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Heimische Kleinverlage leiden unter Corona-Krise

Der lokale Buchhandel ist für österreichische Verlage äußerst wichtig.
Der lokale Buchhandel ist für österreichische Verlage äußerst wichtig. ©pixabay.com (Sujet)
Auch die heimischen Kleinverlage werden von der Corona-Krise hart getroffen. Innerhalb weniger Wochen brachen die Umsätze radikal ein.

"Schlecht" bis "schrecklich" geht es derzeit heimischen Kleinverlagen. Die Verkäufe seien innerhalb weniger Wochen "praktisch auf null" zurückgegangen, wie ein Rundruf unter mehreren Verlagen von Milena über Wieser bis zur Edition Atelier zeigt.

Für das Frühjahr geplante Neuerscheinungen werden teilweise auf Herbst verschoben, für aktuelle Bücher rührt man auf Social Media die Werbetrommel.

Corona-Krise ließ Umsätze der Kleinverlage radikal einbrechen

"Mit großer Sorge und ein wenig Hoffnung" sieht etwa Jorghi Poll von der Edition Atelier die derzeitige Lage, wie er auf APA-Anfrage schildert. Die Umsätze würden gerade "radikal einbrechen", da die Online-Buchbestellungen sich derzeit noch weiter zugunsten der großen Verlage verschöben. Die Stärke der Kleinverlage liege aber in der Sichtbarkeit im stationären Handel, weshalb Poll hofft, "dass der lange Augenblick vorübergeht und die Läden wieder öffnen". Im Idealfall könne der Buchhandel im Herbst (wie schon im vergangenen Jahr nach der Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV) die Frühjahrsverluste wieder etwas auffangen. Durch den Amazon-Bücherlieferstopp sei es auch denkbar, dass Kunden wieder zu ihren lokalen Buchhandlungen zurückkehren.

Geschlossene Geschäfte brachten Buchverkauf zum Erliegen

Für den Kärntner Wieser Verlag hat der Umsatzeinbruch schon mit der Absage der Leipziger Buchmesse begonnen. "Den wahren finanziellen Einbruch" erwartet Jürgen Lagger vom Luftschacht Verlag allerdings erst in einigen Monaten, da sein Verlag die Erlöse aus dem Buchverkauf immer erst nach einer 3-Monats-Frist von den Auslieferungen ausgezahlt bekommt, weswegen derzeit noch Geld aus der Vor-Corona-Zeit hereinkomme. "Aber der Buchverkauf ist inzwischen mehr oder weniger zum Erliegen gekommen, es wird den Verlag also verzögert treffen."

"Unsere FrühjahrsautorInnen sind deprimiert, sie schrieben tolle Bücher und fast niemand liest sie. Die Einnahmen des Verlags sind auf fast null gesunken, die Ausgaben jedoch nicht. Es ist also kurz gesagt: schrecklich", fasst es Vanessa Wieser vom Milena Verlag zusammen. Auch die Pressearbeit habe sich laut Poll wesentlich erschwert. Zwar gebe es einige überaus engagierte Redakteurinnen und Redakteure, "aber es scheint, als wolle oder könne gerade kaum jemand aus dem Home-Office etwas über die Bücher österreichischer Verlage schreiben".

Geplante Neuerscheinungen teilweise auf Herbst verschoben

Bei der Bewerbung von Titeln aus dem Frühjahrsprogramm, die bereits erschienen sind, setzt man nun auf Online-Bewerbung in den Sozialen Netzwerken, auf Newsletter und auf persönliche E-Mails, wie Anita Keiper von der Grazer Edition Keiper schildert. Das reicht laut Lojze Wieser jedoch nicht aus: "Literarische Titel brauchen das fürsorgliche Wort der Buchhändler und die Begleitung der qualifizierten Rezension, sie verkaufen sich nicht von alleine, sie müssen aktiv angeboten werden." Titel, die demnächst erscheinen sollten, werden in vielen Verlagen auf Herbst verschoben, oder die Verlage lassen sie - wie Milena - erst ausliefern, wenn die Geschäfte wieder offen sind, da man Angst habe, dass sie sonst bei Wiedereröffnung der Geschäfte bereits als "alt" gelten. Einig sind sich die Verleger insoweit, dass es derzeit keinen Sinn mache, Neuerscheinungen "ins Corona-Loch zu schießen", so Lagger.

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation hat Lojze Wieser: "Hilfreich" wäre es, wenn ORF, Tageszeitungen, Magazine und andere täglich aus einem Literaturverlag ein Buch - samt allen bibliografischen Angaben - vorstellen würden. Auch im "Kulturmontag" könnten mehrere Titel pro Woche ins Licht gerückt werden. Für ORF III schlägt Wieser eine Zusammenarbeit mit Verlagen vor, um von Autoren aufgenommene Kurzlesungen aus dem vergangenen Herbst- und dem nunmehrigen Frühjahrsprogramm zu senden, "und diese auch nach den üblichen Sätzen honoriert werden würden und sie nicht mit dem Hinweis, Werbung für die Literatur zu erhalten, bei ausgestrecktem Arm verhungern lassen würden, was immer häufiger vorkommt".

