Gewessler über Slowenien-Vorhaben zu AKW Krško nicht begeistert

Kritik an slowenischen AKW-Vorhaben kam von Leonore Gewessler.
Kritik an slowenischen AKW-Vorhaben kam von Leonore Gewessler. ©APA/ROLAND SCHLAGER (Symbolbild)
Slowenien nähert sich einem Ausbau des AKWs Krško, die Energiegenehmigung für einen weiteren Reaktorblock ist bereits da. Nun äußerte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit Blick auf die Pläne "große Bedenken Österreichs".
Slowenien möchte AKW nicht abschalten

Nach einem Gespräch mit ihrem slowenischen Amtskollegen Andrej Vizjak am Rande des informellen EU-Umweltministerrates appellierte sie unter anderem, die Erdbebengefährdung am Standort durch internationale Experten neu bewerten zu lassen.

Gewessler sieht Atomkraft als "unsicher" an

Atomkraft sei generell "unsicher" und berge "enorme Gefahren". Diese seien umso größer, wenn Kernkraftwerke in unsicheren Gebieten stehen und von Erdbeben gefährdet werden. Das AKW Krško befinde sich in einer solchen Erdbeben-gefährdeten Zone und sei damit ein "besonders riskantes" Kernkraftwerk in der Nähe der österreichischen Grenze, betonte Gewessler in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

Sowohl die Laufzeitverlängerung der bestehenden alten Blöcke als auch der geplante Ausbau stellen nach Ansicht der Umweltministerin ein "Risiko für die Menschen in Österreich" dar. "Ich habe diese Bedenken meinem slowenischen Kollegen nachdrücklich mitgeteilt und ich erwarte mir, dass sie ernst genommen werden. Die Zukunft der Energieversorgung gehört den Erneuerbaren - und wir in Österreich beweisen, dass das geht. Echter Klimaschutz gelingt uns nämlich nur ohne veraltete Hochrisikotechnologien", sagte Gewessler.

SPÖ-Energiesprecher über AKWs

Besorgt zeigte sich auch SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll. Er appelliert in einer Aussendung am Dienstag an die Bundesregierung, "aktiv einzuschreiten und klar und deutlich gegen den Ausbau von Atomenergie in Europa aufzutreten". Man könne nicht tatenlos zusehen, wie die unmittelbare Nachbarschaft Österreichs mit Atomkraftwerken "zugepflastert" wird oder "schrottreife Reaktoren" in Betrieb blieben. Von Gewessler forderte er ein "intensiveres Bemühen" auf europäischer Ebene.

Krško gehört zu gleichen Teilen Slowenien und Kroatien, die auch Anspruch auf jeweils die Hälfte des dort produzierten Stroms haben. Das AKW liegt rund 100 Kilometer von Österreich entfernt. Umweltschützer warnen seit langem vor einer Laufzeitverlängerung des 40 Jahre alten AKW. Global 2000 etwa fürchtet, dass die Anlage technisch nicht neu überprüft und neue geologische Erkenntnisse nicht berücksichtigt werden.

AKW Krško: Genehmigung für weiteren Reaktorblock

"Dass diese Forderungen sowohl letzte Woche von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als auch zuvor von Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie jetzt von Umweltministerin Leonore Gewessler in diplomatischen Gesprächen aufgegriffen werden, ist ein erster Erfolg der Petition auf dem Weg zur tatsächlichen Stilllegung der problematischen Anlage", erklärte Reinhard Uhrig von Global 2000 am Mittwoch. Von Regierungsvertretern erwartet sich die Umweltorganisation, "sich entschlossen für die tatsächliche Prüfung des Reaktors einzusetzen". Es bestehe die Chance, im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung notwendige Sicherheits-Upgrades durchzusetzen - und damit die Betreibergesellschaft vor die Wahl zu stellen, die teuren Upgrades durchzuführen oder den Reaktor kostengünstiger zu verschrotten.

Erst am Montag erteilte die slowenische Regierung eine Energiegenehmigung für einen zweiten Reaktorblock in Krško - ein erster Schritt, der den Weg für den Start von allen erforderlichen Verfahren und Dokumentationsvorbereitung öffne, hieß es. Zu den bereits in der Vergangenheit oftmals geäußerten Bedenken und der Kritik Österreichs sagte Infrastrukturminister Jernej Vrtovec, dass man diese Position respektiere, jedes Land aber selbst über seinen Energiemix entscheide. Slowenien hat vergangene Woche eine neue Klimastrategie bis 2050 verabschiedet, mit der sich das Land langfristig auf die Kernkraft festgelegt hat, um die Klimaneutralität zu erreichen.

(APA/Red)

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