Hallein: Mitgerissene Autos verstopften Abfluss, Schäden nicht abzuschätzen

In Hallein stehen am Montag Aufräumarbeiten an.
In Hallein stehen am Montag Aufräumarbeiten an. ©APA/BARBARA GINDL
Der Schaden durch das Hochwasser dürfte in Hallein in die Millionen gehen. Am Montag werden Aufräumarbeiten durchgeführt und nach Schuldigen gesucht. Hätte das Hochwasser verhindert werden können und waren sogar Autos daran Schuld?
Köstinger zu Schäden in Hallein

In der Stadt Hallein laufen die Aufräumarbeiten nach der Sturzflut am Samstagabend weiter auf Hochtouren. Auch am Montag war das ganze Ausmaß des Schadens noch nicht abschätzbar. Am Vormittag konnten noch immer 50 Personen nicht in ihre Häuser und Wohnungen, wobei 30 davon nur vorsorglich evakuiert worden waren, weil im Ortsteil Gamp die Gefahr von Muren noch nicht gebannt ist. Unterdessen ist eine Diskussion darüber ausgebrochen, ob Schäden hätten verhindert werden können.

Hallein: Autos verhinderten Abfluss

Im Interview mit dem "Falter" erklärte ein Feuerwehrmann aus Hallein, das drei geparkte und von den Fluten mitgerissenen Autos den Abfluss versperrten, der den Bach unter der Stadt in die Salzach leitet. Ohne diesen Fahrzeugpfropfen wäre der Hochwasserschutz wohl mit den Regenmengen zurechtgekommen oder die Überschwemmung zumindest weitaus glimpflicher ausgegangen, vermutete der Mann. Als die Verkeilung des Kothbachs mit einem Bagger gelöst worden sei und der Abfluss frei war, habe es nicht lange gedauert, bis der Wasserspiegel gesunken ist.

Millionenschaden erwartet

Wie Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) am Montag zur APA sagte, dürften die durch den ausufernden Kothbach angerichteten Schäden in die Millionen gehen. "Es liegt aber noch keine vollständige Aufstellung vor. Es wird Wochen bis Monate dauern, um das tatsächlich in Euro beziffern zu können". Alleine aufseiten der Stadt seien etwa das Keltenmuseum, die Salzberghalle und das Stadtkino betroffen. Teile der Sommerrodelbahn und der Lifttrasse am Zinkenkogel wurden durch Muren weggerissen, Straßen und Plätze in der Stadt verlegt und teilweise Asphalt und Pflaster zerstört. Auch drei gemeindeeigene Autos sind kaputt.

"Aus dem privaten Bereich werden noch laufend Schäden gemeldet", sagte Stangassinger. Er habe noch am Sonntag Kontakt mit dem für die Schadensabwicklung zuständigen Verantwortlichen des Landeskatastrophenschutzes aufgenommen. "Wir werden die Bewohner auf Wunsch dabei unterstützen, die Anträge auf Hilfe beim Land zu stellen."

30 Bewohner momentan obdachlos

Im Laufe des Montags wird ein Geologe aus der Luft beurteilen, wann jene 30 Bewohner in ihre Häuser zurück können, die aus Sicherheitsgründen im Ortsteil Gamp evakuiert worden sind. "Die Gebäude sind nicht beschädigt, jetzt muss aber geklärt werden, ob die Gefahren von Muren gebannt sind." Um 13.00 Uhr soll der Krisenstab zum nächsten Mal tagen. In der Altstadt seien Häuser und Wohnungen von einer Handvoll Bewohnern unbewohnbar - entweder weil Wasser, Schlamm und Geröll massive Schäden angerichtet haben, oder weil geprüft werden muss, ob die Statik noch in Ordnung ist.

