"Happy End eines Krimis"

Das "Happy End eines Krimis", wie es eine Bewohnerin am Rennbahnweg 27 in Wien-Donaustadt ausdrückte, haben viele Menschen vor den TV-Geräten beim ersten Fernsehinterview von Natascha Kampusch gesehen.

Im Cafe Plauscherl inmitten des 5.000 bis 6.000 Einwohner zählenden Gemeindebaus zeigte man sich beeindruckt von dem Auftritt der jungen Frau mit dem lila Kopftuch. Einige urteilten auch anders: „Ich glaube, dass das gestellt war. Das war keine 18-Jährige“, meinte eine Verkäuferin einer kleinen Modeboutique in dem Areal.

Nach zehn Minuten habe sie den Fernseher ausgeschaltet. „Ich glaube, dass das Interview einstudiert war“, sagte die Frau der APA. Ähnliche Eindrücke schilderte Michael Teufelsbauer am Rennbahnweg: „Sie hat immer nach links oder rechts geschaut, als ob sie nicht wüsste, ob es richtig ist, was sie sagt.“ Mit der Mimik habe Natascha Kampusch große Probleme.

Andere Bewohner wiederum dürften Mittwochabend zu „Fans“ der 18-Jährigen geworden sein. „Ich bin beeindruckt von der Art und Weise, wie sie gesprochen hat“, meinte etwa die pensionierte Buchhalterin Christa Bödenauer. „Ich glaube, dass sie ihre gewählte Sprache von ihm (Wolfgang Priklopil, Anm.) gelernt hat“, sagte die Frau, die von ihrem Balkon direkte Aussicht auf die ehemalige Wohnung Natascha Kampuschs hat. Die 18-Jährige sei überhaupt ein „fesches, junges Mädel“ mit einem sensiblen weichen Herzen, meinte die Pensionistin. Auf das Fernseh-Interview sei sie schon „sehr neugierig“ gewesen. Auch die Artikel in der „Kronen Zeitung“ und dem Magazin „News“ werde sie noch studieren. Ihre Neugier zum Fall Kampusch sei dann aber gestillt, meinte die Wienerin, die für das Entführungsopfer bereits 100 Euro gespendet hat.

Besonders sensationslüstern sei Rennbahnweg-Bewohnerin Elfriede Rauscher ja nie gewesen, das Natascha-Interview habe sie aber dennoch verfolgt. „Sie schaut genauso aus, wie das zehnjährige Mädchen“, meinte die vierfache Mutter, deren 19-jähriger Sohn in die Schule am Brioschiweg gegangen ist. „Man denkt sich aber schon, ob das alles gestimmt hat, was sie gesagt hat“, meinte Rauscher. Den Medienrummel verstehe sie – „manche können sich in ihrer Neugier einfach nicht bremsen“. Sie respektiere aber, dass Natascha Kampusch im ORF-Interview nicht alles bis ins kleinste Detail preisgegeben hat.

Angespannt und nervös hat die junge Frau auf Otto Gruber gewirkt. „Sie hat nicht so richtig aus sich heraus erzählt“, meinte der Pensionist. Gerade das Notwendigste habe die 18-Jährige verraten. Er wolle den Fall weiter verfolgen und „mehr darüber wissen, was alles passiert ist“, sagte der Gemeindebaubewohner.

Weil sei „unterwegs waren“ oder „beruflich zu tun hatten“, haben etliche Bewohner am Rennbahnweg das Gespräch mit ORF-Journalist Christoph Feurstein nicht angesehen. „Ich habe es aufgezeichnet und werde es heute mit der Familie anschauen“, meinte etwa Kurt Hofbauer. In anderen Gemeindebauwohnungen dürfte wiederum König Fußball gesiegt haben. „Mein Mann hat das Match auf ORF 1 geschaut, da war die Sache für mich erledigt“, meinte die Verkäuferin der Fleischhauerei des Areals. Sie werde sich das Interview auf RTL oder einem anderen Sender ansehen. „Man kommt ja nicht drum herum“, meinte sie.

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