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Halbzeit - ein Film von Zurbrügg und Hudecek

2007 wurden Christina Zurbrügg und Michael Hudecek für ihren gemeinsamen Film «Bleiben oder Gehen» mit dem Schweizer Filmpreis “Goldener Drachen” ausgezeichnet. Jetzt präsentieren die beiden Ihren neuesten Film. Trailer:
Zum Film
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Zurbrügg erzählt vom Leben ihrer Urgrosseltern, die um 1890 als Pioniere in ein armes Schweizer Bergbauerndorf zogen. Die ersten Touristen kamen ins Tal – darunter auch der heimlich reisende W. I. Lenin. Mitten in der 1. August-Feier, am Nationalfeiertag, ist Mobilmachung. Urgrossvater und alle Männer rücken ein, weil irgendwo ein Thronfolger erschossen wurde…
Zurbrügg erzählt von der eigenen Kindheit in eben diesem Dorf, vom Grossvater, der schon mit Friedrich Dürrenmatt in der Backstube Bäziwasser getrunken hat, und von den beiden Onkels, die von einer Wienreise zwei Silberlöffel mit Riesenrad und Steffl mitbringen.
Die „Tour de Suisse“ führt uns nach Montagnola, Hermann Hesses Wahlheimat im Tessin, nach Chardonne am Genfersee zu Charlie Chaplin und natürlich an den Vierwaldstättersee, wo Wilhelm Tell die Armbrust hob. Einblicke in eine Schweizer Kinderwelt aus Globi, Sugus und Rivella. Dann ihre Jugend in Bern mit dem verspätet eingetroffenen 68er-Geist, das WG-Leben, die ersten Kontakte mit Feminismus und das Auflehnen gegen das Spiessbürgertum bis zum Ausbrechen der Jugendrevolten, wenn „Züri brennt“.
1984 kommt sie nach Österreich. Was ihr als erstes auffällt: der kuriose Baumschnitt in der kaiserlichen Parkanlage und die seltsame Voodoo-Mode – Loden und Fasanfedern. Sie ist verwundert über das sichtlich an Parteimangel leidende Österreich – im Gegensatz zur Schweiz gab es nur zwei: rot und schwarz. Riesengross war plakatiert: “Mock, der Mann der’s besser macht”. Einer ihrer ersten Freunde in Wien ist der Liedermacher Richard Weihs, der uns vom „Donaukanal“ singt.
Zurbrügg lernt den “Österreichischen Widerstand” kennen: die Au-Besetzung. Und sie erlebt ihren ganz persönlichen Börsenkrach. Das Schauspiel- und Musikstudium in Wien finanziert sie sich mit Jobs in der Schweiz. Die spanische Renaissancemusik führt sie nach Madrid, wo sie im „Escorial“ auf die Habsburger stösst. Der andalusische Dichter F. G. Lorca schreibt sogar ein Gedicht über Wien, obwohl er noch nie hier war. Leonard Cohen hat es vertont: „Take this Waltz“.
Bald macht sie eine Entdeckung: In der Musikweltstadt wird gejodelt, die letzten Dudlerinnen Wiens singen ihre Salonjodler, Zurbrügg dreht also ihren ersten Dokumentarfilm und jodelt seither selber – was sie in ihrer Kindheit natürlich nie getan hätte – und findet eine neue Heimat in Ottakring.
Zu dieser Zeit tritt der Schweizer Kabarettist Franz Hohler in Wien auf. Er erzählt ihr von der Inkompatibilät des österreichischen und des schweizerischen Humors und singt das Lied “Schweizer sein” gefolgt von Zurbrügg’s Schwyzerdütsch-Kurs und Betrachtungen zur Schweizer Seele im Flachland. Der Schweizer Botschafter Oskar Knapp singt ein rätoromanisches Lied aus seiner Heimat.
Trotzdem denkt Zurbrügg immer wieder über eine Frage nach: “Söll i Blibe oder Ga”. Es könnte aber auch alles ganz anders sein: “Wissen Sie, manchmal möchte ich mein Leben am liebsten ausziehen und in die Waschmaschine werfen, einmal 60 Grad mit Schleudergang, ein neues Leben angezogen und weiter geht’s”.
Das war dann also die erste Halbzeit. HALBZEIT? Wie wird das Leben ausgehen?
Stimme aus dem Kosmos: “Überhaupt: was wir uns für Sorgen machten damals, über Pickel zum Beispiel, und dann stirbst du eines Tages und es ist vollkommen egal, ob du wo einen Pickel gehabt hast oder nicht.”
Zur Musik
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Bildtext
Eine Schweizerin geht nach Wien um zu jodeln? Ja, das gibt es. Und wie! In der hochgewachsenen Gestalt von Christina Zurbrügg. Was Zurbrügg ausmacht, ist – jetzt und immer schon – ihre originelle und einzigartige Kombination von Gesang, Rap und zeitgemässem, modernem Jodeln – eine Mischung von archaisch-urbanen Sounds mit Loops, Naturklängen und Elektronika. Die Sprachkosmopolitin und Ethnopopperin singt in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und exotischem Schwyzerdütsch.
Aufgewachsen im Berner Oberland, verschlägt es Christina Zurbrügg nach längerem Südamerikaaufenthalt nach Österreich. Hier studiert sie Schauspiel und klassischen Gesang und macht sich rasch einen Namen mit ihren Musiktheaterproduktionen über den spanischen Dichter Federico Garcia Lorca. Zurbrügg beschäftigt sich zudem mit Volksmusik, dreht den Dokumentarfilm „Orvuse On Oanwe“ über Wiens letzte Dudlerinnen und gräbt dabei ihre eigenen Wurzeln wieder aus.
Nach ihrem prämierten Soloprogramm „Christls Wunderwelt“ folgen Dudler im Elektronik-Soundoutfit: „yodel´n´bass“. Der Film “Bleiben oder Gehen” von zurbrügg & hudecek wird mit dem “Goldenen Drachen” ausgezeichnet.
Letztes Jahr erschien ihr neues Album „jetzt“, auf dem Zurbrügg chamäleongleich ihrer Vielfalt freien Lauf lässt. Mit Humor, Tiefgang und Poesie singt sie vom Zeithaben und Zuspätkommen, vom Hetzen und Nichtnachkommen, vom Einfach-nur-sein-wie-wir-sind, von der Gier, die an uns nagt, aber auch von der „Fliederbluescht“ im Frühling, vom Sommer der uns „sommerseelenfroh“ macht und von der Vergänglichkeit, vom dünnen Kleid aus Zeit, in dem wir durch’s Leben gehen.
Die Band
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Christina Zurbrügg – vocals/accordion/fujara
Michael Hudecek – sax/vocals/git/laptop
Barnabas Juhasz – keyboards/vocals
Richard Filz – drums/beatboxing
Lina Neuner – bass
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