Handball-WM: Begeisterung trifft auf Nationalismus

Das Handball-Fieber hat Kroatien erfasst. Die gesamte Nation erwartet von seinem Team bei der Heim-WM nicht weniger als den Titelgewinn. Nationalistisch motivierte Zwischenfälle stören jedoch das WM-Fest.

“Das erste Ziel, das Halbfinale, haben wir erreicht, aber wir wollen mehr”, sagte Nationalcoach Lino Cernar. In die Begeisterung um seine Mannschaft mischen sich aber immer wieder nationalistische Töne. Ziel chauvinistischer Ausfälle sind die Serben, denen viele Kroaten weiter unversöhnlich gegenüberstehen.

Es gab bereits mehrere politisch motivierte Zwischenfälle. So wurde u.a. ein Auto mit serbischem Kennzeichen beschädigt, in Zagreb wurde eine serbische Fahne und in Porec eine kroatische Fahne angezündet. Es gab mehrere Festnahmen. Für Unruhe sorgten zudem anonyme Bombendrohungen gegen das Hotel, in dem die serbische Nationalmannschaft einquartiert war.

In der Adriastadt Zadar ordnete der Bürgermeister die Entfernung aller Fahnen der 24 WM-Teilnehmerstaaten an, weil die serbische Fahne extremistische Kroaten gestört hatte. Staatschef Stjepan Mesic verurteilte diesen Vorfall und betonte, Kroatien sei ein Rechtsstaat.

Die Handball-WM ist das bisher größte Sportereignis, das die seit 1991 unabhängige Balkanrepublik organisiert. Der Staat hat in die WM, vor allem in den Ausbau neuer Sporthallen, knapp 500 Millionen Euro investiert. Eine WM-Medaille würde diese Investition rechtfertigen, heißt es in Zagreb.

Die Organisatoren bezeichnen die WM als “Veranstaltung der Superlative”, vor allem was den Publikumsandrang betrifft. Für die Auftritte der Heim-Mannschaft herrscht riesiges Interesse. Hunderte Fans warteten stundenlang auf die verbliebenen Eintrittskarten. Bei den Spielen gegen Ungarn und die Slowakei waren die Hallen mit jeweils 16.000 Zuschauern ausverkauft. In Lokalen tanzen die Fans bei kroatischen Siegen auf den Tischen, Erfolge des zweifachen Olympiasiegers werden in dem sportbegeisterten Land mit Autokorsos gefeiert.

Der Ansturm auf die verbliebenen Karten für das Finale am Sonntag war schon Tage zuvor enorm, auf dem Schwarzmarkt werden pro Ticket 400 Euro verlangt – Tendenz steigend. Zum Selbstvertrauen der Kroaten hat auch der Präsident des internationalen Handball-Verbandes, Hassan Moustafa, beigetragen. “Ihr seid das Brasilien des Handballs”, erklärte er den begeisterten Veranstaltern. (

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