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Finanzkrise bremst kroatische Wirtschaft

Die kroatische Wirtschaft hat trotz des Aufholprozesses in den vergangen Jahren noch immer nicht in allen Sektoren - etwa in der Industrieproduktion - das Vorkriegsniveau erreicht.

Pro Jahr gibt Kroatien nach wie vor 1 Mrd. Euro für die Kriegsfolgen aus, erklärte der ehemalige Handelsdelegierte in Zagreb, Peter Hasslacher, der nun das internationale Marketing der Wirtschaftskammer Österreich leitet bei einem Hintergrundgespräch. Dennoch weise das Land ein großes Wachstumspotenzial vor allem im Tourismus auf.

Der Tourismus trage derzeit rund 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Hasslacher schätzt, dass der Tourismus bei entsprechender Förderung durch die Zagreber Regierung durchaus seinen BIP-Anteil bis auf 30 Prozent ausbauen könnte. Allerdings sieht der ehemalige Handelsdelegierte in Zagreb auch zahlreiche Probleme bei der Umsetzung von Projekte. “Als ich 2001 nach Zagreb kam, gab es in Istrien 22 Golfplatzprojekte in der Schublade. Kein einziges wurde bis dato realisiert”, erklärte Hasslacher am Freitag.

In der Vergangenheit wurde das Wachstum durch den öffentlichen Sektor etwa durch den Autobahnbau, den Privatkonsum die kroatischen Exporte und den Tourismus als Devisenbringer gestützt. “Allein in meiner Zeit als Handelsdelegierter von 2001 bis 2008 wurden rund 500 Kilometer Autobahn gebaut”, so Hasslacher. Derartige Großprojekte werden in der Zukunft fehlen. Die Nachfrage nach kroatischen Exporten dürfte aufgrund der Wirtschaftskrise auch zurückgehen. Der Tourismus haben nur geringe einstellige Zuwachsraten.

Deshalb werde das künftige kroatische Wirtschaftswachstum insbesondere davon abhängen, wie nachhaltig der Privatkonsum sei. Das Wachstum soll laut Hasslacher 2009 bei rund 3,5 Prozent und 2010 zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Derzeit werde der Privatkonsum auch durch die Schattenwirtschaft teilweise gestützt, die laut Schätzungen zwischen 20 und 25 Prozent des BIP ausmacht. Weiters müsse man auch die großen Transferleistungen von Auslandskroaten berücksichtigen, die laut Schätzungen zwischen 3 und 4 Mrd. Euro jährlich betragen. Die meisten Auslandskroaten leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Außenhandelsvolumen habe sich seit 2001 um das rund 2,7-fache erhöht und lag Ende 2007 bei rund 2,5 Mrd. Euro, wobei Österreich einen auch internationalen Rekordüberschuss von rund 800 Mio. Euro erwirtschafte. Im ersten Halbjahr 2008 nahmen die österreichischen Exporte um 8,1 Prozent auf 796,1 Mio. Euro. Kroatien liege an 18. Steller der wichtigsten österreichischen Handelspartner, Tendenz fallend, meinte Hasslacher. Rund 30 Prozent oder 5,48 Mrd. Euro aller bisherigen Investitionen kamen aus Österreich.

“Wir wollen, dass Kroatien so rasch wie möglich der EU beitritt”, sagte Hasslacher aus Sicht der Wirtschaftsreibenden. Allerdings glaubt er, dass der Beitritt frühestens 2011 erfolgen könnte. Realistischer sei aber 2012 oder 2013.

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