Horst Tschaikner ist Wiens neuer Schulschwänz-Beauftragter

©APA/Herbert Neubauer
Am Donnerstag wurde Horst Tschaikner vom Stadtschulrat Wien als neuer Schulschwänz-Beauftragter der Stadt Wien vorgestellt. Er soll -so wörtlich-  das Stangeln künftig "uncool" machen.

Anfang der Woche überraschte der Wiener Stadtschulrat mit dem Vorschlag einen eigenen Schulschwänz-Beauftragten zu etablieren und erntete damit viel Spott von der Opposition. Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, wer künftig das neue Amt besetzten soll: Horst Tschaikner, selber Hauptschullehrer und bisher zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Stadtschulrat.

Aufgaben des Schulschwänz-Beauftragten fixiert

Bis zum Beginn des kommenden Schuljahres soll  Horst Tschaikner einen Maßnahmenkatalog für das konkrete Vorgehen der Schulen gegenüber Schulschwänzern präsentieren. Neben der Entwicklung dieses Leitfadens, gehört zu seinen Aufgaben, Hilfsangebote für Betroffene zu entwickeln, internationale Best-Practice-Projekte zu recherchieren und Daten zu sammeln. Er wird zuständig sein für die Information von Schülern, Eltern und Lehrern – auch in puncto Rechtsberatung. Horst Tschaikner selbst verkündete am Donnerstag: “Mein Ziel ist es, bestehende Projekte zusammenzuführen und neue Initiativen zu entwickeln. Hierbei will ich auch auf internationale Erfahrungen erfolgreicher Programme gegen Schulschwänzen zurückgreifen und diese für das Wiener Schulwesen nutzbar machen.” 

Schulschwänzen wird in Wien als großes Problem gesehen

“Ob notorisches Zu-Spät-Kommen, einseitige Urlaubsverlängerungen, die Nicht-Teilnahme an schulbezogenen Veranstaltungen oder der ‘spontane Verzicht’ auf Nachmittagsunterricht – Schulschwänzen darf nicht toleriert werden.”, gibt sich Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl streng. Die größte Gruppe an  “klassischen Schulschwänzern” gebe es in Oberstufenklassen, also bei Jugendlichen ab 14. Ein bis zwei Schüler pro Klasse und damit 4.000 bis 5.000 Jugendliche seien betroffen.

Zahlen über Schulschwänzer wenig aussagekräftig

Ob Schulschwänzen in den vergangenen Jahren zu einem größeren Problem geworden ist, wisse man derzeit nicht. Die Zahl der Anzeigen wegen Schulpflichtverletzungen, die sich laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Unterrichtsministeriums seit 2005 auf rund 1.160 allein von Jänner bis September 2011 mehr als verdoppelt hat, basiere nur auf Meldungen an das zuständige Magistrat und umfasse unter der Kategorie “Schüler” auch andere Themen wie Verwahrlosung. Eine der wichtigsten Aufgaben Tschaikners wird es also sein, Daten zu sammeln.

Opposition gegen Schulschwänz-Beauftragten

Der Spott vonseiten der Opposition am “Schulschwänz-Beauftragten” des Wiener Stadtschulrats reißt auch nach der offiziellen Ernennung von Horst Tschainker nicht ab. Während Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz der Stadt zugutehält, dass sie “das Problem jedenfalls erkannt hat”, meint  FPÖ-Bildungssprecher Dominik Nepp, dass der “Beauftragte Nr. 23 oder 24 im rotgrünen Wien die Hilflosigkeit von SPÖ und Grünen auch in der Bildungspolitik” zeige. Damit spielt er auf die bereits auserkorenen Universitäts- und Radfahrbeauftragten sowie den geplanten Fußgängerbeauftragten der Stadt an. ÖVP-Bildungssprecherin Isabella Leeb hingegen fordert die Einführung einer Stadtwache ähnlich der “Ordnungsämter in Deutschland, die schulpflichtige Kinder auf der Straße ansprechen und die Behörden einschalten”.
(APA)

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