Fünf Gründe, die für Deutschland sprechen

Deutschlands Fußball-Nationalteam peilt nach zwei EM-Turnieren, in denen bereits in der Gruppenphase Endstation war, am Sonntag im EURO-Finale den vierten Europameistertitel an.

Die Deutschen überzeugten erst in zwei von fünf EM-Spielen (gegen Polen und im Viertelfinale gegen Portugal) wirklich, schafften aber trotz teils schwächerer Darbietung stets den Einzug in die nächste Runde. Die DFB-Elf geht daher als leichter Außenseiter in die Partie, eine Tatsache, die Michael Ballack und Co. nach dem bisherigen Turnierverlauf aber liegen sollte.

Hier fünf stichhaltige Gründe, die für Deutschland als Europameister sprechen:

1) Deutschlands große Erfahrung in Turnierendspielen:
Die DFB-Elf, die auch im direkten Duell mit den Spaniern eine bessere Bilanz (8 Siege/6 Unentschieden/5 Niederlagen) vorzuweisen hat, steht bereits zum 13. Mal (sieben Mal WM/fünf Mal EM) in einem großen Endspiel und konnte dabei je drei EM- (1972/1980/1996) und WM-Titel (1954/1974/1990) gewinnen. Die Spanier gehen demgegenüber erst in ihr drittes Finale auf europäischer Ebene, nach dem Sieg 1964 (2:1 gegen UdSSR) und der 0:2 Niederlage gegen Gastgeber Frankreich 1984. Bei einer WM waren sie gar noch nie ins Endspiel vorgestoßen (beste Platzierung Rang vier 1950 in Uruguay).

2) Die neue “Flügelzange” Podolski-Schweinsteiger:
Sowohl für Lukas Podolski als auch für Bastian Schweinsteiger begann das Turnier ungewohnt. Podolski wurde vom Angreifer zum linken Mittelfeldspieler umfunktioniert, machte dabei aber eine sehr gute Figur. Drei Tore in den ersten beiden Spielen sprechen Bände. Zudem war der 23-Jährige mit seinem gefürchteten linken “Hammer” und seinen Dribblings ein ständiger Gefahrenherd. Für Schweinsteiger begann die EURO auf der Ersatzbank und ging mit einem Ausschluss im Kroatien-Spiel weiter. Das war aber die Initialzündung für den 23-Jährigen, der vor dem Portugal-Spiel in der “Schuld” stand und seine Aufgaben mit Bravour (Tor und zwei Assists) erfüllte. Vor allem seit dem Systemwechsel von 4-4-2 auf 4-2-3-1 (ab dem Viertelfinale) harmoniert das Bayern-München-Duo immer besser, da es sich vor allem auf die offensiven Aufgaben konzentrieren kann. Podolski als Vorbereiter, Schweinsteiger als Torschütze, das hat es sowohl gegen Portugal als auch die Türkei gegeben.

3) Die längere Regenerationszeit:
Die DFB-Elf absolvierte bereits am Mittwoch in Basel ihr Halbfinalspiel gegen die Türkei (3:2), während die Spanier erst am Donnerstag in Wien gegen Russland (3:0) ran durften.

4) Die Unberechenbarkeit:
DFB-Teamchef Joachim Löw hat seiner Mannschaft während der EURO das 4-2-3-1-System beigebracht und dieses auch im Viertel- und Halbfinale eingesetzt. Trotzdem betont der 48-Jährige immer wieder, das dies kein neues Allheilmittel sei, man von Spiel zu Spiel schauen müsse. Eine Rückkehr zum “alten” 4-4-2 scheint daher immer möglich, wodurch die DFB-Elf deutlich schwerer auszurechnen ist.

5) Die “Genialität” von Michael Ballack:
Was den spielerischen Glanz betrifft, ist es noch nicht die EM des Regisseurs vom englischen Vizemeister Chelsea. Doch aus läuferischer und kämpferischer Sicht sowie als Leithammel und Führungsfigur hat der 31-Jährige, der mit 57,52 Kilometern Laufleistung bei der EM die mit Abstand weiteste Strecke aller deutschen Spieler zurückgelegt hat, eine große Rolle innerhalb des Teams. Und für spielentscheidende Tore ist der Kapitän immer gut. Österreich hat er mit seinem Hammer-Freistoß (121 km/h) im Alleingang k.o. geschossen und Deutschland damit erst ins Viertelfinale gebracht, zudem machte er im Viertelfinale gegen Portugal per Kopf mit dem 3:1 den Sack zu. Und an Motivation fehlt es dem zentralen Mittelfeldspieler auch nicht: Bei der EM 2000 und 2004 (jeweils Out nach der Gruppenphase) sowie der WM 2002 (Zweiter) und 2006 (Dritter) gab es genauso keinen Titel wie in den Champions-League-Finali 2002 (mit Leverkusen 1:2 gegen Real Madrid) und 2008 (mit Chelsea im Elfmeterschießen gegen Manchester United). Jetzt soll der “Knoten” endlich platzen.

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