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Häusliche Gewalt stieg im Corona-Lockdown kaum an

Die Frauenministerin und der Innenminister informierten heute zum Thema "Häusliche Gewalt".
Die Frauenministerin und der Innenminister informierten heute zum Thema "Häusliche Gewalt". ©APA/HERBERT P. OCZERET
Während des Corona-Lockdowns kam es in Österreich zu keiner relevanten Steigerung von häuslicher Gewalt. Die Annäherungs- und Betretungsverbote sind laut Frauenministerin Raab aber "leicht gestiegen".

Die Coronakrise hat in Österreich zu keinem signifikanten Anstieg bei häuslicher Gewalt geführt. Das gaben Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien bekannt.

Mehr Betretungsverbote verhängt

Die verhängten Annäherungs- und Betretungsverbote haben sich demnach von österreichweit 886 im Februar auf 1.081 im Lockdown-Monat April erhöht. Im Juli waren es 1.085, im August 1.055, im September bisher 507. Die Sorge, dass die Folgen der Corona-Pandemie Gewalt gegenüber Frauen und Kinder im häuslichen Bereich begünstigen könnte, habe sich nicht erfüllt, zeigte sich Raab erleichtert. Sie bewertete die Zahlen als "leichten Anstieg", wobei "jeder Gewaltakt einer zu viel ist und in unserer Gesellschaft keinen Platz hat". Insgesamt sei man hinsichtlich häuslicher Gewalt aber "gut durch die Krise gekommen", konstatierte die Frauenministerin.

Mehr Anrufe bei der Frauen-Helpline

Dazu hätten die ausgebaute 24 Stunden-Frauen-Helpline, verstärkte Online-Beratungen und eine eigens geschaffene Informationskampagne beigetragen, meinte Raab. Die Helpline habe seit März um 38 Prozent mehr Anrufe erhalten: "Das Angebot wird gut angenommen." Die Frauenministerin verwies auch auf die Gewaltschutzzentren in den Bundesländern und insgesamt 170 Mädchen- und Frauenberatungsstellen, die wichtige Arbeit leisten würden und deren Förderquoten man daher um zwölf Prozent erhöht habe. Der Bund werde auch in neue Gewaltschutz-Projekte investieren.

Für den Herbst haben das Innen- und das Frauenministerium einen Gewaltschutz-Gipfel geplant. Man müsse nämlich "wachsam sein", warnte Raab: "Im Herbst verlagert sich das Leben mehr ins Innere." Das bedeute ein erhöhtes Risiko.

Gewalt gegen Frauen ist kein Bagatelldelikt

SPÖ-Frauenvorsitzende und -Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek warf Nehammer und Raab vor, die Gefahrenlage für Frauen zu bagatellisieren. Die beiden würden den Eindruck vermitteln, "das Problem sei nicht so akut wie angenommen. Das ist alarmierend", meinte Heinisch-Hosek in einer Presseaussendung. Sie verlangte einen verstärkten Dialog mit den Experten im Gewaltschutzbereich und ein Soforthilfepaket von fünf Millionen Euro für die Betroffenen. Weiters trat Heinisch-Hosek ein Mal mehr für Hochrisiko-Fallkonferenzen ein, die hochgefährliche Fälle analysieren und beraten sollten.

Häusliche Gewalt in großen Städten um 26 Prozent erhöht

In größeren Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern haben sich die der Polizei gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt nach dem Corona-Lockdown um 26 Prozent erhöht. Wie eine Analyse des Markt- und Meinungsforschungsinstituts OGM unter Zugrundelegung von Daten des Bundeskriminalamts zeigt, sind die Annäherungs- und Betretungsverbote von 817 in den Monaten Jänner und Februar auf 1.027 im April und Mai gestiegen.

In mittleren Städten und Landgemeinden machte der Zuwachs im selben Zeitraum neun Prozent aus. In absoluten Zahlen waren es 1.095 im April und Mai gegenüber 1.001 im Jänner und Februar. Diese Zahlen interpretierte die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski als "eindeutigen Handlungsauftrag für den Ausbau des Gewaltschutzes." Die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt sei beachtlich, dieses Thema sei sehr stark tabuisiert. "Betroffene scheuen oftmals davor zurück, professionelle Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich ihrem persönlichen Umfeld anzuvertrauen", gab Disoski in einer Aussendung zu bedenken.

(APA/red)

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