"Figaro": Zweite Mozart-Premiere der neuen Staatsoperndirektion

Auf ein Neues: Am Mittwoch, den 16. Februar, begeht das neue Führungsteam Dominique Meyer und Franz Welser-Möst an der Wiener Staatsoper mit "Le nozze di Figaro" seine zweite Mozart-Premiere - nachdem im Dezember der "Don Giovanni" von den Kritikern in der Luft zerrissen worden war.

Und wieder zeichnet Jean-Louis Martinoty für die Regie verantwortlich, der allerdings diesmal auf eine Inszenierung zurückgreift, die er unter Meyer am Pariser Theatre de Champs-Elysees erstellt hatte. Als Conte d’Almaviva wird Netrebko-Gefährte Erwin Schrott zu sehen sein, Dorothea Röschmann gibt die Contessa d’Almaviva, Ensemblemitglied Sylvia Schwartz die Susanna. Hausdebütant Luca Pisarino, Schwiegersohn von Thomas Hampson, singt den Figaro – eine Rolle, mit der er 2001 sein persönliches Operndebüt am Klagenfurter Stadttheater feierte.

In jedem Falle genug Grund, den neuesten “Figaro” an der Staatsoper mit Spannung zu erwarten. Immerhin erklangen bereits rund 1.300 “Figaros” im Haus am Ring (inklusive des Ausweichquartiers Theater an der Wien). Die neue Inszenierung ersetzt die Interpretation Jean-Pierre Ponnelles aus dem Jahr 1977. Dessen Schüler Martinoty holt dafür seine 2001 in Paris gefeierte “Figaro”-Inszenierung nach Wien.

“Voller Charme, Erotik und psychologischer Wahrheit”, lobte damals eine Kritikerin die Arbeit des Franzosen, der in fesselnden Bildern mit surrealer Opulenz die Auflösung des aristokratischen Gefüges andeute. Angesichts der historisch nachempfundenen Kostüme der Zeit und der schrägen Bühne von Hans Schavernoch, die vor allem den Sängerinnen Raum zum theatralen Spiele ließe, beschied der Kritiker der deutschen Tageszeitung “Die Welt” Martinoty “in dieser gelungenen Hochzeit eher die feminine Ader zu verfolgen”.

In jedem Falle wurde die Inszenierung von der französischen Kritikervereinigung als “Opernproduktion des Jahres” ausgezeichnet. Von der 2004 und 2005 wieder aufgenommenen Interpretation liegt auch eine DVD-Aufzeichnung vor, in der Angelika Kirchschlager, Pietro Spagnoli, Annette Dasch und Luca Pisaroni singen, unter Leitung von Rene Jacobs mit seinem Concerto Köln.

“Mein Grundkonzept und das Bühnenbild von Hans Schavernoch bleiben erhalten”, kündigt Martinoty nun im “Prolog”-Heft der Staatsoper vor der Wien-Premiere an. Lediglich an den Charakteren wolle er feilen und das Libretto-Vorbild, Beaumarchais “Der tolle Tag”, mitbedenken.

Für seine “Don Giovanni”-Inszenierung – wie nun der “Figaro” mit dem Staatsopernorchester und Leitung von Generalmusikdirektor Welser-Möst aufgeführt – hatte Martinoty harsche Kritik einstecken müssen. Auch beim “Don Giovanni” zeichnete Schavernoch für das Bühnenbild verantwortlich, setzte allerdings weitgehend auf leere Szenerie und düstere Hintergründe mit schiefen Fotos. Kritiker bemängelten fehlende Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren und blasse Frauenrollen.

“Ich finde, er macht diesesmal etwas ganz anderes”, hat die Susanna-Darstellerin Schwartz im APA-Interview beruhigt. In jedem Falle scheinen bereits vor der Premiere die Planungen für eine Wiederaufnahme zu laufen. 2013 werde er mit seiner Lebensgefährtin Anna Netrebko Graf und Gräfin spielen, kündigte Conte-d’Almaviva-Darsteller Erwin Schrott im aktuellen “News”-Interview an.

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