Gemeinsam statt einsam

Das Kolping Haus „Gemeinsam Leben“ im 10. Bezirk bietet alten und jungen Leuten einen Platz zum Wohnen.

Die Geschichte der Kolping Häuser geht weit zurück. Der 1813 in Kerpen bei Köln geborene Adolph Kolping wollte wandernden Gesellen mit sozialen Problemen eine Heimat und Orientierung geben. Adolph Kolping reiste viel durch das damalige Europa, um in den größeren Städten Katholische Gesellenvereine zu gründen. So entstanden die nach ihm benannten Kolpinghäuser. Hauptanliegen der Kolpinghäuser ist die Unterbringung und Begleitung junger Menschen für die Zeit ihrer beruflichen Ausbildung. Im Jahr 2003 eröffnete das Kolpinghaus im 10. Bezirk. Es ist ein Mehrgenerationenhaus, in dem alte, junge, gesunde und pflegebedürftige Menschen leben. Durch das Zusammenleben verschiedener Generationen wird die Solidarität zwischen den Altersgruppen gefördert. Dies wirkt psychisch positiv und aktiviert die Selbsthilfepotentiale der älteren Menschen.

Die helle und offene Architektur fördert die Kommunikation der Bewohner. Im Restaurant wird gemeinsam getratscht und wenn es das Wetter zulässt, bietet die Terrasse Platz zum entspannen.

Unterteilt ist das Kolpinghaus in drei Bereiche. Es gibt dort Appartements für mobile Personen ohne Altersbegrenzung, die aber verschiedene Dienste des Hauses zukaufen können oder eine Pflegevorsorgepauschale abschließen können. In den Pflegestationen werden die Bewohner rund um die Uhr betreut. Neben der medizinischen Betreuung wird auch darauf Wert gelegt, dass sich die Bewohner psychisch wohl fühlen. Seelsorger wie Herr Mag. Leopold Putz haben für die Menschen ein offenes Ohr, vermitteln Freunde und trösten bei Problemen.

Das „Gemeinsam Leben Haus“ ist zwar kein Hospiz, bietet aber Sterbebegleitung an. Liegt ein Bewohner im Sterben, wird er von Mitarbeitern wie Herrn Putz begleitet und die Angehörigen haben Zeit sich zu verabschieden. Das Haus bietet räumliche Voraussetzungen, in denen Angehörige gemeinsam mit dem Sterbenden die letzten Tage verbringen können. In der hauseigenen Kapelle hat Herr Putz einen Gedenkplatz eingerichtet. Dort liegt eine Mappe mit Bildern und Biografien der verstorbenen Bewohner des Hauses auf, sodass diese in Erinnerung bleiben.

Der dritte Bereich des Hauses ist das „Muki“, die Mutter – Kind – Wohnungen. In diesen Wohnungen leben alleinerziehende Mütter mit Flüchtlingshintergrund oder anderen schwierigen Lebenssituationen, gemeinsam mit ihren Kindern. Ist keine Gewalt im Spiel, kann auch der Lebensgefährte in der Wohnung leben. Von Sozialarbeiterinnen, wie Katharina Leisser, Nina Smolen – Wilson und Claudia Ehn, werden die Bewohnerinnen unterstützt, ihre Selbstständigkeit wieder zu erlangen.

Bei diversen Veranstaltungen, wie zum Beispiel bei dem „Mix – Cafe“ treffen sich alte und junge Bewohner des Hauses, plaudern, basteln und verwöhnen sich mit selbstgemachten Mehlspeisen. Das ist die Grundidee des Hauses, dass Menschen jeder Generation zusammentreffen und sich gegenseitig unterstützen. Bei Veranstaltungen, wie dem Kolpingheurigen, der einmal im Monat stattfindet, blühen demente Menschen, die wochenlang nichts mehr gesprochen haben wieder auf. Auch das gemeinsame Mittagsmenu bietet Platz für Plaudereien, mit Bewohnern und Gästen.

Jeden Tag werden Veranstaltungen wie Singen, Basteln, Kochen, Gymnastik, … angeboten. Die 84 – jährige Annemarie Bergmann hat keinen freien Vormittag, weil sie jeden Tag mit Begeisterung an dem Veranstaltungsangebot teilnimmt. Sie hat im Kolping Haus „Gemeinsam Leben“ wieder ihre Lebensfreude entdeckt. Als ihr Mann gestorben ist, ist für die aus Mannheim am Rhein stammende Frau eine Welt zusammengebrochen. Hier im Kolpinghaus hat sie aber wieder Freunde, wie ihre blinde Nachbarin Inge, die viel jünger ist als sie und ihr durch ihre erfrischende Art Lebensenergie vermittelt.

Frau Bergmann ist das beste Beispiel dafür, dass die Idee des Hauses „Gemeinsam Leben“ aufgeht. Wenn jung und alt gemeinsam unter einem Dach leben und sich gegenseitig unterstützen und Freude schenken, dann weiß Herr Putz und die anderen Mitarbeiter des Kolping Hauses, dass sich der Grundgedanke der Kolpingfamilien wohl weitertragen wird.

Wer daran interessiert ist, im Kolpinghaus zu wohnen, momentan gibt es noch freie Plätze. Mehr Informationen finden Sie unter:

www.gemeinsam-leben.at     

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