Fünffachmord - Psychiaterin sah Persönlichkeitsstörung

Die psychiatrische Sachverständige Sigrun Rossmanith hatte Reinhard St. eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert. Er sei zum Tatzeitpunkt aber auf jeden Fall zurechnungsfähig gewesen, betonte die Gutachterin.

Der 39-Jährige sei ein “sehr gebildeter, gescheiter Mann”, der keine Störungen durch organische Schäden, Epilepsie oder psychiatrische Erkrankungen aufweise.

“Eine Geisteskrankheit im engeren Sinn liegt nicht vor”, so Rossmanith. Betroffene würden sich aber u. a. anmaßen, “über das Schicksal der anderen zu bestimmen.”

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung sei durch eine frühe Störung der Selbstwertregulation entstanden, sie mache den Betroffenen “anfälliger für Kränkungen”. Ein Verlust des Ansehens könne von der jeweiligen Person “als existenzielle Vernichtung” erlebt werden. Reinhard St. habe ein “vermindertes Repertoire an Lösungsmöglichkeiten”; allerdings befähige eine narzisstische Persönlichkeitsstörung den Betroffenen im Gegensatz zu einer Geisteskrankheit schon, sich entsprechend der jeweiligen Situation zu verhalten.

Die Sachverständige sprach aber auch von einer “Minderung der erkenntnisgemäßen Handlungsfähigkeit”. Auf die Frage des Verteidigers nach der nihilistischen Haltung meinte Rossmanith, dass St. zwar davon geprägt sei, sie würde dem aber kein “Übermaß” an Bedeutung zukommen lassen: “Auch eine Bindung ans Nichts hält Menschen am Leben.” Auch läge die Bereitschaft zu töten in den Genen aller Menschen.

Die Taten seien am “Höhepunkt eines Konfliktes” geschehen, erklärte die Sachverständige und sprach von einem “Overkill” – Reinhard St. habe öfters zugeschlagen, als nötig gewesen wäre. Das Zudecken der Leichen “ist immer auch ein Zudecken der durchgeführten Handlungen”, man distanziere sich am Ort von der Tat. Das Hinlegen von Stofftieren zu seiner getöteten Tochter erklärte Rossmanith als “Versuch, etwas wieder gut zu machen”.

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