"Gebrochenes Herz" ist gefährlich

Starke emotionale Belastung oder körperliche Ausnahmesituationen können das Herz schwer schädigen und mitunter sogar tödlich enden.

In Deutschland erkrankten in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen an Tako Tsubo, dem “Syndrom des gebrochenen Herzens”. Gefährdet sind vor allem ältere Frauen. Benannt ist es nach einem runden Tontopf mit engem Hals, der in Ostasien zum Fangen von Tintenfischen benutzt wird.

Unter Extremstress kann die linke Herzkammer eine ähnliche Form annehmen, wie japanische Forscher erstmals 1991 beobachteten. Dabei erweitert sich nach jeder Pumpaktion die Herzbasis ballonartig. Weil sich gleichzeitig der Ausgang flaschenhalsförmig abschnürt, gelangt zu wenig Blut in die Hauptschlagader. Dabei zeigt das EKG die für einen Herzinfarkt typischen Veränderungen, wie die Kardiologin Birke Schneider von den Sana-Kliniken Lübeck berichtet. Doch in der Katheteruntersuchung wirken die Herzkranzgefäße gesund, ohne die Infarkt-typischen Verengungen.

Seit 2006 sammelt die Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte in ihrem Tako-Tsubo-Register Erkrankungsfälle aus 37 Kliniken. Dort wurde das Syndrom bis 2009 bei 324 Patienten festgestellt. Die meisten von ihnen litten wie bei einem Herzinfarkt unter starken Brustschmerzen. Manche Patienten wurden ohnmächtig, einige mussten sogar wiederbelebt werden, 2,2 Prozent starben.

Gefährdet sind vor allem ältere Frauen: Neun von zehn Patienten waren weiblich, das mittlere Alter lag bei 68 Jahren. Besonders auffällig: Meist löste ein konkreter Vorfall die Herzkrise aus. Dabei war emotionaler Stress wie der Tod eines Angehörigen oder ein heftiger Streit mit 36 Prozent ähnlich häufig wie physische Belastung durch eine Operation, einen Unfall oder einen Asthmaanfall. Nur bei 23 Prozent der Patienten wurde kein Auslöser gefunden. Als Ursache der Erkrankung vermutet Schneider in der Zeitschrift “DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift” eine starke Ausschüttung von Stresshormonen aus der Nebenniere. Zur Behandlung verordnen Ärzte Beta-Blocker, die die Wirkung dieser Hormone am Herzen verhindern sollen.

(Quelle: “DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift”, Vol. 135, S. 1908-1913)

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