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Gutscheine und Online-Kauf sollen Kleinbetriebe retten

Für viele Unternehmen ist die Corona-Krise besonders schwer.
Für viele Unternehmen ist die Corona-Krise besonders schwer. ©APA/GERWIN HAIDER
Viele kleine Händler und Gastronomen leiden besonders unter der Corona-Krise. Verschiedene Initiativen sollen nun ihr Überleben sichern.

In Zeiten der Coronavirus-Krise sind viele kleine Händler und Gastronomen vom wirtschaftlichen Aus bedroht. Politisch verordnete Geschäftsschließungen verhindern ein direktes Angebot von Waren sowie Dienstleistungen und für Online-Shopping bzw. Online-Essensbestellungen sind viele nicht gerüstet. Neue Initiativen sollen Abhilfe in Österreich schaffen.

Gutscheine schon jetzt kaufen

So sind im Laufe der letzten Woche gleich mehrere Projekte entstanden, die versuchen, kleine Betriebe und Lokale in der Not zu unterstützen. Ein Ansatz dabei sind Plattformen für Gutscheine. Dabei stellt man kleinen Lokalen und Unternehmen - obwohl sie derzeit geschlossen haben - sein Geld zur Verfügung und erhält dafür einen Gutschein, mit dem man Waren und Dienstleistungen konsumieren kann, sobald die Geschäfte und Restaurants wieder aufsperren dürfen.

Ein Beispiel für eine solche auf Gastronomie spezialisierte Online-Plattform ist "vorfreude.kaufen". Diese stößt auf reges Interesse bei den potenziellen Kunden, obwohl sie erst seit rund einer Woche existiert. Bisher seien bereits knapp 1.000 Gutscheine zwischen Lokalen und ihren Kunden vermittelt worden, sagte Nina Mohimi, die die Webseite gemeinsam mit Sebastian Hofer und Konstantin Jakabb ins Leben gerufen hat, am Dienstag zur APA. "Für uns war klar, wir wollen irgendetwas tun. Wir haben dann befreundete Gastronomen gefragt, was ihnen gerade am meisten helfen würde," so Mohimi. So entstand im Laufe eines Wochenendes eine Webseite, über die Kunden mit ihren Lieblingslokalen per E-Mail in Kontakt treten und Gutscheine für eine zukünftige Konsumation erwerben können.

Lokale können dank Initiative Miete bezahlen

Dass die Bars und Restaurants diese Form des Liquiditätsflusses offenbar dringend brauchen, zeigt sich am großen Zulauf der Gastronomen. Man habe bereits erste Aufnahmestopps machen müssen, da so viele Lokale gleichzeitig angefragt hätten, auf die Webseite aufgenommen zu werden. Zudem hätten erste Lokale an die Webseiten-Gründer bereits zurückgemeldet, dass sie dank der Gutscheine ihre Lokalmiete nun doch bezahlen könnten, erzählte die Mitgründerin. Die Webseite "vorfreude.kaufen" agiert rein als Vermittler, die Gutscheine selbst gibt jedoch jedes Lokal für sich aus. Viele Unternehmen hätten bereits ihr eigenes Gutscheinsystem, mit dem sie ihre Kunden versorgen könnten, sagte Mohimi. Gastronomen, die noch kein eigenes System haben, könnten die Gutscheine aber auch schlicht über E-Mail abwickeln. Auch die Initiative Zusammen.leiwand.at folgt einem Gutschein-Prinzip, beschränkt sein Angebot aber nicht auf die Gastronomie. Hier können auch für Friseure oder Kleidungsgeschäfte Gutscheine erworben werden.

Gutscheine mit Vorsicht genießen

Wann die Geschäfte und Restaurants wieder aufsperren dürften, ist bis jetzt unklar. Dass es bei der derzeit bis Mitte April laufenden Sperre bleibt, scheint aber eher unwahrscheinlich. Je länger die Sperre aufrecht bleibt, umso größer ist jedoch der geschäftliche Schaden für die Firmen. Dementsprechend ist bei Gutscheinen immer auch Vorsicht angebracht. Denn wer einen Gutschein kauft, wird damit im Insolvenzfall zum Gläubiger. Der Verbraucherschützer Peter Kolba hat jüngst davor gewarnt, Gutscheine zu akzeptieren - er bezog sich dabei allerdings auf die Reisebranche, die bereits vergangene Woche gefordert hat, statt einer Rückerstattung bei einem Storno auch Gutscheine vergeben zu dürfen. Gutscheine seien jedoch nicht gegen Insolvenz abgesichert, sagte Kolba am Wochenende in einer Aussendung. Wer einen Gutschein akzeptiere, müsse also damit rechnen, bei einer Insolvenz sein Geld nicht mehr wieder zu bekommen.

Heimischer Online-Handel wird fokussiert

Neben Gutscheinen gibt es aber auch Initiativen, die sich auf den heimischen Online-Handel fokussiert haben. So baut der Handelsverband derzeit eine Liste österreichischer Onlinehändler (unter: www.ecommerceaustria.at) auf und rief im Zuge dessen die Konsumenten dazu auf, auch verstärkt bei diesen einzukaufen. "Kaufen Sie Ihre Qualitätsprodukte bei heimischen Webshops und nicht bei den großen Steuervermeidern aus Amerika und Asien. Damit stärken Sie die österreichische Volkswirtschaft und dadurch auch sich selbst", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Aussendung. Händler mit weniger als 10 Mio. Euro Umsatz bzw. mit weniger als 10 Mitarbeitern dürfen die Services der Initiative kostenlos nutzen, so der Handelsverband.

Seit Samstag gibt es außerdem eine eigene Suchmaschine für heimische Online-Händler (anna-kauft.at). Jungunternehmer Florian Bauer schlägt mit seiner Idee in dieselbe Kerbe wie der Handelsverband. "Ich bin überhaupt kein Fan von Patriotismus und Nationalismus", sagte Bauer im Gespräch mit der Zeitung "Die Presse". Aber er finde es fast schon "obszön", dass große US-Konzerne wie Amazon, die in Österreich kaum Steuern zahlen, nun auch noch von der Coronakrise profitieren. Laut dem Bericht habe die Suchmaschine bereits tausende Zugriffe verzeichnet.

Internet ruft Betrüger auf den Plan

Die zunehmende Verlagerung des täglichen Konsums ins Internet ruft aber auch Betrüger auf den Plan. "Fake-Shops für Prophylaxe-Artikel haben Hochkonjunktur, gefälschte E-Mails zielen auf Datendiebstahl ab oder schleusen Schad-Software ein und Trickbetrüger versuchen, Geld für angeblich benötigte Medikamente abzuzocken", warnten die Organisationen Internet Ombudsmann und Watchlist Internet am Dienstag in einer Aussendung. Eine weitere Taktik von Betrügern sei derzeit, im Namen von Paketdienstleistern gefälschte E-Mails zu versenden und Probleme bei der Zustellung vorzugeben. Dann werde verlangt, persönliche Daten auf einer Internetseite einzugeben. Hierbei handle es sich jedoch um versuchten Datendiebstahl.

Die Organisationen raten daher, vor dem Einkauf bei einem unbekannten Online-Shop zuerst nach Erfahrungen anderer Kunden zu suchen. Zudem solle man die Augen nach fehlenden Informationen auf den Webseiten - beispielsweise zu Zahlungsbedingungen oder zum Impressum - offen halten.

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(APA/Red)

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