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Hilfswerk: Mehr Mittel für Sprachförderung gefordert

Hilfswerk-Präsident Othmar Karas fordert mehr Mittel zur Sprachförderung.
Hilfswerk-Präsident Othmar Karas fordert mehr Mittel zur Sprachförderung. ©APA/HANS PUNZ
In Krippen und Kindergärten findet die Sprachförderung derzeit unter schwierigen Bedingungen statt. Das Hilfswerk fordert nun mehr Mittel, um bessere Verhältnisse schaffen zu können.

Ob ein Kind in den ersten Lebensjahren sprachlich gefördert wird, hat großen Einfluss auf seine Bildungsweg. In Krippen und Kindergärten findet Sprachförderung derzeit allerdings unter schwierigen Rahmenbedingungen statt, Zeit und Personal sind knapp. Hilfswerk-Präsident Othmar Karas fordert deshalb mehr Geld, bessere Betreuungsverhältnisse und österreichweit einheitliche Qualitätsstandards.

Sprachförderung ist Fachschwerpunkt 2020/21

Wenn Kinder bei der sprachlichen Kommunikation "unterversorgt" sind, habe das nicht nur negative Auswirkungen auf das schulische Lernen, sondern auf ihre gesamte Entwicklung. Das betont Martina Genser-Medlitsch, fachliche Leiterin des Bereichs Kinder, Jugend, Familie und Psychosoziale Dienste des Hilfswerk Österreich, im Gespräch mit der APA. Sprachförderung ist deshalb 2020/21 der Fachschwerpunkt des Hilfswerks, das über Krippen, Kindergärten und Tageseltern selbst elementarpädagogische Bildung und Betreuung anbietet. Unter dem Titel "Sprache für das ganze Leben" sollen ab Oktober Mitarbeiter in acht Fachkonferenzen in Theorie und Praxis des frühkindlichen Spracherwerbs geschult werden.

Für Eltern, Erziehungsberechtigte und Großeltern wurde wiederum die Broschüre "Sprechen macht schlauer" entwickelt, in der etwa angelehnt an die Ernährungspyramide eine "Sprachpyramide" zeigt, worauf es bei der Sprachförderung ankommt, und die wissenschaftlichen Hintergründe erklärt werden. Die Eltern sollten sich keine Sorgen machen, ob sie das überhaupt können, so Genser-Medlitsch. Vieles werde ohnehin intuitiv richtig gemacht, oft brauche es nur etwas mehr Aufmerksamkeit.

Die ersten drei bis vier Jahre seien die sensible Phase des Spracherwerbs, sagt Sprachwissenschafterin Barbara Rössl-Krötzl, eine der Hauptvortragenden der Hilfswerk-Weiterbildungen. Neben Zeit und Zuwendung sei dabei auch die Qualität des sprachlichen Inputs, etwa komplexe grammatikalische Strukturen, entscheidend. Im Kindergarten dürfe außerdem nicht nur Alltagssprache gefördert werden, für Fähigkeiten wie Erzählen, Planen oder Abstrahieren brauche es nämlich mehr sprachliche Mittel. "Frühe sprachliche Förderung ist ja dazu da, die Bildungssprache anzubahnen", so Rössl-Krötzl. Hier gebe es in den Kindergärten noch Potenzial, stärker auf die kognitive Funktion der Sprache zu achten.

Deutsch als Zweitsprache: Pädagogen fehlt es noch an Qualifikation

Bei der Förderung von Deutsch als Zweitsprache fehle es wiederum bei den Pädagoginnen noch an Qualifikation, wie die Kinder am sinnvollsten gefördert werden können. Es könne nicht gutgehen, wenn etwa von Beginn an die Verwendung des richtigen Artikels verlangt werde. Man müsse vielmehr die natürlichen Spracherwerbsabläufe beachten und Fragen an den Anfang stellen, die für das Kind Bedeutung haben, regelhaft sind und häufig vorkommen. "Da passiert sonst sehr viel Aufwand für etwas, was das Kind noch gar nicht können kann."

Um in den Kindergärten die Rahmenbedingungen für Sprachförderung und Bildungsarbeit zu verbessern, fordert Hilfswerk-Präsident Karas die Anhebung der Mittel für Elementarpädagogik von 0,6 Prozent des BIP auf ein Prozent, das wären 1,5 Mrd. Euro zusätzlich. Im OECD-Schnitt werden 0,8 Prozent des BIP für Kindergärten aufgewendet. Bei den Jüngsten müssten außerdem die Barcelona-Ziele erreicht werden und mindestens 33 Prozent der Unter-Dreijährigen eine Krippe besuchen, bei der letzten Erhebung 2017/18 waren es nur 26 Prozent.

Zusätzliches Geld solle "qualitative Aufrüstung" möglich machen

Das zusätzliche Geld soll, geht es nach Karas, für eine "qualitative Aufrüstung" genutzt werden: Derzeit komme etwa eine ausgebildete Pädagogin (weniger als fünf Prozent des Kindergartenpersonals sind Männer) je nach Bundesland auf drei bis 15 Unter-Dreijährige, nach Expertenempfehlungen sollten es nur drei bis acht Kinder sein. Auch der Schlüssel von eins zu 25 bei Kindergartenkindern sei untragbar. Insgesamt bräuchte es nach Schätzungen des Hilfswerks 4.000 bis 6.000 zusätzliche Pädagoginnen, um die Betreuungsverhältnisse nachhaltig zu verbessern, und zwar österreichweit einheitlich. Das sei allerdings angesichts der schon bestehenden Personalknappheit nur vorstellbar, wenn die Pädagoginnen neben verbesserten Arbeitsbedingungen auch mehr Wertschätzung zu erwarten hätten - und zwar auch nach Ende der Coronakrise.

(APA/Red)

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