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Gedenken an den März 1938

Bildausschnitt: „Aufschrei 11:38 Uhr“, 2017, Tusche auf Papier, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer
Bildausschnitt: „Aufschrei 11:38 Uhr“, 2017, Tusche auf Papier, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer ©: Konstanze Sailer https://www.memorygaps.eu/
Die digitale Kunstinitiative „Memory Gaps ::: Erinnerungslücken“ von Konstanze Sailer gedenkt im März 2018 NS-Opfern mit Ausstellungen in Wiener Straßen, die es geben sollte.

Neben den unmittelbar Verfolgten und Opfern der NS-Diktatur, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen ermordet wurden, gab es auch zahllose „mittelbare“ Opfer. Menschen, welche dem Druck einer drohenden Verfolgung nicht mehr standhielten und sich z. T. aus Angst vor der Verhaftung das Leben nahmen. Selbsttötungen aus Verzweiflung, kurz nach dem Anschluss Österreichs, um nicht in die Hände der Schergen von Gestapo, SA und SS zu fallen.

Egon Friedell (* 21. Januar 1878 in Wien; † 16. März 1938 ebenda), Lothar Fürth (* 03. Februar 1897 in Wien, † 03. April 1938 ebd.), Ernst Epstein (* 4. Januar 1881 in Wien; † 21. Mai 1938 ebd.)

Die Werke des Schriftstellers, Kulturphilosophen und Journalisten Egon Friedell, allen voran die Kulturgeschichte der Neuzeit, wurden ab 1937 von den Nationalsozialisten laufend beschlagnahmt und ab 1938 verboten. Friedell erwartete nach dem Anschluss Österreichs sowohl aufgrund seiner jüdischen Herkunft als auch wegen seiner NS-kritischen Artikel, in erhebliche Schwierigkeiten zu gelangen. Die Schriftstellerin Berta Zuckerkandl versuchte vergeblich, noch am Tag des Anschlusses, am 12. März 1938, gemeinsam mit ihrem Schwager Paul Clemenceau, dem Bruder des französischen Staatsmannes, Friedell zur gemeinsamen Flucht in einem vorbereiteten Diplomatenwagen zu überreden. Bereits wenige Tage später, am 16. März 1938 läuteten zwei SA-Leute abends an Friedells Wohnungstüre, im dritten Stock in der Gentzgasse 7, in Wien-Währing, um ihn zu verhören. Um einer Verhaftung zu entgehen, stürzte sich Egon Friedell aus dem Fenster und verstarb noch an Ort und Stelle.

 

Zur Ausstellung von Memory Gaps „Im Anschluss: Selbsttötung“

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