Hering will Türen der Festspiele "prinzipiell mehr öffnen"

Hering hat offenbar mannigfaltige Ideen
Hering hat offenbar mannigfaltige Ideen
Mit dem Stück "Wir sind nochmal davongekommen" hat Bettina Hering 2012 ihre Intendanz am Landestheater Niederösterreich begonnen. Nun ist sie schon fast wieder davongegangen. Mit Ende der Saison verlässt sie St. Pölten. Der künftige Salzburger Festspielintendant Markus Hinterhäuser holt sie als Schauspielchefin an seine Seite. "Sein Anruf hat mich sehr überrascht", gesteht Hering im APA-Interview.


In zahlreichen Gesprächen haben sich die beiden, die einander vorher nur marginal kannten, ausgetauscht, ehe das konkrete Angebot kam, erzählt die 1960 in Zürich geborene ehemalige Dramaturgin und Regisseurin: “Ich fand das eine sehr gute Herangehensweise.”

Hering wird sich bei den programmatischen Bögen nicht bloß auf das Schauspiel konzentrieren: “Das ist auch der große Reiz, dass wir gesagt haben: Wir möchten eng zusammenarbeiten und alles inhaltlich sehr viel mehr miteinander verknüpfen. Der Austausch ist rege. Wir wollen eine Salzburger Dramaturgie entwerfen.”

Die Salzburger Festspiel-Idee, die bei der Gründung ein Friedensprojekt von europäischer Dimension war, wirke wenige Jahre vor dem 100-Jahr-Jubiläum 2020 aktueller denn je. “Das muss sich auch niederschlagen. Wenn Theater nicht gesellschaftspolitisch verankert ist, entbehrt das wesentlicher Grundlagen.”

Gleichzeitig müsse traditionell aber auch der Spagat zwischen Österreich-Anspruch und Welt-Publikum versucht werden. “Man wird definitiv nicht allem gleichzeitig gerecht werden können, das ist nicht zu schaffen. Aber was im Moment am Theater verhandelt wird, auch ästhetisch, soll man in Salzburg auf einem tollen Tablett in einer relativen Fülle sehen können.”

Doch gerade beim Schauspiel wurde seit dem Wegfall des Sponsor-finanzierten Young Directors Project (YDP) eine Verarmung des Angebots beklagt. “Es gibt Überlegungen und Planungen, wie man wieder mehr Produktionen ermöglichen kann. Da sind wir gerade am Rechnen. Das ist ein großer Wunsch, wohl wissend um diese Lücke – aber es ist nicht leicht.”

Das YDP war eine Erfindung von Jürgen Flimm, Ivan Nagel erfand als Schauspielchef die Reihe “Dichter zu Gast”. Kann es auch Hering gelingen, dem Programm ihren Stempel aufzudrücken? “Das zu planen sind wir gerade dabei. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man sich wieder vermehrt um Literatur kümmert.” Wird es auch wieder mehr Uraufführungen geben? “Man sollte Uraufführungen nicht zum alleinigen Credo erheben. Natürlich kann man auch in Klassikern oder in Stücken der klassischen Moderne aktuelle Bezüge finden und herausarbeiten.”

Genau das versucht sie auch in den nächsten Premieren am Landestheater Niederösterreich unter Beweis zu stellen. Am Freitag (15.1.) bringt Cilli Drexel Fritz Hochwälders “Der Himbeerpflücker”.

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