Aufsperren, aber auch die Befürchtungen im Hinblick auf einen dritten Lockdown seien von Hotel zu Hotel zu unterschiedlich. Dazu komme die von der Politik immer klar kommunizierte Vorrangigkeit der Gesundheitspolitik, die die Branche mittrage: "Gesundheit hat Vorrang."

Eines schwingt in den Gesprächen mit Unternehmern den Angaben zufolge immer mit: Sie wollen nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sein, teils aufgrund des damit verbundenen Aufwands, der fehlenden Rechtssicherheit, der langen Wartezeiten, vor allem aber aus Prinzip. Vor dem Hintergrund monatelanger Liquiditätsengpässe zeige die Befragung aber auch, dass es "rasche Liquiditätszuschüsse in ausreichendem Ausmaß brauchen wird, um Arbeitsplätze zu erhalten".

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(APA/Red)

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