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Friedhof der Namenlosen: Wo die Donau ihre Toten freigibt

Manche Gräber am Friedhof der Namenlosen sind gepflegt und mit Namen versehen.
Manche Gräber am Friedhof der Namenlosen sind gepflegt und mit Namen versehen. ©vienna.at/Paul Frühauf
Verscharrt am Friedhof der Namenlosen. Vergessen, verfallen. Verwendet als Filmkulisse und seitdem ein Geheimtipp für Touristen: In Simmering wurden die Toten Anfang des Jahrhunderts genau dort begraben, wo die Donau sie an Land spülte.
Rundgang zwischen Namenlosen

Die Bäume auf dem Weg durch die Au, am Blauen Wasser entlang, sehen aus wie aus der Erde ragende Knochen. Ihre nackten Äste strecken sich einem grauen Himmel entgegen, ebenso wie die alten, grauen Silos im Alberner Hafen, von denen der letzte Rest Farbe schon lange abgeblättert ist. Der kalte Märzwind trägt einen Hauch von, man traut es sich kaum zu denken, Methan mit sich. Sicherlich vom nahen Hafen. Immerhin wurde die letzte Wasserleiche hier 2004 gefunden, wahrscheinlich aus reinem Zufall, denn den Strudel, der diese Stelle der Donau vor dem Bau des Kraftwerks Freudenau quasi zur offiziellen Anspülstelle für Ertrunkene machte, existiert heute nicht mehr.

Friedhof mit langer Geschichte

1840 wurde wohl die erste gleich hier, am äußersten Ende von Simmering, angespült und nicht ignoriert, sondern gleich an Ort und Stelle eingegraben. Wie, das interessierte damals niemanden. Die 478 Leichen, oft von Fischen zerfressen und nur in den seltensten Fällen identifizierbar, wurden in der Erde neben der Donau verscharrt. Heute kann man auf ihnen spazieren gehen; ihre Gräber sind nicht mehr vorhanden, hundert Mal überschwemmt, wieder freigegeben, im Sommer in den Umrissen der Vegetation vage erkennbar, von Bäumen überwachsen, zwischen denen an schönen Tagen Kinder spielen. Und vielleicht ein bisschen Angst vor jenem Förderband haben, das völlig unmotiviert im nahen Hafen anläuft und im Wind eine klagende Melodie erzeugt. Arbeiter sind an diesem Sonntag im Alberner Hafen weit und breit keine zu sehen. Nur einige Touristen inspizieren diesen Ausflugs-Geheimtipp, der auch Schauplatz für den Film ‘Before Sunrise‘ mit Ethan Hawke war. Gibt es hier etwa Geister? Das ist eine Frage, der wir im April 2012 bei unserem nächsten Besuch hier nachgehen werden, wenn wir mit den Wiener Geisterjägern wiederkommen und nachsehen, ob die Toten hier tatsächlich in Frieden ruhen.

Friedhof der Namenlosen – nur zum Teil

Einige der Kreuze am Friedhof der Namenlosen tragen sehr wohl Namen und scheinen, zumindest in großen Abständen, besser gepflegt als die einfachen Erdhügel, die die zersetzten Körper derer, die niemand vermisst, bedecken. Sepperl steht da auf einem. Kleine, liebevoll drapierte Stofftiere ziehren das einfach Metallkreuz mit dem silbern glitzernden Jesus. Er liegt in Gesellschaft: 43 der 104 hier begrabenen Ertrunkenen sind identifiziert. Der Rest? Vergessen von Familien, Stadt und Geschichte.

Heute werden jene, die der Fluss freigibt, nicht mehr hier vergraben. Der Friedhof der Namenlosen ist offiziell aufgelassen, wird jedoch noch immer gepflegt. Vergebens, denn Unidentifizierte landen heute auf dem nicht weit entfernten Zentralfriedhof. Dort verschwinden sie in der Masse. Hier, am Friedhof der Namenlosen, sind die vergessenen Opfer der Donau unter sich.

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