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FPÖ: Strache bleibt der Chef

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©AP
Gastkommentar von Johannes Huber. Nicht trotz, sondern wegen des Ibiza-Videos ist der 49-Jährige erfolgreich geblieben. Auf Bundes- und Wiener Gemeindeebene wird er weiterhin entscheidend sein.

Vielleicht haben sich viele Gegner von Heinz-Christian Strache zu früh gefreut, als er vor drei Wochen als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurückgetreten ist. Zumindest das EU-Wahlergebnis hätte ihnen zu denken geben müssen: Strache holte vom letzten Listenplatz aus und ohne große Kampagne ganze 44.750 Vorzugsstimmen. So viele hatte er auf Bundesebene noch nie erreicht: Bei der EU-Wahl 2014 schaffte er gerade einmal 8994. Bei der Nationalratswahl 2017 war er zwar als Spitzenkandidat angetreten, musste sich aber mit 41.479 begnügen. Das heißt etwas.

Vor allem ist davon auszugehen, dass Heinz-Christian Strache das politische Geschehen noch lange mitbestimmen wird: Zunächst wird er das Mandat im Europäischen Parlament, das er nun geholt hat, wohl annehmen. Viele seiner Parteifreunde mögen das nicht gerne sehen. Doch was sollen sie tun? Auf einen solchen Stimmenbringer können sie in schweren Zeiten wie diesen schwer verzichten. Im Gegenteil: Würden sie ihm etwas anschaffen oder ihn gar aus der Partei ausschließen wollen, er würde zu einem ernstzunehmenden Gegenspieler aufsteigen.

Also musste sich der designierte FPÖ-Chef Norbert Hofer damit begnügen, eine Scheinlösung zu verkünden: Sollte Strache nach Brüssel und Straßburg gehen, werde er auf sämtliche Parteifunktionen verzichten. Wie bitte? Das ist einigermaßen originell: Nachdem Strache nicht nur das Vizekanzleramt aufgegeben hat, sondern auch die Führung über die Bundes- und die Wiener Landesorganisation, gibt’s ohnehin nichts Wesentliches mehr, auf das er verzichten könnte. Soll heißen: Diese „Lösung“ zeigt nur, wie ohnmächtig Norbert Hofer gegenüber Strache ist.

Viel wichtiger als das ist aber die Frage, wie es sein kann, dass Strache trotz des Ibiza-Videos so gut dasteht. Das sollte nicht nur Journalisten und Hobbyphilosophen, sondern vor allem auch seinen politischen Mitbewerbern zu denken geben: Ganz offensichtlich hat dem 49-Jährigen das, was er an der Seite von Johann Gudenus gegenüber einer vermeintlichen Oligarchin geäußert hat, nicht geschadet.

Warum auch? Dass er raucht und Wodka Red Bull trinkt, wird seine Anhänger kaum empören. Im Gegenteil, es macht ihn zu einem der ihren. Und was er so gesagt hat, ist auch nicht weiter überraschend für sie: Dass Politiker milliardenschwere Aufträge freihändig vergeben und Medien kaufen, entspricht ihren Vorstellungen. Gut, dass Strache diesbezüglich nicht besser ist, mag sie irritiert haben; letzten Endes aber ist es ihnen lieber, er tut es, als jemand anderer – weil mit ihm noch immer die deutlichste Absage an ein Establishment einhergeht, das sie so abgrundtief verachten.

Nachhaltig verstört hätte Strache seine Anhänger wohl nur dann, wenn er auf Ibiza gesagt hätte, dass er in Wahrheit für Massenzuwanderung ist, den Islam schätzt etc. Das hätte nämlich dem wichtigsten Programmteil widersprochen, für den er steht.

Alles in allem ist mit Heinz-Christian Strache wohl auch in Zukunft zu rechnen. Dass er wegen der erwähnten Äußerungen gehen musste, löste eher einen Solidarisierungseffekt für ihn aus, wie er ziemlich einzigartig ist in der Geschichte der Zweiten Republik. Womit er früher oder später bei National- und wohl auch Wiener Gemeinderatswahlen wieder eine entscheidende Rolle spielen dürfte.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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