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Gurlitt-Bilder bleiben nach Freigabe beim Staat

Werke bleiben im öffentlichen Gewahrsam
Werke bleiben im öffentlichen Gewahrsam
Auch nach der offiziellen Rückgabe der beschlagnahmten Bilder an den Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt bleiben die Werke im öffentlichen Gewahrsam. "Sie werden von Herrn Gurlitt im Rahmen der gemeinsam getroffenen Vereinbarung für die Provenienzforschung zur Verfügung gestellt", sagte ein Sprecher der Taskforce am Donnerstag, für den die Entwicklung der vergangenen Tage "sehr einvernehmlich" war.


Am 7. April hatte Gurlitt der deutschen Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine Sammlung auch nach dem Ende der Beschlagnahme von Experten untersuchen zu lassen und unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzugeben. Daraufhin hob die Staatsanwaltschaft Augsburg am Mittwoch die Beschlagnahme auf und gab die Werke frei.

Experten gehen davon aus, dass die wertvollen Bilder zunächst an dem geheimen Ort im Raum München bleiben, an dem sie bisher schon aufbewahrt wurde. “Schon allein aus konservatorischen Gründen liegt es nahe, dass jede Art der Bewegung von Kunstgut eine Gefährdung darstellen würde und demzufolge nach Möglichkeit zu vermeiden wäre”, sagte der Taskforce-Sprecher.

Nicht zu erfahren war zunächst, was die Aufbewahrung der unschätzbaren Sammlung kostet, zu der Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde zählen. Bisher hatte die Justiz wegen der Beschlagnahme die Kosten übernommen. Nun könnte es darauf hinauslaufen, dass für die Bilder, die für die Herkunftsforschung in staatlicher Verwahrung bleiben, auch weiter der Staat die Kosten trägt. Was geschieht, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, ist derzeit offen. Vor der Beschlagnahme hatte Gurlitt die Bilder in seiner Wohnung in München aufbewahrt. Mittlerweile ist seine Adresse allerdings weithin bekannt.

Die Staatsanwaltschaft hatte die insgesamt 1.280 Bilder am 28. Februar 2012 wegen des Verdachts auf ein Steuer- und Vermögensdelikt beschlagnahmt und seitdem unter Verschluss gehalten. Hunderte Werke stehen nach Auffassung der Taskforce “Schwabinger Kunstfund” im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Cornelius Gurlitt ist der Sohn von Hildebrand Gurlitt, der als einer von vier Kunsthändlern Adolf Hitlers für das NS-Regime mit Kunst handelte.

Nach Ansicht des Berliner Rechtsanwalts und Kunstexperten Peter Raue (73) ist das Positive an dem Fall der Anstoß einer neuen Diskussion zum Umgang mit NS-Raubkunst. “Das große Verdienst von Herrn Gurlitt – wofür er nichts kann – ist es, dass die Raubkunstdebatte unglaublich virulent wurde”, sagte Raue dem Kunstmagazin “art”. Die Entscheidung der deutschen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), eine eigene Stiftung dafür einzurichten, die vehementen Diskussionen, die klare Formulierung von Ansprüchen – das sei alles eine erfreuliche Folge des Gurlitt-Skandals.

In der Aufhebung der Beschlagnahme sieht Raue eine Blamage für die Staatsanwaltschaft. “Das Ganze ist ein Desaster, wie ich es in der Juristerei wirklich selten erlebt habe.” Es sei gut, dass die Staatsanwaltschaft die Hoheit über die Bilder verliere.

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