Fischer: "Kunst ist auch Risiko"

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Mittwoch die 64. Bregenzer Festspiele (bis 23. August) eröffnet.
Einzug des Bundespräsidenten
Promis vor der Festspieleröffnung
Vor der Festspieleröffnung: Warten auf den Bundespräsidenten
Viel Prominenz bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Militärmusik
Festspiel-Shop
Catering
Vor der Festspieleröffnung: Impressionen

Im Zentrum des Festspielsommers steht die Verdi-Oper “Aida” auf der Seebühne, deren Premiere am Eröffnungsabend in den vergangenen Wochen mit großer Vorfreude entgegengefiebert wurde. Einen weiteren Höhepunkt bildet die Oper im Festspielhaus, “König Roger”. Insgesamt stehen unter dem Motto “Sinn und Sinnlichkeit” in vier Wochen beinahe 100 Veranstaltungen auf dem Programm. Aufgelegt sind rund 210.000 Tickets, davon entfallen 192.000 Karten auf “Aida”. Die “Aida”-Vorstellungen sind bereits zu über 80 Prozent gebucht.

Bundespräsident Fischer würdigte in seiner Rede das traditionsreiche Kunst-Bewusstsein, das sich mit lebendiger gegenwärtiger Produktion verbinde. Mit dieser Philosophie würden die Bregenzer Festspiele weithin sichtbar dazu beitragen, den hohen Stellenwert von Kunst und Kultur in Österreich zu festigen und weiterzuentwickeln.

Angesichts der zahlreichen Erfolge österreichischer Künstler wünscht sich Fischer, ihnen “mit vereinten Kräften noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken und unseren Respekt für ihre Leidenschaft, für ihre Energie und für die Qualität ihrer Arbeit zum Ausdruck zu bringen”. Kunst sei auch Risiko, “eine Expedition in ein unbekanntes Land. Und jede Expedition, jede Erkundung von Neuem kann scheitern”, so Fischer laut vorab verbreiteter Rede. “Aber ähnlich wie ein wissenschaftliches Experiment kann auch Kunst selbst im Scheitern einen Weg in die Zukunft ebnen.”

Das Motto “Sinn und Sinnlichkeit” der heurigen Festspiele scheine auf den ersten Blick “ein politikfernes, ja ein unpolitisches Motto zu sein”, in Anlehnung an Friedrich Schillers “Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen” sei es aber “letztlich die Kunst, die Vernunft und Sinnlichkeit versöhnt, den Menschen ästhetisch wie moralisch bildet und damit auch Polis und Politeia, also der Heimat und dem Gemeinwohl dient.” Polis und Politeia zu dienen heiße auch “heute unsere Demokratie mit Leben zu erfüllen, die Menschenrechte ernst zu nehmen und zu verteidigen”, so der Bundespräsident.

Nicht nur die Musik sei – wie Joseph Haydn einmal gemeint hat – eine Sprache, die die ganze Welt versteht, “sondern die Kunst schlechthin kann dazu ihren Beitrag leisten. Indem ich für dieses Bündnis zwischen Demokratie, Humanität und Kunst werbe, erkläre ich die Bregenzer Festspiele 2009 für eröffnet und wünsche allen die daran beteiligt sind und mitarbeiten den besten Erfolg.”

Die Eröffnungsfeier im Großen Saal des Bregenzer Festspielhauses, an der neben Bundespräsident Fischer auch Bundeskanzler Werner Faymann (S), Vize-Kanzler Josef Pröll (V) sowie zahlreiche Regierungsmitglieder teilnahmen, war geprägt von viel Musik, etwa von Karol Szymanowski, Wagner und Gershwin.

Für Rhomberg “Erfolgsunternehmen”

In ihren Ansprachen betonten Festspielpräsident Günter Rhomberg und Bildungsministerin Claudia Schmied (S) die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft. Rhomberg stellte die Frage nach der Berechtigung von Festen und Festspielen “in einer Zeit düsterer Prognosen” und “einer Phase der Unsicherheit”. Deutlich und unmissverständlich fiel seine Antwort darauf aus: “Nur eine Konstante der Hoffnung verbleibt unserer Gesellschaft, die Handschrift der Kultur, der Kunst”.

Dieser “zeitlosen Wahrheit” sollte die Kulturpolitik mehr Aufmerksamkeit schenken und nicht aus den Augen verlieren, dass eigenständige Kulturleistungen “auch wesentlich zum wirtschaftlichen Nationalprodukt beitragen”, befand der Festspielpräsident. In Bezug auf den heurigen Leitspruch der Festspiele – “Sinn und Sinnlichkeit” – leitete Rhomberg die Begriffe “Realität und Freude” ab. Als Realität nannte er die Bregenzer Festspiele “ein Erfolgsunternehmen von hoher Qualität und ungebrochenem Publikumszuspruch”. Durch die jahrelang entwickelte Bregenzer Opern-Dramaturgie sei es gelungen, “hunderttausende Menschen, welche vorher keinen Zugang zur Welt der Oper hatten, für qualitatives Musiktheater zu begeistern”.

Kulturministerin Claudia Schmied (S) knüpfte an die Ausführungen Rhombergs an, indem sie ihre Definition von Kulturpolitik preisgab: “Mit dem Anspruch, Sinn und Sinnlichkeit gemeinsam zu denken, sind die Bregenzer Festspiele Wegbereiter meiner kulturpolitischen Überzeugung”, sagte die Kulturministerin. Beispielhaft führte Schmied das Kinder- und Jugendprogramm “crossculture” der Festspiele an. Die Sinne der jungen Menschen für Kunst zu sensibilisieren, nannte sie dabei als wichtige Aufgabe, es gehe aber auch darum, “jenen Menschen ein Tor zu öffnen, die wegen ihrer sozialen oder geografischen Herkunft oft nur geringe Chancen haben, sich der Kultur zu nähern”. Kultur sei ihrem Verständnis nach ein essenzielles Merkmal einer demokratischen Gesellschaft, betonte die Ministerin.

Wenn man sich Sorgen über die Bedeutung demokratischer Werte für Teile unserer Jugend mache, so könne die Antwort darauf nur sein, für Toleranz und Offenheit gegenüber den Mitmenschen und für Humanismus einzutreten. Wer aber der Kunst zugetan sei, “wer die Sinnlichkeit kennt, die uns Menschen positiv innewohnt, trägt den Respekt vor den anderen in sich”, so Schmied.

Viel Prominenz bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele:

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