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HGM-Bericht präsentiert: Zahlreiche Missstände aber keine antisemitischen Inhalte

Am heutigen Montag wurde der Bericht präsentiert.
Am heutigen Montag wurde der Bericht präsentiert. ©APA/ROBERT JAEGER
Am heutigen Montag wurde der Bericht nach der monatelangen Überprüfung des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) präsentiert. Zwar wurden keine antisemitsichen Inhalte festgestellt, zahlreiche Missstände wurden aber dennoch geortet.
HGM: Rechnungshof ortet "gravierende Mängel"

"Wir haben keine Hinweise auf antisemitische oder rechtsextreme Inhalte gefunden", machte Kommissionspräsident Wolfgang Muchitsch am Montag nach der monatelangen Überprüfung des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) deutlich. Die elfköpfige Evaluierungskommission zu den Dauerausstellungen war im Vorjahr vom damaligen Verteidigungsminister Thomas Starlinger eingerichtet worden. Nun wurden die Ergebnisse der Experten von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) präsentiert.

Zahlreiche Missstände aufgelistet

Die Installierung der Kommission war die Folge einer Debatte um den Umgang des Museums mit der militärischen Vergangenheit Österreichs sowie Vorwürfen der Offenheit für Rechtsextremismus. Aber auch wenn man diesbezüglich keine großen Kritikpunkte hat, bewertet die Kommissionen längst nicht alles positiv und listet zahlreiche Missstände auf.

"Die Ansprüche an ein modernes militärhistorisches Museum fehlen", machte Muchitsch deutlich. Die Dimension der Gewalt des Krieges werde nicht adäquat gezeigt. "Es geht um die feierliche Erinnerung an Feldherren, nicht an ihre Taten", so der Kommissionschef. Die Genderperspektive, jene der "einfachen Soldaten" oder von Zivilisten fehle hingegen.

"Man hat den Eindruck, wenn man durch das Heeresgeschichtliche Museum geht: Kriege bestehen hauptsächlich aus Waffen und Gemälden", umriss Muchitsch die aktuelle Situation. Bei einer gesamten Ausstellungsfläche von 7.300 Quadratmeter entfalle hingegen weniger als ein Prozent auf Sonderausstellungen.

Gesamtkonzept sei nicht zu erkennen

"Die Kommission kritisiert, dass ein Gesamtkonzept nicht zu erkennen ist", fasste Muchitsch den Bericht zusammen. Man sehe ein Stückwerk von Fachexperten für ein Fachpublikum. Hinzu komme "ein Jahrzehnte gewachsener Investitionsrückstau". Auf der Habenseite sei hingegen die Behandlung zum Ersten Weltkrieg, die sich sehr positiv von den übrigen Ausstellungen abhebe oder auch die Vermittlung und das dichte Veranstaltungsprogramm samt steigender Besucherzahlen.

Dennoch gelte, so Muchitsch: "Wenn man ehrlich ist, ist doch keiner mit diesem Museum zufrieden." Zu den Empfehlungen der Kommission gehöre deshalb die Erarbeitung eines Strategieprozesses für ein Gesamtkonzept und eine stärkere Abstimmung mit ähnlichen Einrichtungen in Österreich. Militärgeschichte sei immer auch politische Geschichte. "Daher hat das Haus eine besondere Verantwortung, wie Geschichte vermittelt wird", so Muchitsch.

Tanner kündigte erste Fianzspritze an

Verteidigungsministerin Tanner kündigte eine erste Finanzspritze in Höhe von 4,3 Mio. Euro zur Modernisierung und Digitalisierung der Ausstellungen und die Einrichtung eines ständigen wissenschaftlichen Beirates unter Führung von Muchitsch an: "Aber das kann nur ein erster Schritt sein, dem andere folgen werden und müssen."

Dazu gehört auch die schon länger anstehende Neuausschreibung der Leitung. Diese solle möglichst bald erfolgen, aber "hier muss Qualität vor der Schnelligkeit gehen", machte Tanner deutlich: "Wir prüfen derzeit die zusätzliche Implementierung einer Verwaltungseinheit in der Führung." Entsprechend habe man im Haus noch erst eigene Hausaufgaben zu erledigen. Der durch den Bericht des Rechnungshofes im Vorjahr unter Beschuss geratene, amtierende Direktor M. Christian Ortner sei dabei nicht von einer Neubewerbung ausgeschlossen. "Jeder kann sich bewerben", so Tanner.

Bild eines renovierungsbedürftigen Hauses gezeichnet

Auch wenn die Kommission in Summe das Bild eines in jeder Hinsicht renovierungsbedürftigen Hauses gezeichnet habe, freue sie sich über die zahlreichen Wege und Möglichkeiten, die von der Kommission erarbeitet worden seien, zog Tanner Bilanz: "Ich persönlich bin der Meinung, dass wir nun in die Zukunft blicken und Veränderungen voranbringen können."

Drozda fordert Suspendierung von Direktor Ortner

Kritisch im Bezug auf den amtierenden Direktor Ortner zeigte sich gegenüber der APA der SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda: "Es braucht jetzt Taten - und das ohne Verzögerung. Direktor Ortner muss suspendiert und rasch eine international anerkannte Persönlichkeit für die Leitung gefunden werden. Diese muss das Museum weg von einer Habsburg-Devotionalien-Anbetungsstätte mit Feldherren-Huldigung ohne Gesamtkonzept und Strategie in die Gegenwart und Zukunft führen." Das HGM solle eine Bildungsstätte für breite Bevölkerungsschichten werden anstatt ein Militärmuseum für rechtsgerichtete Eliten mit einem Faible für Krieg und Waffen zu sein. Zugleich schlug Drozda die Eingliederung des Heeresgeschichtlichen Museums in die Bundesmuseen vor, um schnell zu einem professionellen Museumsmanagement zu kommen.

(APA/Red)

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