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Gegen den Strom - Kritik und Trailer zum Film

Harmoniebedächtige Musiklehrerin und zugleich militante Umweltaktivistin: Die 50-jährige Halla dirigiert mit seligem Lächeln ihren Chor und fährt danach in die isländische Einöde, um Strommasten umzunieten. Ihr heimlicher Kampf gegen die Aluminiumindustrie auf der Atlantikinsel wird für die Einzelgängerin zum lebensgefährlichen Einsatz.

Halla ist ein ungewöhnlicher Hauptcharakter für den Film: Um die 50 Jahre alt, Single, Isländerin – und radikale, sabotagebereite Ökoaktivistin. Und gerade deshalb erobert “Gegen den Strom” gerade die Herzen der Kinogeher in Europa. Die isländische Dramödie konnte zuletzt nach der Premiere in Cannes etwa den Lux Filmpreis des EU-Parlaments einheimsen. Am Freitag kommt der Film nun ins Kino.

Gegen den Strom: Kurzinhalt zum Film

Zugeschnitten ist “Gegen den Strom” ganz auf die isländische Theaterschauspielerin Halldora Geirhadsdottir, die nicht nur Halla spielt, sondern gleich auch noch deren eineiige Zwillingsschwester Asa, eine Yoga-Lehrerin. Halla hingegen ist Chorleiterin, energisch aber frohgemut, lebt alleine und ist ganz mit sich im Reinen. Zugleich hegt sie ein Geheimnis: Sie fährt regelmäßig mit ihrem Werkzeugkoffer in die grandiose isländische Landschaft, um dort Stromleitungen zu kappen und Masten umzusägen. Damit versucht die Umweltschützerin die naturzerstörerische Expansion der internationalen Aluminiumindustrie auf ihrer Insel zu sabotieren.

Der zivile Ungehorsam ist für Halla, in deren Wohnung Porträts von Mahatma Gandhi und Nelson Mandela hängen, eine vollkommen selbstverständliche Bürgerinnenpflicht. Zu diesem selbstaufopfernden Lebensstil passt nur eines so gar nicht: Der Anruf der Agentur, dass ihr vor vier Jahren gestellter Adoptionsantrag bewilligt ist und Halla eine vierjährige, ukrainische Waise adoptieren kann. Nun muss sich Halla entscheiden.

Gegen den Strom: Die Kritik

So ist “Gegen den Strom” – so der ausgezeichnete deutsche Verleihtitel von “Woman at War” – ein immens politischer Film in Zeiten der Klimaerwärmung, der dennoch vor Humor sprüht und auch vor Running Gags nicht zurückschreckt. Die Filmmusik wird von einer dreiköpfigen Band gespielt, die auch auf der Leinwand stets präsent ist. Deren Mitglieder wandeln wie Geister durch das Werk, wenn sie mal an Hallas Klavier, mal in der isländischen Landschaft sitzen und “Gegen den Strom” zum im brechtschen Sinne epischen Film machen.

Dieses Changieren zwischen den Stimmungen und Nuancen ist neben Geirhadsdottirs Leistung das Verdienst von Regisseur Benedikt Erlingsson (“Von Menschen und Pferden”), der sein Werk nicht per se auf erzählerische Effizienz ausrichtet, ohne dabei langatmig zu werden. So ist eine Filmkomödie gelungen, die eine überaus starke Hauptfigur im Zentrum hat, die alles andere als verbittert ist – und Isländerpulli trägt.

>> Alle Spielzeiten auf einen Blick

(APA/Red)

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