Formel 1: Doppelte Ohrfeige vor Europa-Grand-Prix für Red Bull

Sieben Rennen, sieben Poles, fünf Siege! Der Dominanz von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel geht es nun aber vehement an den Kragen, denn die Motorsport-Weltbehörde (FIA) hat gleich zwei einschneidende Regelanpassungen vorgenommen. Die bisherige Überlegenheit von Vettels Weltmeister-Team Red Bull Racing steht damit schon am kommenden Wochenende beim Europa-Grand-Prix in Valencia auf dem Prüfstand.

Ab dem nächsten Rennen am 10. Juli in Silverstone ist die gefinkelte Anwendung des Zwischengas-Effektes verboten, weil dieser laut FIA eine verbotene aerodynamische Hilfe darstellt. Dabei wird der Unterboden (Diffusor) auch dann mit heißen Auspuffgasen angeströmt, wenn der Fahrer nicht Gas gibt. Ab sofort und damit bereits in Valencia darf aber auch das Motor-Mapping zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr verändert werden. Das hat FIA-Renndirektor Charlie Whiting den Teams Anfang der Woche mitgeteilt.

Negativ vor allem für Vettel?

Diese zweite, bisher wenig beachtete Änderung, könnte vor allem die Renault-Autos wie den RB7 von Vettel massiv negativ beeinflussen. Ganz offensichtlich beruhte die Trainings-Dominanz der Red Bull auch darauf, dass man am Samstag im Qualifikationstraining mit einer sehr riskanten Motoreinstellung fuhr, im Rennen dann aber eine eher auf Haltbarkeit und Sparsamkeit ausgerichtete Programmierung verwendete. Diese Veränderung ist ab sofort verboten, damit werden Vettel und Mark Webber auch schon im Kampf um die Pole-Position deutlich eingebremst.

Eine doppelte Ohrfeige als für Red Bull Racing, das in der ersten Saison als Weltmeister vor allem im Qualifikationstraining bisher in einer eigenen Liga fuhr. Die Auswirkungen wird man bereits am kommenden Wochenende in Spanien sehen. Während rundum die neue Situation bereits hektisch diskutiert wird, blieb man bei Red Bull vorerst aber noch gelassen.

An Ersatzlösungen wird gearbeitet

Vettel selbst etwa ist überzeugt, dass sein Auto von den Änderungen nicht mehr betroffen ist, als alle anderen. Motorsport-Direktor Helmut Marko deutete bereits an, an Ersatzlösungen zu arbeiten. Bei Renault, das als “Erfinder” des heiß angeströmten Diffusors gilt, ist man überzeugt, dass alle Teams mit angeblasenem Unterboden nun beim Anbremsen Bodenhaftung verlieren.

Die Einmischung des Regelhüters FIA mitten in der Saison könnte in der Tat die Weltmeisterschaft, in der Vettel nach sieben Rennen 60 Punkte Vorsprung auf Button hat, ein neues Bild geben. Vor allem bei Ferrari frohlockt man bereits.

Zudem hat man bei Red Bull zuletzt auch renntaktisch Schwächen gezeigt. In Kanada etwa ging Vettel ein weiterer Sieg durch die Lappen, weil man lange die fulminante Aufholjagd des späteren Siegers Jenson Button im McLaren übersehen hatte.

McLaren, wo man das raffinierte Auspuffsystem von Red Bull/Renault bisher am besten kopiert hat, gelang dadurch der bereits zweite Saisonsieg. Buttons Teamkollege Lewis Hamilton ist zwar fahrerisch derzeit nicht top, dafür aber überzeugt, “dass wir zuletzt im Rennen bereits das schnellste Auto hatten.”

Eine Kampfansage, die der heißblütige Brite bereits am Sonntag (14.00/live ORf 1, RTL, Sky) wieder unter Beweis stellen kann. Valencia ist der dritte Straßenkurs in Folge nach Monaco und Kanada. Die erst seit 2008 in der WM aufscheinende Strecke im Hafen der spanischen Mittelmeer-Küstenstadt ist dafür aber die mit den meisten (25) Kurven im Kalender, was die zweitmeisten (64) Schaltmanöver pro Runde notwendig macht.

Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 km/h

Vettel hat jedenfalls gute Erinnerungen an die Heimatstadt der Paella, brachte er sich im Vorjahr doch mit seinem Sieg in der drittgrößten spanischen Stadt zurück ins WM-Rennen. Die Atmosphäre rund um den Jachthafen des America-Cups ist ähnlich wie in Monaco, nur geht es in Spanien bei weitem nicht so eng zu.

Zudem liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei fast 200 km/h, das Layout ist also an sich maßgeschneidert für Red Bull. “Aber gleich wie in Monaco gibt es keine Auslaufzonen, der Kurs verzeiht keine Fehler” warnte Vettel. Und auf der Hängebrücke vor Kurve zehn ist der Belag so wellig, “dass es dich förmlich aus dem Sitz reißt.” (APA)

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