Verteidigungsministerin Tanner in Hallein vor Ort

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat am Montag in Hallein helfende Soldatinnen und Soldaten bei den Aufräumarbeiten besucht. Begleitet wurde sie durch die Landtagspräsidentin des Landes Salzburg, Brigitta Pallauf (ÖVP). "Die Situation macht mich sehr betroffen. Meine Gedanken sind bei all jenen Menschen, die von den schrecklichen Unwettern betroffen sind und jetzt besonders unsere Hilfe brauchen", sagte die Ministerin. "Zugleich bin ich sehr stolz auf unsere Pioniere des Bundesheeres, wenn ich sehe, was unsere Soldatinnen und Soldaten bereits alles geschafft haben. Bei all den Verwüstungen durch das Hochwasser ist es ihnen gelungen in mühsamer Kleinarbeit bereits die ersten Keller frei zu räumen und so einen wichtigen Beitrag für die vom Unwetter betroffenen Familien leisten."

Nicht die erste Katastrophe in Hallein

Schon einmal, im Jahre 1976, hat der Kothbach große Teile der Innenstadt verwüstet. 2014 hat die Lawinen- und Wildbachverbauung ein Schutzkonzept eingereicht, 2016 war die Finanzierung durch Bund und Land gesichert. Mit dem Bau des sechs Millionen Euro teuren Projekts wurde allerdings nach einem Einspruch des Naturschutzbundes verzögert erst im Vorjahr begonnen. Die Naturschützer sahen das Landschaftsbild in Gefahr, die Einsprüche wurden später vom Verwaltungsgerichtshof abgewiesen.

"Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass Genehmigungsverfahren durch NGOs über Jahre hinweg verzögert werden und damit einen wirksamen Schutz von Menschen und Gütern verhindern", hatte Landwirtschaftsministern Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Sonntag in einer Aussendung erklärte.

Hochwasserschutz: Eigentümer soll Grund nicht zugesagt haben

"Jetzt zu sagen, dass das Projekt aufgrund eines Einspruchs nicht schon fertig ist, ist Abschieben von Verantwortung", sagte Hannes Augustin, Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbunds, hingegen zur APA. Man habe nur einen Teil des Projekts kritisch gesehen. "Die von uns vorgeschlagen Alternative hätte eine natürliche Geländekuppe ausgenutzt. Es hätte weniger Stahl und Beton verbaut werden müssen, der Schutz wäre aber gleich wirksam und gleich teuer gewesen." Das Projekt sei aber nicht umgesetzt worden, weil ein Eigentümer den Grund nicht zur Verfügung stellen wollte. "Man hätte hier nachdrücklicher versuchen können, den Grund zu bekommen", so Augustin.

"Ich halte nichts von Schuldzuweisungen", sagte dazu Bürgermeister Stangassinger. "Tatsache ist, dass das Projekt verzögert worden ist. Hätte man es wie geplant begonnen, wären heute zwei Drittel der Maßnahmen umgesetzt gewesen. Die Innenstadt würde dann jetzt anders ausschauen." Im Einzugsbereich des Kothbachs fließen drei Bäche zusammen. Bei zwei werden nun Retentionsbecken geschaffen, beim dritten soll Wasser bei Unwettern durch einen aufgelassenen Salinenstollen in die Salzach abgeleitet werden. "Wichtig ist jetzt, das der Bach in Zukunft kein drittes Mal über die Ufer tritt."

Nach Unwetter: Caritas beginnt mit Soforthilfeprogramm

Die Caritas startet ein Soforthilfeprogramm für Betroffene der Unwetterschäden und bittet dringend um Spenden. "Oft geht in solchen Fällen der Lebensmittelvorrat einer ganzen Familie verloren, weil die Kühltruhe oder der Vorratskeller verschlammt und beschädigt sind", schilderte der Direktor der Caritas Salzburg, Johannes Dines. "Heizungs- und Elektroinstallationen fallen gänzlich aus, die unmittelbaren Kosten zur Bewältigung der Notsituation können nicht gedeckt werden und bringen Betroffene in zusätzliche Bedrängnis. Hier helfen wir mit dem Caritas-Soforthilfeprogramm schnell und unkompliziert."

(APA/red)

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