Fünf Gründe, die für Spanien sprechen

44 Jahre ohne EM-Titel für Spanien sind genug. "La Roja" startete zuletzt immer als Co-Favorit in große Fußball-Turniere, scheiterte aber dann doch immer schon vorzeitig.

Nicht so in der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz, wo das Star-Ensemble mit dem von Trainer-Routinier Luis Aragones gepriesenen und im Halbfinale gegen Russland perfekt zelebrierten, blitzschnellen Kurzpassspiel “tiqui taca” (sprich “tiki-taka”) erstmals seit 1984 wieder in einem Endspiel steht.

Hier fünf stichhaltige Gründe, die für Spanien als Europameister sprechen:

1) “tiqui taca” und Konterstärke: In beiden Spielen gegen die sonst so groß aufspielenden Russen haben die Spanier mit ihrem blitzschnellen Kurzpass-Spiel überzeugt. War der 4:1-Sieg in der Gruppenphase über die “Sbornaja” eine bittere Lektion in Sachen Konterfußball für die Mannschaft von Erfolgscoach Guus Hiddink, so erledigten die Spanier die Russen beim 3:0-Triumph mit ihrem klassischen “tiqui taca”, durch das der Gegner viele leere Kilometer “fressen” muss und dadurch müde gespielt wird. Dabei sind die Mittelfeldspieler permanent in Bewegung. Jeder, egal ob Senna, Iniesta, Silva, Xavi oder “Edel-Joker” Fabregas, der im Finale wohl anstelle des verletzten Torjägers Villa in der Startelf stehen wird, ist in der Lage, das Spiel genau im richtigen Moment zu beschleunigen. Und wenn der Gegner dann nicht mehr kann, dann schlagen die Iberer geradezu überfallsartig zu und versetzen dem Gegner den “Todesstoß”.

2) Luis Aragones oder “Der Weise von Hortaleza”: Der fast 70-Jährige lässt sich nie von seinem Kurs abbringen, wie sein EM-Verzicht auf Teamrekordtorschütze Raul einmal mehr bewies. Sein unerschütterliches Selbstvertrauen hat in den zwei Jahren seit dem Achtelfinal-Aus bei der WM in Deutschland auf die Spieler abgefärbt, wie ein Blick auf die Statistik eindrucksvoll beweist. Unter dem erfolgreichsten Coach der spanischen Verbandsgeschichte ist “La Roja” seit 21 Spielen bzw. mehr als 19 Monaten ungeschlagen.

3) Die Qualität der Joker im teuersten EURO-2008-Team: Spanien stellt mit einem Marktwert von 381 Millionen Euro das teuerste EM-Team, das aber auch in punkto Qualität die klare Nummer eins ist. Arsenal-Jungstar Cesc Fabregas, Champions-League-Sieger Xabi Alonso oder Primera-Division-Torschützenkönig Daniel Güiza hatten etwa bisher keinen Stammplatz in der EM-Standardelf von Aragones. In jedem anderen EURO-Team wären diese Weltklassekicker Fixstarter. “Von einer solchen Qualität im Kader träumt jeder Teamchef”, lautete etwa der Kommentar von Russland-Coach Guus Hiddink zu Spaniens Superstar-Ensemble.

4) Die “Formel” Senna: Wie der legendäre brasilianische Formel-1-Champion Ayrton Senna stammt auch der Villarreal-Profi aus der Metropole Sao Paulo. Magie verbreitet der eingebürgerte Brasilianer zwar keine, er ist aber als kompromissloser Bewacher und Tempomat ein Erfolgsgarant. Mit der “Formel” Senna fuhr Spanien gut und zu elf Siegen en suite, sofern man den Erfolg im Elfmeterschießen über die Italiener auch mitzählt. Zuletzt degradierte der 31-Jährige Russlands zuvor so überragenden Spielmacher Andrej Arschawin zum “Totalausfall”.

5) Die “goldene Jugend”: Im Nachwuchs-Bereich sind die Spanier längst Titelhamster. In allen Altersklassen haben sie bereits triumphiert, zuletzt deklassierten sie am 16. Mai im U17-EM-Finale die Franzosen mit 4:0. Keine andere europäische Nation kann bei den Junioren mehr Erfolge und Titel vorweisen als “Espana”. Dass sich diese Nachwuchs-Dominanz einmal in der allgemeinen Klasse niederschlägt, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Mit einem Durchschnitt von 26 Jahren, 5 Monaten, 30 Tagen stellte Spanien das drittjüngste Team des Turniers.

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