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"Gelegenheit macht Raucher"

Schwarzach - Das Rauchen müsse geächtet werden, nicht jedoch die Raucher. Diese Meinung vertritt Dr. Günter Diem vom Arbeitskreis für Sozial- und Vorsorgemedizin.

VN: Wie groß ist Ihre persönliche Abneigung gegen das Rauchen?
Dr. Diem: Gegen das Rauchen groß. Gegen die Raucher gibt es diese Abneigung nicht. Die sind gefangen in ihrer Sucht. 70 Prozent aller Raucher wollen damit aufhören. Hinter dem Rauchen steckt ein System, eine Entwicklung, eine Industrie – und letztlich eine Abhängigkeit, gegen die es anzukämpfen gilt.

VN: Haben Sie selber einmal geraucht?
Dr. Diem: Ja, als Student ein paar Jahre. Zum Rauchen bin ich durch Gelegenheit gekommen. Und das ist der Ansatz im Kampf dagegen. Das heißt: Wir müssen die Gelegenheiten verringern, wir müssen die rauchfreien Zonen ausweiten. Da fällt es ehemaligen Rauchern leichter, nicht wieder zu rauchen. Und für viele fehlen Gelegenheiten, überhaupt erst anzufangen. Letzteres gilt vor allem für Jugendliche.

VN: Es gibt nicht nur Raucher, die behaupten: Die immer restriktiveren Maßnahmen gegen das Rauchen greifen in die persönlichen Freiheiten von Menschen ein.
Dr. Diem: Wir reden hier nicht von Freiheit. Wir reden von Gefangenschaft. Die Freiheit des Rauchers hört dort auf, wo die Belästigung von Nichtrauchern anfängt. Wenn jemand in seinen vier Wänden raucht und niemanden stört, dann ist das seine Sache. Doch auch ein Raum mit abgestandenem Rauch ist später für andere eine feinstaubbelastete Risikozone.

VN: Was sind Ihre stärksten Argumente gegen das Rauchen?
Dr. Diem: Rauchen tötet, Rauchen macht krank. Die Hälfte der lebenslangen Raucher wird an den Folgen des Rauchens versterben. Wir würden uns niemals in ein Auto setzen, wenn wir wüssten, dass die Hälfte der Autofahrer ums Leben kommt. Nahezu alle Raucher haben am Ende ihrer Raucherkarriere eine erheblich eingeschränkte Lebensqualität. Rauchen tötet Unbeteiligte. Täglich sterben in Österreich zwei bis drei Menschen nachweislich an den Folgen von Passivrauchen. 700 Menschen sterben in Vorarlberg pro Jahr an den Folgen des Rauchens.

VN: Was hat sich in der Einstellung zum Rauchen in den letzten Jahren verändert?
Dr. Diem: Die selbstverständliche Akzeptanz des Rauchens ist gesunken. Es wird nicht mehr als persönliches Freiheitsmerkmal empfunden. Auch ist die Erkenntnis jetzt da, dass hinter dem Produkt Zigarette eine unglaublich reiche und mächtige Industrie steckt, die jahrzehntelang mit der Gesundheit der Menschen skrupellos Milliarden verdient hat.

VN: Wie soll man Jugendliche als besondere Risikogruppe vom Rauchen fernhalten?
Dr. Diem: Da ist vor allem der Gesetzgeber gefragt. Mit Kampagnen und Aufklärung, das ist bekannt, erreicht man praktisch nichts mehr. Jeder weiß ja bereits über die Gefahren des Rauchens Bescheid. Es sollten zum Beispiel die Zigarettenautomaten total von der Bildfläche verschwinden, der Verkauf von Zigaretten weiter erschwert werden. Jugendliche treffen sich nicht selten vor Zigarettenautomaten. Auch da gilt: Je weniger jemand mit Rauchen in Berührung kommt, desto geringer die Gefahr, Raucher zu werden.

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