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Forscherin ortet "Biedermeierhaltung" der Gesellschaft

Die Forscherin ortet keine gute Entwicklung.
Die Forscherin ortet keine gute Entwicklung. ©APA/HARALD SCHNEIDER
Die Corona-Pandemie hat nicht nur einen Rückzug ins Private mit sich gebracht. Die Forscherin Michaela Pfadenhauer ortet eine "Biedermeierhaltung". Das sei eine Haltung, die weder für die Solidarität, noch dem Zusammenleben gut sein.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben nicht nur zu einem stärkeren Rückzug des Einzelnen ins Private geführt. Soziologin Michaela Pfadenhauer von der Uni Wien ortet auch in der Gesellschaft eine neue "Biedermeierhaltung": "Das ist eine - je nach Auslegung - antipolitische oder apolitische Haltung, die weder für Solidarität noch für das Zusammenleben insgesamt gut ist, wenn eigentlich jeder nur noch daran denkt, wie er seinen Feierabend angenehm verbringt."

"Die Welt droht kleiner zu werden"

Im Lockdown hätten viele Menschen Kochen, Häkeln und Paradeiserziehen als neue Prioritäten entdeckt. Das öffentliche Leben und Aktivitäten, die sich an die Öffentlichkeit wenden, hätten unterdessen gerade mit Blick auf mögliche Infektionsgefahren keinen guten Stand. Das Selbstverständnis als Bürger mit seiner öffentlichen und politischen Meinung in einem Kontext, der nicht an der Nationengrenze ende, nehme derzeit ab, befürchtet Pfadenhauer im Gespräch mit der APA. Das mache nicht nur bisherige Erfolge beim Zusammenwachsen Europas zunichte, sondern auch Vieles an gesellschaftlicher Öffnung, die seit den 1950ern passiert sei.

Diverse im öffentlichen Raum präsente Bewegungen der folgenden Jahrzehnte - von den 1968ern über die sozialen Bewegungen der 1970er und 1980er und dann die Straßenpartys der 1990er, die das Recht auf ein Leben nach der jeweils eigenen Fasson feierten, bis zum Engagement rund um die Flüchtlingsbewegung 2015 - seien Zeichen dafür gewesen, dass man in größeren Horizonten denkt. "Jetzt bewegt man sich nicht einmal mehr außerhalb der Grenzen von Österreichs - verkehrstechnisch und immer weniger auch gedanklich. Die Welt droht kleiner und die Orientierung und Zuwendung zu den großen Fragen seltener zu werden."

Pfadenhauer befürchtet neue ARt des Moralisierens

Gleichzeitig nimmt Pfadenhauer im öffentlichen Raum im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht oder Abstandhalten derzeit fallweise "eine gewisse Lust wahr, jetzt anderen wieder etwas sagen bzw. sich gegenseitig belehren zu dürfen. Mögen Sie sich diese Art von Gesellschaft vorstellen, in die wir da vielleicht hineinlaufen, in der jeder dem anderen sagen kann, was er gerade falsch macht - und immer legitimiert durch die gefährliche Pandemie? Das ist eine mich nicht sehr froh stimmende Aussicht." Wie weit dieses Phänomen des neuen Moralisierens verbreitet ist und welche gesellschaftlich folgenreichen Wirkungen es entfaltet, will Pfadenhauer nun in einem Forschungsprojekt untersuchen.

(APA/Red)

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