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Gesellig und zwanglos: Die Geschichte des Wiener Heurigen

Die traditionelle Wiener Heurigen-Kultur hat ihre Wurzeln schon im Mittelalter.
Die traditionelle Wiener Heurigen-Kultur hat ihre Wurzeln schon im Mittelalter. ©APA/HANS KLAUS TECHT (Sujet)
Der Heurige gilt in Österreich bereits als Kulturgut und hat eine jahrhundertealte Tradition, die eng mit seiner Weinbau-Geschichte verbunden ist und aller Wahrscheinlichkeit nach von den Franken und Bayern nach Österreich gebracht wurde.

Schon im Mittelalter hängten die Weinbauern einen Föhrenbusch an ihre Tür, um Gästen zu signalisieren, dass sie ihren jungen Wein im Keller ausschenken. Wann die erste Buschenschank eröffnet wurde, lässt sich nicht genau sagen. Aller Wahrscheinlichkeit nach brachten die Franken und Bayern unter Karl dem Großen und Otto I. die Sitte des erlaubten "Weinausschanks an Fremde" mit nach Österreich.

Historie der Heurigen-Kultur: Mit der Pferdekutsche in die Weinberge

Aktuell laden die sommerlichen Temperaturen und die Wiedereröffnung der Gastronomie in Österreich wieder zum geselligen Beisammensein ein. Jungwinzer Thomas Huber vom traditionsreichen Heurigen Fuhrgassl-Huber in Neustift am Walde nimmt die neuen Freiheiten zum Anlass, um Einblicke in die Historie der Heurigen-Kultur zu gewähren und geht dabei insbesondere auf die Rolle von Pischinger ein.

"Seine erste Glanzzeit erlebte der Heurige im 19. Jahrhundert, als auch das gehobene Bürgertum und der Adel seine Vorzüge entdeckten. In bzw. von Wien ließen sie sich mit einer Pferdekutsche in die umliegenden Weinberge chauffieren. Der Heurige entwickelte sich zum geselligen und zwanglosen Ort ohne strenge Etikette", so Huber. Eben in dieser Zeit erlangten auch die Pischinger Ecken, die heute als fixer Bestandteil der Heurigen-Kultur gelten, ihre Bekanntheit. Der Waffelspezialist ist heute die älteste, noch am Markt befindliche österreichische Süßwarenmarke und erreichte durch die "Pischinger Torte", die sich Kaiserin Elisabeth sogar bis nach Karlsbad nachsenden ließ, weltweite Bekanntheit.

Entwicklung der typischen Heurigenküche ab 1970er-Jahren

Der Wiener Traditionsheurige Fuhrgassl-Huber liegt im Herzen des 19. Wiener Gemeindebezirks und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Markenzeichen für die typische Wiener Geselligkeit. Was 1720 als Familienunternehmen in Neustift am Walde entstand, erstreckt sich nun auf einer Weinanbaufläche von 42 Hektar. Die Rebsorten, die verarbeitet werden, sind genauso geschichtsträchtig wie die Familienhistorie der Hubers. Bekanntheit erlangte die Gaststätte vor allem durch das breite und qualitativ hochwertige Angebot an Orts-, Guts- und Lagenweinen.


Thomas Huber (Fuhrgassl-Huber) und Barbara Heindl (Confiserie Heindl)
Foto: Heindl

"Pischinger hat eine ebenso lange Tradition wie unsere Buschenschank hier in Döbling und gehört zu uns wie ein Weißer G‘spritzter. Bis in die 1970er-Jahren war es allerdings noch üblich, dass die Gäste ihre Jause selbst zum Heurigen mitbrachten, so beispielsweise die fix-fertig verpackten Pischinger Torten als süße Nachspeise", so der Wirt. Ihm zufolge boten viele Betriebe zu dieser Zeit lediglich Brot und Nüsse an. Erst danach entwickelte sich die typische Heurigenküche mit Klassikern wie Liptauer und Grammelschmalz. Später kamen auch warme Gerichte hinzu.

Damals und heute: Wiener Heuriger als Institution

In den letzten Jahrzehnten erlebte der Heurige einen neuerlichen Qualitätssprung - die Weine mancher Winzer sorgen inzwischen weltweit für Furore und auch die Küchenleistung hat inzwischen ein erstaunliches Niveau erreicht.

Huber ergänzt: "Damit ist der Wiener Heurige nach wie vor eine Institution, heute mehr denn je. Wir versuchen immer, den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu schaffen.

(Red)

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