Hebrang: "Wie zu Zeiten des Kommunismus"

Zwar steht der Termin der Präsidentschaftswahlen in Kroatien noch gar nicht fest, doch werden schön langsam Wahlkampftöne laut. Andrija Hebrang, Kandidat der konservativen HDZ, wirft Präsident Mesic Jagd auf Gläubige vor.

Andrija Hebrang, Kandidat der regierenden HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), schießt sich auf den aktuellen Amtsinhaber Stjepan (Stipe) Mesic ein. “Mesic verfolgt die Gläubigen, als ob noch Kommunismus wäre”, wurde Hebrang am Donnerstag von der Zeitung “Jutarnji list” zitiert.

Mesic hatte zuletzt mit Kritik an der katholischen Kirche in Kroatien aufhorchen lassen. Er hatte deren “Privilegien” kritisiert und auch die Einführung einer “Kirchensteuer”, die es in Kroatien derzeit nicht gibt, angedacht. Hebrang kritisierte die “Schnellschüsse” des Präsidenten. Zur Einführung einer Kirchensteuer sei wohl eine Änderung des Konkordats mit dem Heiligen Stuhl notwendig.

Mesic hatte in den vergangenen Wochen auch die Entfernung von Kruzifixen aus staatlichen Institutionen, Kasernen und Polizeistationen verlangt. So etwas sei in einem laizistischen Staat, in dem neben Katholiken, auch Orthodoxe Christen, Muslime, Juden und Atheisten leben, unannehmbar, sagte er und bemängelte unter anderem auch die hohen staatlichen Zuschüsse für Kirchenbauten.

Hebrang und Mesic sind einander allerdings auch persönlich nicht gerade grün. Der 63-Jährige Hebrang war im Sommer etwas überraschend zum Präsidentschaftskandidaten der Regierungspartei ernannt worden. Er zählt zum rechten Flügel der HDZ und stammt aus der extrem nationalistisch und europaskeptisch geprägten Entourage des verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman. Mesic hatte bereits im Vorfeld der Bestellung Hebrangs zum Kandidaten klargestellt, dass er ihn zum Wohle Kroatiens keinesfalls als Nachfolger wünsche.

Ministerpräsidentin Jadranka Kosor hatte die Nominierung verteidigt: “Andrija Hebrang ist ein Patriot, der Kroatien über alles liebt.” Echte Chancen werden dem Medizinprofessor aber nach derzeitigem Stand nicht eingeräumt. Die Wahlen sollen im Dezember oder Jänner stattfinden. Die Amtszeit des seit dem Jahr 2000 im Amt befindlichen Mesic, der laut Verfassung nicht ein weiteres Mal antreten darf, endet im Februar.

Für die größte Oppositionspartei SDP (Sozialdemokraten) geht Ivo Josipovic ins Rennen. Weiters treten auch die Präsidentin der bürgerlich-liberalen Volkspartei (HNS), Vesna Pusic, und die frühere Justizministerin Vesna Skare-Ozbolt (Kroatisches Zetrum/DC) sowie Damir Kajin, Abgeordneter der IDS (Istrische Demokratische Versammlung), an.

Außerdem haben laut Nachrichtenagentur Hina mit Nadan Vidosevic (Präsident der Kroatischen Wirtschaftskammer und ehemaliger HDZ-Minister) sowie Mladen Nakic (Karrierediplomat und Experte für internationale Politik) vorläufig zwei unabhängige Kandidaten genannt. Auch Miroslav Tudjman (64), ältester Sohn Franjo Tudjmans, hatte bereits Ende März sein Interesse am Präsidentenamt als unabhängiger Kandidat bekundet.

Mesic erklärte, er werde in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen keine Wahlempfehlung für irgendeinen Kandidaten abgeben. Für die zweite Runde behalte er sich eine etwaige öffentliche Unterstützung allerdings vor.

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