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Hitzewellen: Aggressivität und Atemprobleme steigen

Laut einer Studie das KFV führen die Hitzewellen zu mehr Aggression und Atembeschwerden.
Laut einer Studie das KFV führen die Hitzewellen zu mehr Aggression und Atembeschwerden. ©KFV/APA Fotoservice/Juhasz
Die große Hitze hat negative Effekte auf einen überraschend großen Teil der Bevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bereichs Eigentumssschutz im KFV.

58 Prozent der Österreicher sind bereit, während Hitzewellen auf ihr Auto zu verzichten. Das zeigt eine am Mittwoch in Wien präsentierte repräsentative Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Ein Drittel der mehr als 1.200 Studienteilnehmerinnen und- teilnehmer habe zudem während Hitzewellen Probleme mit der Atmung, ein noch höherer Anteil reagiert vermehrt gereizt bis aggressiv, hieß es auf dem Medientermin zusammen mit Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

Aggressivität und Atemprobleme steigen durch Hitzewellen

35 Prozent der Befragten räumten ein, selbst schon einmal Gereiztheit bzw. erhöhte Aggression erlebt zu haben. 40 Prozent haben das laut Studie zumindest in ihrem Umfeld registriert. Ein Drittel verzeichnete Atembeschwerden, wobei jüngere Personen und Frauen stärker betroffen seien. 62 Prozent haben bereits aufgrund von hohen Temperaturen eine geplante Aktivität im Freien abgebrochen bzw. gänzlich abgesagt.

40 Prozent der Befragten haben Aggression im Umfeld registriert

Die durchschnittliche Dauer einer Hitzewelle habe in den vergangenen Jahrzehnten um rund zwei Tage zugenommen, so die Experten. Von einer Hitzewelle ist unter Experten die Rede, wenn die Lufttemperatur an mindestens drei Tagen in Folge über 30 Grad liegt. An Sommertagen hat es mindestens 25 Grad - wobei die Temperaturen im Schatten gemessen werden.

14 Prozent der Verkehrsunfälle in vergangene fünf Jahren bei Hitze

14 Prozent aller Verkehrsunfälle in den Jahren 2020 bis 2022 ereigneten sich laut dem KFV während Hitzewellen. Grundsätzlich komme es zu einer Leistungsminderung, meist auch Zunahme von Gewalt und Aggressivität, so Hutter. Auch ein Anstieg von Substanz- und Alkoholmissbrauch sei zu verzeichnen, hieß es bei der Präsentation der im Zeitraum von 28. März bis 5. Mai 2023 durchgeführten Umfrage.

60 Prozent verzichten an Hitzetagen freiwillig auf das Auto

Fast sechs von zehn Befragten zeigten sich laut eigenen Angaben bereit, in Hitzeperioden freiwillig auf das Auto zu verzichten, so ein Ergebnis der Umfrage zu "Hitze- und Sommergefahren". Eine auffallend hohe Zahl an Menschen empfindet extreme Hitze eher als Qual, nicht immer erkennt man die sinkende Leistungsfähigkeit allerdings rechtzeitig.

Maßnahmen gegen Hitze: Klimaanlagen sind am beliebtesten

23 Prozent der Befragten haben bereits eine Klimaanlage, 29 Prozent planen die Anschaffung. Eine ideale Einstellung liegt bei fünf bis sechs Grad unter der Außentemperatur. Hutter verwies auf die Wirksamkeit von Ventilatoren, die auch weniger negative Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Hitzeinseleffekt heizt Städte um bis zu 10 Grad Celsius zusätzlich auf

Die Studie zeigt ein auffallendes Stadt-Land-Gefälle. Wohnt jemand in der Stadt, ist die Sorge vor zunehmenden Hitzetagen größer als am Land, wobei die Gründe dafür durchaus auf der Hand liegen. „Der Hitzeinseleffekt in Städten kann im Vergleich zu ländlichen Gebieten für bis zu 10 Grad Celsius höhere Temperaturen sorgen, in Großstädten wie Wien und Graz können noch einmal 2 Grad Celsius dazukommen“, analysiert der KFV-Experte. Gleichzeitig liegt eine große Anzahl an besonders vulnerablen Einrichtungen in urbanen Gebieten. Im europäischen Schnitt sind dies 50 Prozent der Krankenhäuser und 40 Prozent der Schulen. In den Großstädten Wien und Graz werden diese Werte maßgeblich überschritten.

Warnsignale bei Hitze schnell erkennen

Die Warnsignale seien unterschiedlich, so Hutter. Manche Personen reagierten primär mit Abgeschlagenheit und Müdigkeit, bei anderen könne es zu einem Hitzestau und bei nicht ausreichender Behandlung sogar zu einem lebensbedrohlichen Hitzschlag kommen. Heftige Kopfschmerzen, anhaltendes Erbrechen oder hohe Körpertemperatur sind Zeichen eines akuten Notfalls, hieß es. Fast jeder zweite habe an Hitzetagen bereits einen Schwächeanfall erlitten - oder in seinem Umfeld registriert, erläuterte Armin Kaltenegger, der für Naturgefahren zuständige Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV. "Frauen sind etwas häufiger betroffen sind als Männer und Jüngere häufiger als Personen über 50."

Richtig reagieren als Ersthelfer vor Ort

„Ersthelfer vor Ort sollten die betroffene Person rasch aus der Sonne bringen, zu enge Bekleidung lockern und die Person abkühlen – beispielsweise mit feuchten Tüchern, besonders im Kopf- und Nackenbereich“, erklärt Prof. Hutter. Auch eine klimatisierte Umgebung trägt dazu bei, den Organismus wieder zu stabilisieren. Zur inneren Anwendung sollten elektrolythaltige kühle Getränke oder auch salzhaltige Flüssigkeiten angeboten werden. Jedenfalls niemals einer bewusstlosen Person etwas einflößen.

Empfehlungen für das Verhalten bei großer Hitze

Individuelles Verhalten

  • Babys und Kleinkinder nicht der direkten Sonne aussetzen.
  • Mittagshitze und körperliche Anstrengung vermeiden.
  • Leichte, luftdurchlässige Kleidung tragen, Kopf und Augen mit Kopfbedeckung und Sonnenbrille schützen.
  • Warnsignale des Körpers ernst nehmen.
  • Insbesondere bei älteren Menschen auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und wenn nötig Unterstützung bei Erledigungen etc. anbieten.
  • Bei Bedarf mit dem Hausarzt die hitzeangepasste Einstellung von Medikamenten besprechen.

Maßnahmen im Haushalt

  • In der Früh durchlüften, Ventilatoren anschaffen und/oder für Durchzug sorgen.
  • Räume tagsüber abdunkeln und Fenster geschlossen halten.
  • Außenjalousien anbringen.

Sommer in Wien

(APA/Red)

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