Gartenbaukino: Viennale 10 eröffnet

Cannes-Gewinner Apichatpong Weerasethakul, Viennale-Direktor Hans Hurch und der Schauspieler Xavier Maly vor dem Wiener Gartenbaukino
Cannes-Gewinner Apichatpong Weerasethakul, Viennale-Direktor Hans Hurch und der Schauspieler Xavier Maly vor dem Wiener Gartenbaukino ©APA
Die Ansprachen des Redner-Trios um Festivalleiter Hans Hurch standen heuer ganz im Zeichen der Wien-Wahl und der Abschiebungen von Kinder: "Man wusste schon immer, dass sich die Blätter im Wind bewegen."
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48. Viennale eröffnet
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Im Beisein von Stargast und Cannes-Gewinner Apichatpong Weerasethakul ist am Donnerstagabend im Wiener Gartenbaukino die 48. Viennale eröffnet worden. Der thailändische Regisseur stellte den diesjährigen Viennale-Trailer vor, für den er verantwortlich zeichnete. Dem Eröffnungsfilm “Des hommes et des dieux” von Xavier Beauvois gingen Reden des “traditionellenTrio Infernals” voraus, wie Moderatorin Barbara Rett Viennale-Präsident Eric Pleskow, Festivalleiter Hans Hurch und den Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) ankündigte. Ihre Ansprachen standen heuer ganz im Zeichen der jüngsten Abschiebungen von Kindern durch die Fremdenpolizei.

“Wenn wir das Trio Infernal sind”, sagte Mailath-Pokorny zu Beginn seiner Rede, “stellt sich die Frage, wer von uns dreien Romy Schneider ist.” Seine vorbereitete Rede wollte er dem Publikum heuer ersparen. “Sie wollen ja den Film sehen, also können Sie meine Rede online nachlesen”, so der Stadtrat zu begeistertem Applaus, “und zwar unter www.pipifaxressort.at. Die Schreibweise können Sie den Medien entnehmen.” Auf politische Anmerkungen wollte der Kulturstadtrat dennoch nicht verzichten, die Abschiebungen der achtjährigen Komani-Zwillinge nannte er “ein humanitäres Disaster und eine unsägliche Peinlichkeit”.

Wut und Angst nehmen

Auch der Ausgang der Wiener Gemeinderatswahlen wurde zum Thema. Der große Zugewinn für H.C. Strache solle laut Mailath-Pokorny “nicht Anlass dazu geben, in Stockstarre zu verfallen”. “Vielmehr wäre eine Allianz vonnöten, die selbstbewusst rausgeht und den Strache-Wählern Wut und Angst nimmt”. Viennale-Präsident Eric Pleskow, der dem Publikum die lange Rede “leider nicht ersparen” konnte, da er “keine Webpage” habe, brach bei seiner Rede eine Lanze für die SPÖ-Stadtregierung: “Ich bin enttäuscht, dass nicht genügend Wiener zu schätzen wissen, wie großartig diese Stadt geführt wird und wie gut es ihnen geht. Sollte es eine Protestwahl gewesen sein, weiß ich nicht, wogegen dieser Protest war.”

Festivalleiter Hans Hurch sprach von einer “verkannten, verleugneten und konstruierten Welt”, in der die Politik mediale Bilder zurechtrücken wolle. “Für die Politiker ist nicht das, was die medialen Bilder zeigen, der Skandal, sondern dass es die Bilder überhaupt gibt.” Zwar seien bei bei der Rückkehr der achtjährigen Komani-Zwillingsmädchen “neue Bilder hinzugekommen, doch an der Sache ändern sie nichts”. Die Verbindung zum Kino ergebe sich für Hurch durch ein Zitat von Jacques Rivette, der einst über das frühe Kino sagte, “die Menschen wussten schon immer, dass sich die Blätter im Wind bewegen, aber im Film konnten sie das plötzlich sehen”. Ähnlich sei es bei Politikern, die sich nun “enorm betroffen und berührt zeigen”: “Dafür gibt es ein Wort: Sentimentalität. Aber, meine Damen und Herren, man wusste immer, dass sich die Blätter im Wind bewegen.”

Wahre Geschichte

Politisch war auch der im Anschluss gezeigte Eröffnungsfilm “Des hommes et des dieux”, in dem Xavier Beauvois die wahre Geschichte von acht Trappistenmönchen erzählt, die von einer radikalislamistischen Bande verschleppt und später tot aufgefunden wurden. Einer der Schauspieler, Xavier Maly, war bei der Eröffnungsgala anwesend und meinte, der Film passe zur heutigen Zeit. “Die Probleme rund um Akzeptanz und fremde Religionen sind ein weltweites Problem. Filme können helfen, Aufmerksamkeit zu schaffen.”

Apichatpong Weerasethakul stellte schließlich bei der Eröffnung seinen einminütigen Viennale-Trailer “Empire” vor. “Mit dem Film lade ich Sie alle dorthin ein, wo das Kino anfängt”, so der thailändische Regisseur, “in die Höhle, wo unsere Ahnen einst mit Schattenspielen von Dramaturgie geträumt haben. Das wunderschöne Gartenbaukino ist heute unsere moderne Höhle.” Während Weerasethakul für Hurch “der ganz persönliche Höhlenmensch dieses Festivals” sei, ist klar, wie die Rollenverteilung des Trio Infernal aussieht: “Eric Pleskow ist nicht, wie er sagt, der Frühstücksdirektor der Viennale”, sagte Hurch, “sondern die Romy Schneider dieses Festivals.”

Noch bis 3. November zeigt die Viennale in fünf Wiener Innenstadtkinos rund 300 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Als prominente Festivalgäste werden noch u.a. Lou Reed, Olivier Assayas und der amerikanische Regisseur Mike Leigh erwartet.

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