Geburtstag Mohammeds: Appell zu Dialog

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Mit hohem geistlichen Besuch haben Samstagabend rund 10.000 muslimische Türken den Geburtstag des Propheten Mohammed in Wien gefeiert: Ali Bardakoglu, Präsident der türkischen Religionsbehörde ("Diyanet"), rief in der Stadthalle auf, die österreichische Lebensform kennen zu lernen.

Er appellierte an die Österreicher, dies genauso mit der türkischen zu tun. Insgesamt geriet die Veranstaltung, die von türkischen Vereinen organisiert war, zu einem Aufruf für Integration und Dialog.

Bardakoglu, der als geistliche Autorität in der Türkei gilt, rief in seiner bejubelten Rede zu einem friedlichen Miteinander in Österreich auf. Ohne Liebe sei auch kein Weg ins Paradies möglich. Und weiter: “Es wird zur Zeit immer wieder versucht, ein negatives Bild zu zeichnen. Ich würde mir wünschen, dass auch auf die positiven Seiten des islamischen Lebens eingegangen wird.” Bardakoglu zeigte sich überzeugt, dass am Ende “die Vernunft siegen wird”. Er appellierte an die türkischen Einwanderer in Österreich auch, die deutsche Sprache zu lernen.

Als einen wichtigen Aspekt von Integration nannte Bardakoglu die Ausbildung. “Eure Kinder sollen nicht nur irgendeine Arbeit finden.” Es solle eine qualifizierte Arbeit sein, am Besten ein Studium. Auch auf ein weiteres vieldiskutiertes Thema ging der Chef der türkischen Religionsbehörde ein. So sei eine Gesellschaft ohne Frauenrechte keine zivilisierte Gesellschaft. Bei der Veranstaltung in der Wiener Stadthalle war es zumindest eine getrennte: Männer und Frauen hatten getrennte Eingänge, auch im Publikum gab es eine strenge Geschlechtertrennung.

Zuvor hatte auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) eine kurze Ansprache in der voll besetzten Stadthalle gehalten. Er beschwor das Miteinander von Islam und anderen Religionen in Österreich und meinte: “Ich garantiere Ihnen, dass es auch in Zukunft so sein wird.” Möglich mache dies ein säkularisierter Staat. Von Verboten des Kopftuches im öffentlichen Dienst sowie der Burka, die er nur zwei Tage zuvor angeregt hatte, verlor Hahn kein Wort. Stattdessen erhielt er von der türkischen Gemeinde spontan viel Applaus.

Einen Vergleich zwischen islamischer und westlicher Welt zog der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh. Er strich die tiefe religiöse Verbundenheit der Muslime – auch in Österreich – hervor: “Wenn unsere Mitbürger so eine große Feier sehen und wissen, es ist eine religiöse Feier: Sie verstehen es nicht.” Eher sei dies bei einem Fußballspiel oder einem Rockkonzert der Fall. Schakfeh weiter: “Diese Verbundenheit mit unserer Religion zeichnet uns aus. Das ist es, was wir als Beitrag an diese Gesellschaft mitbringen. Schakfeh appellierte abermals, sich nicht von “engstirnigen” und “unmenschlichen” Personen provozieren zu lassen. “Zu unseren Werten gehört auch eine gute Nachbarschaft.”

Beifall gab es auch für Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Auch er sprach sich für ein friedliches Miteinander in Österreich aus und beteuerte gleichzeitig, Arbeit zu sichern: “Gerechtigkeit und Recht setzen sich nicht von selbst um”, so Tumpel, dessen Rede mit türkischen Untertiteln versehen war. Zu Wort kamen noch diplomatische wie akademische Vertreter der Türkei in Österreich. Die Veranstaltung wurde live im türkischen Fernsehen übertragen.

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