Flinke Striche, gefönte Farben: "Illustre" Zeichner im designforum

Der Illustration als eigenständigem Kunst-Genre mit vielfältigen Einsatz- gebieten ist die aktuelle Ausstellung "Illustre" im Designforum gewidmet, bei denen der Besucher bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.

Neun Arbeitstische bilden die scheinbar spartanische Ausstattung der Schau, an jedem wird gewerkt. Kurator Thomas Hamann installierte über den Schreibtischen von neun renommierten Illustratoren Kameras, die den Entstehungsprozess der Werke im Zeitraffer festhalten. Hier ein Federstrich, dort ein Klick im Zeichenprogramm und fertig ist viel mehr als nur ein Mondgesicht. Bienen und Blümchen, zahnlose Fratzen, Storyboards für altbekannte Werbemotive entstehen in wenigen Minuten unter den fähigen Händen von Bernd Ertl, Renate Habinger, Tom Mackinger oder Gina Müller, die über den Schreibtisch wuseln.

“Illustrationen sind etwas Handgemachtes und machen deshalb einzigartig”, sagt “Datum”-Herausgeber Klaus Stimeder aus einem Kopfhörer an den umliegenden Hörstationen, bei denen Auftraggeber von Illustrationen in Interviews zu Wort kommen. “Wenn fotografieren verboten ist, dann kommt wieder die alte Qualität der Zeichnung zum Tragen”, meint “Standard”-Herausgeber Oscar Bronner. “Illustration ist mächtiger als Fotografie, sie kann Dinge darstellen, die dem Foto unzugänglich sind und haben dabei eine starke persönliche Note”, so Werber Matthias Heise. Persönliche Stile sind es auch, die die Ausstellung prägen, nicht nur im Endprodukt, sondern auch in der Technik. Da werden Farben mit Fön getrocknet, Mausklicks in rasendem Tempo getätigt, oder mit gewaltigen Siebdruck-Maschinen hantiert.

Wie von der jungen Illustratoren-Gruppe Atzgerei, die seit 2005 eine Siebdruck-Werkstatt im namensgebenden Wiener Atzgersdorf betreibt. “Illustration wird wenig wertgeschätzt und schnell belächelt”, erzählte Fördl Scheichenost im APA-Gespräch. Gemeinsam mit vier Uni-Kollegen aus dem Studiengang Grafik und Werbung auf der Angewandten hat er sich mit der Atzgerei bereits einen Namen gemacht – ein optischer Begriff sind ihre Arbeiten unter anderem vom Koproduktionshaus brut. In Anlehnung an die US-amerikanische Rockmusik-Szene will man sich künftig verstärkt der Plakatgestaltung für Konzerte widmen.

Einen eigene Ausbildung für Illustration gibt es in Österreich bisher nicht. “Deshalb muss man sich mehr dafür entscheiden und sich auch stärker gegen Widerstände durchsetzen”, so Kurator Hamann gegenüber der APA. So entstünden viele Individualisten, die weniger einer bestimmten Schule als persönlicher Liebhaberei anhingen und eine große Dynamik innerhalb der Szene hervorrufen. Diese Dynamik zu erleben macht die Ausstellung leicht – nicht nur an den Arbeitstischen, sondern auch bei einer “Live-Illustrations-Session” am 17. Mai, bei der eine ausgestellte Skater-Rampe von flinken findigen Fingern neu gestaltet wird.

Zum Programmeintrag samt Ausstellungsdauer und Öffnungszeiten.

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