Auf Videos von Autorinnen und Autoren setzt die Edition Keiper auf YouTube und Facebook unter dem Titel "Gulasch-daham-Lesungen" (in Anlehnung an die traditionelle Jahres-Auftaktveranstaltung, die "Gulaschlesung"). Die Edition Atelier versucht auch, die Autoren finanziell zu unterstützten. So habe man gerade über 11.000 Euro Tantiemen an die Autorinnen und Autoren ausgeschüttet, "auch wenn das für uns in dieser Situation schon ein bisschen riskant ist. Aber daran, aus Sicherheitsgründen die Gelder noch zurückzuhalten, haben wir keine Sekunde gedacht, im Gegenteil", so Poll. Schließlich seien Schriftsteller durch Veranstaltungsabsagen derzeit besonders hart betroffen. Allerdings können Tantiemen nur für die Bücher ausgeschüttet werden, die schon 2019 erschienen sind. "Für die aktuellen Bücher versuchen wir, mit unseren geringen Marketingbudgets eine verstärkte Onlinepräsenz zu bekommen", meint er.

Verlage greifen auf Kurzarbeit und finanzielle Unterstützung zurück

Die eigene finanzielle Situation bleibt jedoch ernst: So hat der Wieser Verlag "alle dargebotenen Instrumentarien - von Kurzarbeit bis zu den Anträgen für Kreditlinien - ergriffen" und hofft, "dass auch die Banken so kreativ und willens sind, wie die Sozialpartner und das AMS und unsere Risikobereitschaft auch zeitnah mittragen". Der Milena Verlag kann zwar eine gewisse Zeit auf Rücklagen setzen, "alles in allem ist es aber extrem bedrohlich und null motivierend", so Vanessa Wieser. "Man kann nur beten und hoffen, dass die Milliarden nicht an die üblichen Milliardäre gehen."

Auf staatliche Hilfe hofft man - für die gesamte Branche - in der Edition Atelier: Die Verlagsförderung solle im Herbst auf alle österreichischen Verlage umgelegt werden, so Poll. "Jeder Verlag sollte da etwas bekommen, weil die Krise auch alle trifft. Von den bisherigen Maßnahmen zeigen sich einige Verleger enttäuscht. "Klingt theoretisch alles sehr gut - für meinen Verlag ist bislang KEINE der vorgestellten Maßnahmen zutreffend (außer die Stundungs- und Kreditmaßnahmen ...)", so Anita Keiper, die etwa keinen Anspruch auf Zahlungen aus dem Härtefall-Fonds hat, auf den sie wegen ihrer Doppelversicherung durch die Witwenpension keinen Anspruch hat. "Wenn also Kogler & Co sich hinstellen und sagen, jeder wird mitgenommen, koste es was es wolle, so kann ich nur müde lächeln."

Auch Kritik an "lächerlichen" Hilfsmaßnahmen

"Lächerlich" findet die bisherigen Maßnahmen Vanessa Wieser vom Milena Verlag. "Wir verlieren in den zwei Monaten März und April ca. 20.000 Euro an Einnahmen, allein die Büromiete liegt bei 1200 Euro, da sind Unterstützungen von 500 bis 1000 Euro fast eine Demütigung." Sie hofft - für alle Verlage - nun auf mehr und "echte Unterstützung seitens der Staatssekretärin Lunacek und der Kunstsektion, mit der die Zusammenarbeit normalerweise sehr gut verläuft", so Wieser. Auch die Edition Atelier hat als GmbH mit vier Mitarbeitern kein Anrecht auf Unterstützung durch die Härtefallrichtlinien.

Lojze Wieser rechnet mit einem "'Tilt-Jahr 2020', um es in der Flippersprache zu sagen". Er verweist auf die Dringlichkeit, auch tragbare Lösungen für alle "rundherum", von Autoren über Lektoren und Grafiker bis hin zu Veranstaltern und Buchhändlern. Sonst werde die Literatur "ins Abseits rutschen und die Trivialität zum Beherrschenden werden. Damit stirbt aber die Kultur, mit ihr sterben die Strukturen und die Verrohung der Gesellschaft feiert fröhliche Umstände." Optimistischer zeigt sich Jürgen Lagger vom Luftschacht Verlag: "Den Kopf nicht hängen zu lassen. Aufgeben kommt jedenfalls nicht infrage."

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(APA/Red)

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