Goo Goo Dolls mit neuem Album

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In den USA sind die Goo Goo Dolls eine "ziemlich etablierte Band". Sänger und Gitarrist John Rzeznik sagt das im Interview eher mit Erleichterung als mit Stolz.

24 Jahre ist das Trio aktiv, hat sich mit Liedern für Filme von “Twister” über “Batman & Robin” bis “Transformers” auch international einen Ruf als wichtige Kraft der Alternative-Szene erspielt. Den Druck einer Legendenbildung spürt der 44-jährige Rzeznik nicht: “Ich bin einfach nur froh, dass ich immer noch meinen Job habe!” Die Existenzängste angesichts hoher Arbeitslosigkeit, der Kriege im Irak und in Afghanistan, der seelische Schmerz, in einer sich immer mehr in eine kleine Gruppe Superreicher und den großen Rest Übriggebliebener teilenden Gesellschaft zu leben: Das ist das Thema des neuen Albums “Something For The Rest Of Us” (Warner), das am Freitag erscheint.

“In Amerika geht ständig diese Angst um”, sagt Rzeznik. “Wir befinden uns in einer völlig ungewissen Wirtschaftsphase, und die Menschen fühlen sich sehr unsicher. Es gibt kleine Gruppen, denen es offenbar sehr gut geht und die alles kontrollieren. Und mehr und mehr Menschen verlieren ihr Lebensziel aus den Augen, können ihr Leben nicht wie gewohnt weiterführen. Ich wollte die emotionale Seite und diese Art Kämpfe beschreiben, die diese Leute durchmachen.”

Keines der zwölf Lieder sei autobiografisch, betont Rzeznik. Er habe sich in die Rolle von Menschen in bestimmten Lebens- und Konfliktsituationen versetzt, in Lagen, in denen sich Menschen selbst fremd werden, sich in letzter Verzweiflung an jemanden klammern, der sie nimmt wie sie sind: “Take Me As I Am”, aber auch “Home”, “Soldier” und der Titelsong – der in einer Vorabfassung des Albums noch “Nightmares & Dreams” hieß – stehen auf dem Niveau eines Rock-Storytellers wie Bruce Springsteen. “Sweetest Lie” eröffnet mit schnellem, rockigen Beat das Album, von dem Rzeznik sagt: “Ich denke, es ist eine emotionale Platte, aber sie ist gleichwohl nicht sehr sentimental.”

Die Goo Goo Dolls sind für “Something For The Rest Of Us” aus der Routine einer Band ausgebrochen, die bereits 14 Alben inklusive zwei “Greatest Hits”-Sammlungen veröffentlicht hat. Das Album war bereits Ende des vergangenen Jahres fertig, Rzeznik verwarf diese Version aber, weil er sie als nicht richtig ausbalanciert empfand. “Ich dachte, ich sei nicht so tief gegangen, wie ich hätte gehen können. Es war einfach so ein Gefühl. Glücklicherweise hatten wir die Zeit, noch mal ins Studio zu gehen und es neu zu machen. Wir arbeiteten mit anderen Produzenten, machten mehr selbst. Es wurde noch mal von jemand anderem remixed, und dann war es okay.”

Nicht aufgeben in einer Welt der Übriggebliebenen, der Entfremdung von Mitmenschen und sich selbst, die Sehnsucht nach Geborgenheit, sei es in einer Beziehung oder Familie – Rzeznik perfektioniert in solchen Geschichten sein Songwriting. Zugleich beschreibt er eine gesellschaftliche Entwicklung, die in der Kunst bisher eher geahnt als erkannt worden ist. “Alles in dem Album kreist darum, dass es einen Zwang zu einem Paradigmenwechsel bei unseren Werten gibt”, sagt er. “Ich denke, das wird uns letztendlich gut bekommen. Denn wenn wir der Wirklichkeit ins Auge sehen, müssen wir erkennen, dass der Westen unglaublich materialistisch ist. Und diese Sachen sind doch gar nicht so wichtig. Ich meine, dass Einfachheit und Sicherheit die wichtigsten Dinge sind. – “I’m alone and confused”, singt Rzeznik in “Not Broken”. “But you know it’s not forever.”

Die noch nicht überwundenen Nachwehen der US-Rezession spüren auch die Musiker, sagt Rzeznik. Die Goo Goo Dolls als relativ etablierte Band seien da besser dran als andere – versuchten aber auch die Eintrittspreise “vernünftig” zu gestalten. “Es scheinen mehr Leute zu unseren Shows zu kommen.” Warum viele Fans im Zweifelsfall eher ein Konzertticket als eine CD kaufen, erklärt er mit einem einzigartigen Gruppenerlebnis: “In einer Show passiert etwas, was niemals auf einem Computer oder einem Fernseher geschehen kann: Es ist eine große Gruppe von Menschen, die etwas gemeinsam haben und sich als Teil davon verstehen. Und die Lautstärke und das Licht – die Energie einer solchen Gruppe ist wirklich gewaltig. Wenn ich eine solche Menge sehe, fühle ich mich gefordert, alles dafür zu tun, damit sie eine tolle Zeit hat.”

S E R V I C Ehttp://www.googoodolls.com

 

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