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GP von Montreal: Der Bremsenfresser

Christian Klien steht am Wochenende beim Formel 1-Rennen in Kanada wie üblich als 3. Fahrer im Einsatz beim BMW-Sauber F1 Team. Hier seine Vorschau auf den GP von Montreal.

Heuer reise ich praktisch volley von einem wichtigen Test für das 24 Std‐Rennen von Le Mans nach Montreal an. Der Kurs auf der künstlich angelegten Insel bringt immer tolle Rennen. Am härtesten ist für alle der Bremsenverschleiß. Durch die langen Geraden und die engen Kurven bremst du mehrmals pro Runde von über 320 hart herunter. Beim BMW Sauber F1‐Team verwenden wir Beläge und Scheiben aus Kohlefaser von Brembo.

Anders als bei Stahlbremsen musst du beim Anbremsen augenblicklich voll auf das Pedal treten. Die Bremskraft, die dein linker Fuß (wir alle bremsen links) für ca. 1 Sekunde ausüben muss, beträgt 100 bar. Der Bremsweg ist nur 2 bis 3 cm lang, also völlig anders als im PKW (wo ich übrigens rechts bremse). Die Bremsscheiben erreichen auf anderen Rennstrecken 700‐800 Grad Temperatur, in Montreal sind es oft 1.000 Grad, obwohl die Lufteinlässe hier größer sind als überall anders. Da auch der Luftwiderstand bei Topspeed am meisten bremst, wirken in Montreal auf den Körper in der ersten Brems‐Sekunde 5.5 G, und das schlaucht auf die Dauer schon gewaltig.

Am Sonntag heißt es dann doppelt Daumen drücken, denn um 18:00 spielt Österreich bei der EURO, und ab 19:00 kämpfen wir in Montreal um Punkte. Lustigerweise treffen sich die Nationen von uns drei Fahrern (Nick/GER, Robert/ POL) alle in Gruppe B. Unser privater Kick (siehe Bild) endete zum Glück ohne Verletzungen. Unmittelbar nach dem Kanada‐GP reise ich wieder nach Le Mans, wo ich den Peugeot mit der Nummer 9 gemeinsam mit zwei Ex‐Formel 1‐Kollegen fahren werde: Ricardo Zonta und Franck Montagny. Endlich wieder ein Rennen fahren! Doch dazu in Kürze mehr…

Bemerkenswertes zum Kanada‐Grand Prix

  • Der Circuit Gilles Villeneuve liegt auf einer Insel, die für die Olympischen Spiele 1976 eigens angelegt wurde. Wir rasen vor Start und Ziel direkt am Ruderbecken vorbei. Aktuelle Bewohner sind vor allem abertausende Murmeltiere. Bei meiner ersten Streckenbesichtigung 2004 war ich erstaunt, dass das ganze Gelände von den Tieren untertunnelt ist. Sogar die Betonmauern an der Strecke sind unterminiert.
  • In Montreal gibt es jedes Jahr Safety Car‐Phasen. Wir beziehen diesen Faktor sogar schon vorher in die Rennstrategie ein. Ein Rennen ging sogar hinter dem Safety Car zu Ende.
  • Vor Start und Ziel gibt es die berühmte „Wall of Champions“, wo 1999 vier Weltmeister eingeschlagen haben. Wie ich Kimi Räikkönen kenne, ist ihm das heuer trotzdem egal.
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