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Geisterspiele: Atmosphäre im Stadion ist nicht zu ersetzen

Die Spieler müssen auch ohne Publikum die gewohne Leistung bringen.
Die Spieler müssen auch ohne Publikum die gewohne Leistung bringen. ©APA/ERWIN SCHERIAU
Die Corona-Pandemie erzwingt im Fußball Geisterspiele. Die Atmosphäre im Stadion ist jedoch nicht zu ersetzen.

Angesichts der von der Corona-Pandemie erzwungenen Geisterspiele ist für Sportpsychologe Andreas Marlovits klar: "Die Atmosphäre im Stadion ist nicht zu ersetzen. Auch nicht durch viele TV-Zuseher. Es entsteht ein resonanzloser Raum", meinte der erfahrene Experte, der seit über 15 Jahren in der deutschen Bundesliga tätig ist.

Spieler müssen ohne gewohnter Kulisse Leistung bringen

Gerade die Spieler müssten lernen, mit einer ganz neuen Situation zurechtzukommen. "Über den Zuschauer kommt Bedeutung ins Spiel. Das erzählen auch die Spieler so. Sie bekommen diesen Druck von klein auf mit", sagte Marlovits. "Dieser Bedeutungsentzug ist die Herausforderung bei Geisterspielen." Heißt: Leistung bringen ohne der gewohnten Kulisse. "Jeder am Platz ist jetzt stärker auf sich selbst zurückgeworfen, muss die Leistung aus sich selbst heraus bringen, ohne die Druck-Stimulanz der Zuschauer."

Marlovits versucht beruflich zu ergründen, was Teams und Sportler "bewegt", hat u.a. für Werder Bremen, den VfL Wolfsburg, 1. FC Köln, Hannover 96, teils in sehr schwierigen Situationen (Suizid Robert Enke, Todesfall Junior Malanda, mehrmalige Relegation, Vizemeisterschaft, Deutscher Cup-Sieger) gearbeitet, in Österreich u.a. für Rapid Wien und SKN St. Pölten. Er sieht auch die Hygieneregeln, die zum Abstand ermahnen, als Herausforderung: "Im Fußball spielt der Kontakt eine große Rolle, es geht um Aggressivität, Zweikampf. Jetzt musst du sogar aus der Distanz heraus abklatschen."

Ein Führungsspieler gehe mit den veränderten Bedingungen "natürlich ganz anders um als einer, der es gewohnt ist, sich an die anderen anzulehnen", betonte Marlovits. Summa summarum hätten die ersten beiden Geisterspielrunden in Deutschland jedenfalls einen Trend gezeigt: "Man hat gesehen, dass sich die Zahlen im Hinblick auf alles, was in Richtung Aggressivität geht, wie etwa das individuelle Zweikampfverhalten, verändert haben."

"Die Resonanz" sei zudem, "dass es klug ist, das zu thematisieren. Die Spieler brauchen dann weniger lange zur Gewöhnung an die Situation während des Spiels", berichtete der 54-Jährige und verwies auf Clubs, die die Situation samt regulären Trikots im Stadion simulierten oder die Thematik im Vorfeld klar ansprachen. "Wie man sich dann darauf einstellt und gewissermaßen heiß macht, hängt stark von der Mannschaft ab", sagte Marlovits.

Technisch versierte Teams können Qualitäten noch stärker ausspielen

Ein gewichtiger Faktor sei auch das spielerische Vermögen. "Technisch versierte Teams können ihre Qualitäten noch stärker ausspielen. Teams, die sehr stark von den Zuschauern abhängig sind, wird dieser Vorteil fehlen", meinte Marlovits. Auch hier müsse man aber differenzieren: "Bei Mannschaften etwa, die zuhause Probleme hatten und weit unten stehen, kann das auch befreiend wirken."

Das unfreiwillige Experiment könne in jedem Fall aufschlussreiche Erkenntnisse für alle Beteiligten bringen. "Ich denke, dass jetzt viele Fußballer lernen, dass viele Zuschauer nicht nur einen negativen Druck bedeuten. Und auch die Sportpsychologie kann daraus lernen. Denn es gibt ein bisschen die Tendenz, den Druck vor allem negativ zu sehen."

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(APA/Red)

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