Hietzing: Das Ende einer Idylle

Die Morgensonne blinzelt durch Bäume hindurch, langsam erwacht die Neue-Welt-Gasse in Wien-Hietzing Mittwoch früh. Vor dem Gartentor eines idyllisch gelegenen Mehrparteienhauses verabschiedet sich gerade ein Bub mit Schultasche am Rücken vom Vater.

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Das Kind dürfte ungefähr sieben Jahre alt sein – gleich alt wie das Mädchen, das just in diesem Haus im obersten Stock zusammen mit seiner Mutter ermordet aufgefunden wurde.

Ruhig ist es in der Straße, keine Aufregung ist ersichtlich. Alles scheint alltäglich, auch für eine Frau im blauen Kostüm, die den Tag gerade erst beginnt und aus dem Wohnhaus kommt. Dann sieht sie die zwei Polizisten und ein paar Journalisten, sie scheint verwirrt: “Was ist passiert – Einbruch?”, meint sie, zieht dann aber sicherheitshalber einen großen Bogen um die Gruppe.

Etwas später kommt eine ältere Frau heraus. Sie stellt sich zum Gartentor und will sichtlich etwas loswerden: “Unfassbar. Jetzt haben wir traurige Berühmtheit”, meint sie in die kleine Gruppe von Beamten und Journalisten hinein. “Und das Kind – nein.” Mehr geht dann offenbar doch nicht. Sie schüttelt den Kopf und blickt zu Boden. Sie habe rausgehen müssen, erklärt die Frau. Dann geht sie den Steinplattenweg vom Zaun zur Haustüre zurück.

Ihr kommt eine junge Frau im Sommerrock mit einem kleinen Hund an der Leine entgegen. Als sie die Polizisten entdeckt, wendet sie sich zur Nachbarin hin. “Was ist los?” scheint sie zu fragen. Die Ältere flüstert ihr die unglaubliche Nachricht zu, dass offensichtlich ein Nachbar seine Familie umgebracht hat. Die Fröhlichkeit verschwindet aus ihrem Gesicht, ihre Augen werden groß und sie schlägt sich die Hand vor dem Mund. Zusammen gehen sie zurück zum Gebäude, die ältere hat umsichtig ihre Hand auf den Rücken der jüngeren gelegt.

Ein Installateur kommt zum Haus, scheint verwirrt angesichts der Polizisten davor. “Ich müsst da hinein, bin ich eh richtig?”, fragt er fast ein bisschen eingeschüchtert und nennt einen Namen – offensichtlich nicht den des 39-jährigen Mannes, der Mittwoch früh für Verwirrung in der Gasse sorgt. Eine Anrainerin von der gegenüberliegenden Straßenseite kommt vorbei: “Was gibt es hier?”, fragt sie einen Fotografen. “Mord? Nein…” Das Wort bleibt ihr fast im Hals stecken.

Der Leichenwagen fährt vor, zwei Särge werden eingeladen – alles mitten in der Neuen-Welt-Gasse, in einer ruhigen Baumallee mit gepflegten Häusern. Es sind nur wenige wach, die das Schauspiel verfolgen könnten. Ein junger Mann geht vorbei, führt seinen Hund Gassi. Das große schwarze Auto ist ihm aber nicht mehr als einen kurzen Seitenblick wert.

Neue-Welt-Gasse, 1130 Wien, Austria

Unfassbare Familientragödie in Hietzing

Vorbericht: Die Tatwaffe war eine Axt

Erste Meldung: Doppelmord in Wien Hietzing

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