Game-City 2009 im Wiener Rathaus

©game-city.at
Dass Computerspiele "Kinderzeug" sind, "stimmt schon lange nicht mehr" - Neue Spiele und Konsolen, mehr Raum und wissenschaftliches Begleitprogramm gibt es ab 25.September im Wiener Rathaus, bei freiem Eintritt
Rathaus wird zur Game-City
Der typische Computerspieler als übergewichtiger, sozialscheuer männlicher Teenager, der Gewalt-Games zockt: Mit derartigen, so hartnäckigen wie falschen Vorurteilen will die heuer zum dritten Mal veranstaltete “Game City” (25.-27.9. bei freiem Eintritt) im Wiener Rathaus aufräumen. Denn Computerspieler sind zunehmend Mittdreißiger bis Mittvierziger – und weiblich. Daher widmet sich die Computerspielveranstaltung heuer speziell diesen “Grenzgängern” im Gamesbereich, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Computerspiele sind zunehmend für erweiterte Gesellschaftsschichten ein “Medium für kulturelle Äußerungen”, sagt Herbert Rosenstingl von der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (BUPP) im Wirtschaftsministerium. Sie sind innerhalb weniger Jahre vom “Nischen- zum Massenmarkt” geworden, versichert auch Niki Laber, Präsident des Österreichischen Verbandes für Unterhaltungssoftware (ÖVUS). Doch manche jener Erziehungsberechtigten und Lehrer, die selber in ihrer Jugend keine oder nur wenige Erfahrungen mit Games gemacht haben, tun sich im Umgang mit diesen neuen Phänomenen schwer, sagt Bildungs- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (S). Bei der “Game City”, einem “europaweit einzigartigen Event”, sollen daher nicht nur junge Gamer die neuesten Spiele ausprobieren können, sondern auch den Eltern gezeigt werden, wie man diese “mit pädagogischem Anspruch sinnvoll in den Alltag” einbaut, so Oxonitsch. So soll diese “neue Welt für die Menschen begreifbar gemacht” werden.

Großen Spaßfaktor für Jung und Alt versprechen die Game-Stationen und die erstmals veranstaltete “Lange Nacht der Games” (25.9. bis Mitternacht), bei der aktuelle Spiele und Konsolen präsentiert werden. 52.000 Besucher hatte die “Game City” im Vorjahr, heuer werden die Räume innerhalb des Rathauses auch noch um ein “Gaming Tent” im Freien und um den Arkadenhof erweitert. Dass mit Sony diesmal einer der großen Player nicht unter den Ausstellern ist, bedauert man bei wienXtra. Dennoch sollen “keine Spiele fehlen”, da diese von anderen Herstellern präsentiert werden.

Das Spielvergnügen wird auch wissenschaftlich begleitet. Bei der dritten “Vienna Games Conference” zur “Future and Reality Of Gaming” spricht u.a. die Autorin von “Grand Theft Childhood”, Cheryl K. Olson (Massachusetts General Hospital, Department of Psychiatry), darüber, was junge Gamer auch von Gewaltspielen lernen können. Und auch darüber, was die Eltern tun können, um die positiven Effekte dieser Spiele aufzugreifen, so Rosenstingl. “Denn die Gefahren kann man relativ einfach im sozialen Umfeld abfedern”, insbesondere dann, wenn Eltern und Bildungssystem für reale Situationen “andere Lösungen anbieten” als Gewalt. Gamer seien “keine Gewalttäter, sondern eigentlich Sportler”, die bei vielen Spielen “Höchstleistungen an Teamarbeit und schneller Reaktion” erbringen, so Rosenstingl.

Und die Eltern können die Spiele bei der “Game City” auch selber ausprobieren – womit sich einige durchaus schwertun dürften. So berichtet Stefan Baloh vom eSport Verband Österreich (ESVÖ), dass im Anschluss an die Finalspiele der World Cyber Games und die erste Staatsmeisterschaft der Konsolenspiele (beide im Rahmen der “Game City”) spezielle LAN-Sessions für Eltern veranstaltet wurden und auch heuer wieder werden. Dabei machte das Betreuerteam “zehn Mann aus – für zehn Eltern”. Dass Computerspiele “Kinderzeug” sind, “stimmt schon lange nicht mehr”, so Laber.

In der öffentlichen Diskussion in Medien und Politik müssen Games immer wieder als Sündenbock etwa für zunehmende Gewalt an Schulen oder gar Amokläufe herhalten – doch dies “greift in vielerlei Hinsicht zu kurz”, sagt Rosenstingl. Junge Gamer haben “ein Recht auf Spielen, ohne dafür pauschal kriminalisiert zu werden”, so Rosenstingl. Die Verbindung von Games und Gewalt wird mit “Unterstellungen” betrieben, die “mit Scheinargumenten unterlegt” werden. So sei es angesichts der weiten Verbreitung vom bestimmten Computergames kaum überraschend, dass auch spätere Amokläufer diese spielen. “Wirkzusammenhang ist das noch keiner”, betont Rosenstingl. Im Rahmen der “Game City” ist die Ausstellung “Games Don’t Kill” von Jana Herwig zu sehen. Und Oxonitsch betont: “Es geht nicht um eine Diskussion, ob Computerspiele gut oder schlecht sind. Sie sind ein Faktum” im Alltagsleben.

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