Good Charlotte: Diskussionsstoff statt Fastfood

&copy the good charlotte
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„Es kann nicht jede Platte gleich erfolgreich sein, aber wir wollen hinter jeder zu 100 Prozent stehen können." Good Charlotte weigern sich gegen Fließbandproduktionen in der Musikindustrie.

“Wir lieben Amerika, wir werden zu Hause ja auch sehr gut unterstützt. Aber man muss schon sagen, dass Entertainment in den Staaten Fast Food gleicht. Täglich wird eine andere Band als heiße Sache gepriesen.” Das sagte Benji Madden, Gitarrist von Good Charlotte, am Freitagabend vor einem Konzert seiner Gruppe in der Wiener Arena. Um sich jedem Hype zu entziehen, haben sich die Mitglieder von Good Charlotte neue Einflüsse gesucht.

Begonnen haben die eineiigen Zwillinge Benji und Joel Madden (Gesang) 1996 in Maryland als junge Punkband. Doch schon auf dem zweiten Album „The Young & The Hopeless” waren Zugeständnisse an den Pop nicht zu überhören. Mit dem vierten Album „Good Morning Revival” (Sony BMG) habe man jetzt die Stilsuche vorerst abgeschlossen, so Benji im Interview mit der APA. „Die Platten davor waren ein Lernprozess.”

„Man sollte sich als Musiker keinen Einflüssen verschließen”, ergänzte Drummer Dean Butterworth. „Man entwickelt sich sonst nicht weiter.” Man könne nie alle Hörer zufrieden stellen, meinte Benji. „Aber man kann sich selbst zufrieden stellen – und das ist ja schon was.”

„Es kann auch nicht jede Platte gleich erfolgreich sein, aber wir wollen hinter jeder zu 100 Prozent stehen können”, betonte Benji. „Wir schauen zu Acts wie U2 auf, die eine lange Karriere haben. Nicht jede Produktion von solchen Bands ist megagut, aber sie haben eine konstante Karriere mit verschiedenen Phasen. Bei uns ist immer noch viel Spaß dabei – auch das ist wichtig.”

Auf das aktuelle Material hatten die Achtziger großen Einfluss. „Duran Duran, Talking Heads, Depeche Mode, The Cure”, nannte Benji konkrete Namen. „Aber auch neue Bands wie The Killers prägen uns.” Angst vor Stilbrüchen habe man jedenfalls keine: „Es ist doch gut, wenn die Leute sich nicht einigen können, was für Musik wir denn eigentlich machen. Es ist gut, wenn Leute über etwas diskutieren.”

„Good Morning Revival” sei für die Zukunft der Formation sehr wichtig gewesen, so der Gitarrist. „Wir haben die Chance bekommen, die Platte zu machen, die uns selbst gefällt. Das positive Echo ist nun der Lohn. Uns scheint ein sehr globales Album gelungen zu sein, das überall auf der Welt gut ankommt und überall anders kategorisiert wird – von Pop bis Rock.”

Das moderne Musikgeschäft beurteilen die Herrschaften von Good Charlotte durchaus kritisch: „Es stimmt uns traurig, dass so viele gute Bands keine zweite Chance bekommen, weil die erste Single nicht gleich den großen Durchbruch gebracht hat. In Amerika ist die Industrie derzeit nicht gerade förderlich für den Aufbau von Bands. Wir sind froh, dass wir zu einer Zeit begonnen haben, als Plattenfirmen den Gruppe noch Zeit gelassen haben, sich zu entwickeln.”

Bleibt nur noch die Frage nach dem Celebrity-Status der Brüder Madden. Schließlich hat man in der Vergangenheit genügend Stoff für Klatschspalten geliefert. „Wir ignorieren diese Art der Berichterstattung”, zuckte Benji mit den Schultern. „Das einzige Problem an der Celebrity-Sache ist, dass manche Leute Vorurteile über uns haben, wenn wir zu oft in den Schlagzeilen abseits der Musikpresse stehen.”

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