First Cow - Kritik und Trailer zum Film

Zwei Männer backen im frühen Wilden Westen an der US-Ostküste Schmalzküchlein für die rauen Trapper und erwecken in diesen Heimatgefühle. Dummerweise müssen sie die dafür notwendige Milch allabendlich stehlen, was alsbald zu Problemen führt. Dies ist die Zusammenfassung einer berührenden Männerfreundschaft, die US-Indieregisseurin Kelly Reichardt in ihrem neuen Werk "First Cow" erzählt.

Zwei Männer backen im frühen Wilden Westen an der US-Ostküste Schmalzküchlein für die rauen Trapper - und erwecken in diesen Heimatgefühle. Dummerweise müssen sie die dafür notwendige Milch allabendlich stehlen. Eine Geschichte, die Slapstickpotenzial hätte, die US-Indieregisseurin Kelly Reichardt in "First Cow" jedoch als Vorlage für das berührende Porträt einer Freundschaft dient. Nach den Coronaverzögerungen kommt das Werk am Freitag nun endlich in die Kinos.

First Cow - Kurzinhalt zum Film

Der Beginn von "First Cow" ist dabei in der Gegenwart angesiedelt, wenn eine Frau mit ihrem Hund am Ufer eines Fluss in der Erde auf zwei Skelette stößt, die einträchtig nebeneinanderliegen - ein symbolisches, warmherziges Bild, von dem aus die Geschichte nach 1820 springt und die Vorgeschichte der beiden sterblichen Überreste erzählt. Es sind der im Vergleich zu manch hartem Goldsucher sensible Koch Cookie (John Magaro) und der auf der Flucht befindliche Chinese King-Lu (Orion Lee), die hier aufeinandertreffen.

Sie lernen sich durch Zufall im undurchdringlichen Wald kennen und werden Freude. Alsbald leben sie zusammen in King-Lus kleiner Hütte, die sie gemeinsam putzen und darin ihre Socken stopfen, während sie mit der Jagd ihren Lebensunterhalt verdienen. Der gemeinsame Traum ist ein Hotel in San Francisco.

Als der sehr britische Grundbesitzer von nebenan sich eine Kuh zur Milchlieferung für seinen 5-Uhr-Tee angeschafft hat, kommen die beiden auf eine lukrative Idee: Allnächtlich schleichen sie sich zur ersten Milchkuh, die es im gesamten Oregon County gibt, melken sie heimlich und machen daraus Biskuits (ähnlich den britischen Scones), die sie dann im Dorf verkaufen und einiges Geld damit machen. Die harten Trapper erfreuen sich wie kleine Kinder am Geschmack eines Gebäcks, das Erinnerungen an die Vergangenheit hervorruft. Und doch kann das Ganze nicht auf Dauer gutgehen.

First Cow - Die Kritik

Die 57-jährige Kelly Reichardt hat schon mit Vorgängerwerken wie "Meek's Cutoff" (2010) bewiesen, dass sie die frühe Besiedlung der USA mit ungekanntem Blick betrachten kann. Ihre Western entfernen sich von den Genreklischees, zeigen die im wahrsten Sinne des Wortes dreckige Realität des Siedlerlebens und die menschliche Realität abseits cooler Cowboymythen.

Cookie und King-Lu sind keine brutale Haudraufs, sondern zwei Männer mit Träumen und Ängsten. Reichardt erzählt eine Männerfreundschaft ohne erotischen Subtext, sondern mit Zuneigung und Solidarität füreinander. Es ist ein Buddy-Movie ohne Pathos und billige Komik, sondern der beinahe zärtliche Blick einer Filmemacherin auf zwei kleine Träumer und ihre Hoffnungen im Wilden Westen.

Die Geschichte basiert auf einem Segment des Romans "Half Life" von Jonathan Raymond, das Reichardt, die neben der Regie und dem Schnitt auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, im 4:3-Format inszeniert. Auch wenn sie sich in diesem begrenzenden Bildausschnitt wieder als unaufgeregte Meisterin der Landschaftsinszenierung erweist, liegt der Zauber von "First Cow" eher in der Tonspur.

Hier lässt Reichardt das Knistern eines Streichholzes, das Schwappen von Wasser in einem Kübel oder das Rauschen in den Blättern überprononciert erscheinen, überhöht die Realität so akustisch und versieht diese mit einer leichten Magie. Dass "First Cow" an der einen oder anderen Stelle ein wenig zu sehr in diesen Details schwelgt und sich dadurch im Gesamtlauf ein wenig zu viel Zeit lässt, kann man angesichts der herzberührenden Geschichte mehr als verschmerzen.

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(APA/Red)

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