Fledermäuse sind Stoffwechsel-Weltmeister

Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben entdeckt, dass Fledermäuse Stoffwechsel-Weltmeister unter den Säugetieren sind.

Die Tiere nutzen dazu fast ausschließlich den im Nektar enthaltenen Zucker und schonen damit ihre eigenen Reserven. Die Entdeckung der Forscher könnte in weiterer Folge auch Auswirkungen auf die Human-Medizin haben: Vor allem dann, wenn es um die Frage geht, wie man Energie am besten nutzbar machen kann.

Wenn Sportler viel Energie tanken wollen, greifen sie zu Powerdrinks, in denen viel Zucker vorhanden ist. “Allerdings schaffen selbst die besten unter ihnen nur etwa 30 Prozent des Zuckers direkt zu verbrennen. Den Rest holt sich ihr Körper aus den körpereigenen Depots von Fett und Glykogen”, so Studienleiter Christian Voigt vom IZW im pressetext-Interview. “Interessant sind natürlich die biochemischen und hormonellen Mechanismen, die dahinter stehen. Hier gibt es weit mehr zu erforschen”, meint der Wissenschaftler. Das Interessante daran sei nämlich, dass die rund zehn Gramm schweren Blumenfledermäuse dadurch das körpereigene Glykogen sowie die Fettvorräte schonen und damit die Kosten dessen Auf- und Abbaus umgehen.

“Zwar kommt sämtliche Energie letztlich aus unserer Nahrung, aber sowohl Tiere als auch Menschen können nur einen Teil davon direkt nutzen”, erklärt Voigt. Der Rest werde als Fett oder körpereigenes Glykogen gespeichert, um im Bedarf später genutzt zu werden. “Eine weitere Besonderheit bei den Fledermäusen ist auch, dass ihre Nahrung nur wenig Proteine und Fette enthält.” Anhand von Fütterungsversuchen konnte das Forscherteam deutlich zeigen, wie viel ihrer Nahrung direkt verbrannt werden kann. Dazu wurde den Tieren Zuckerwasser, das mit stabilen, also nicht-radio-aktiven Kohlenstoffisotopen angereicht war, verabreicht. Bereits wenige Minuten nach der Nahrungsaufnahme konnten die Isotope des Zuckers im Atem der Tiere nachgewiesen werden. “Damit sind die Blumenfledermäuse die Rekordhalter unter den Säugetieren, was die Verbrennungsrate von Zucker angeht”, erklärt Voigt. Zum Vergleich: Spitzensportler nutzen nur etwa 30 Prozent der Energie aus Zuckerdrinks.

“Problematisch ist es für die Tiere allerdings, wenn es ein paar Tage regnet und sie keine Nahrung aufnehmen können”, so Voigt. Fehlt der Zucker, müssen die Tiere sofort und sehr stark auf ihre Fettreserven zugreifen. Innerhalb eines Tages beispielsweise verbrauchten sie 50 Prozent des Körperfetts, sobald sie keinen Zucker mehr erhielten. “Die Tiere können allerdings ihren Körper auf Torpor, das ist die so genannte Tagesschlaflethargie, setzen, wenn es an Nahrung mangelt.” In diesem physiologischen Schlafzustand wird die Stoffwechselrate auf ein Minimum gesenkt und alle Körperfunktionen werden gleichsam auf Sparflamme gehalten.

Was die Studie aber auch deutlich gemacht hat, ist die Tatsache, wie empfindlich die Tiere auf Veränderung im Ökosystem reagieren. “Dadurch, dass die Blumenfledermäuse Nahrungsspezialisten sind, kann sich das Wegfallen der Nahrungsressource sofort auf die Population auswirken”, erklärt der Wissenschaftler. Die Blumenfledermäuse, die das Forscherteam untersucht hat, leben im tropischen Südamerika und bilden als Bestäuber ein mächtiges Pendant zu den Kolibris.

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