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Faule Oldies und ein kaputtes System – das AMS ist nur die Spitze des Eisberges ...

©APA
Gastkommentar von Silvia Jelincic: Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Kurz vor der Pension geht ein 62-Jähriger schnell in Weiterbildung, um Geld vom AMS zu bekommen, auch ein anderer Oldie drückt noch mal die Schulbank, um was rauszuholen, und ein guter Bekannter erklärte mir jüngst unverblümt, dass seine AMS-Betreuerin vollstes Verständnis für seine Tatenlosigkeit habe – „ich bin auf der Suche nach mir selbst und kann daher nicht arbeiten" – und ihn gerne von einer sinnlosen Schulung in die nächste schicke.

Das Ganze ist eine Sauerei, weil unser Steuergeld für eben solche Menschen vergeudet wird. Aber das Ganze ist auch eine Sauerei, weil das System an sich missbraucht wird. Das AMS ist eine wichtige und nützliche Einrichtung, die unterstützt werden muss. Es ist für Menschen da, die arbeiten wollen, aber aus physischen oder psychischen Gründen nicht können oder etwa altersbedingt keinen Job mehr finden. Und es ist für Menschen da, die lernen wollen – nicht, wie das System zu korrumpieren ist, sondern, wie man im Leben weiterkommt, beruflich und indirekt sogar privat. Ja, auch ich bin in Weiterbildung, und es ärgert mich, dass derzeit überall von sinnlosen Schulungen die Rede ist. In meinem Fall trifft das, so hoffe ich zumindest, nicht zu. Ich mache gerade eine aufwendige Coaching-Ausbildung und merke, wie viel mir die Sache bringt. Das Problem ist nicht das AMS. Das Problem sind die Menschen. Die, die das System ausnützen, und von Arbeit soweit entfernt sind wie vom Mond.

Es ist und wird niemals möglich sein, alle Schlupflöcher zu stopfen. Das AMS hat nicht die personellen Ressourcen, um jedem Fall nachzugehen, um zu prüfen, wer lernen oder wer nur ans Geld will. So wie die Einwanderungsbehörde schon viele Integrationsunwillige ins Land gelassen und anständige Menschen schroff des Landes verwiesen hat. So wie viele Kinder bei schrecklichen Pflegeeltern landen und redliche Menschen Kinder adoptieren wollen, es aber, aus teils absurden Gründen, nicht dürfen. Natürlich gehört das System reformiert. Volksanwalt Günther Kräuter mag wohl gut daran tun, Missstände beim AMS aufzudecken, nur wird das am Kernproblem nichts ändern. Solange das AMS zu wenige Mitarbeiter hat und alle auf Druck arbeiten, wird es weiterhin Oldies geben, die auf HalliGalli machen. Unsere behäbige rot-schwarze Regierung sollte lieber an unnötig geschaffenen Posten sparen, weniger Geld für eigene Kampagnen verblasen und endlich den Verwaltungsapparat straffen. Denn viele Jobs gibt es in unserem Land nur, weil Politiker ihre Freunde und Bekannte versorgen, um sich selbst an der Macht zu halten.

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