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Farm 2.0 - Kühe werden zu TV-Junkies

©http://www.ferma-tv.ru
Der rasante Fortschritt im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien macht offensichtlich auch vor dem Tierreich nicht Halt.

Bestes Beispiel hierfür ist ein Experiment, das der Betreiber eines russischen Bauernhofs in der Nähe von Moskau vor kurzem gestartet hat und das man gut und gerne mit dem Begriff “Farm 2.0” bezeichnen könnte. Auf dem betroffenen Hof wurden in Kooperation mit Samsung extra für die eigenen Rinder unzählige Großbild-LCD-TVs installiert, die die Stalleinwohner visuell stimulieren und in weiterer Folge eine Verbesserung der Milchqualität bewirken sollen.

Hintergrund für das auf den ersten Blick etwas fragwürdig erscheinende Projekt ist die Tatsache, dass Kühe die dunklen Wintermonate in der Regel innerhalb des eigenen Stalles verbringen müssen und keine Möglichkeit haben, sich auf grünen Wiesen zu tummeln. Dieser Mangel an räumlicher Offenheit und visueller Stimulation macht sich offenbar in der Gemütsverfassung der Tiere bemerkbar und führt in weiterer Folge zu negativen Auswirkungen auf deren Milchqualität.

Erfolg bleibt fraglich

“Im Grunde genommen kann jede Beeinträchtigung von außen die Milchproduktion von Kühen beeinflussen”, stellt Andreas Bigler, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR, auf Nachfrage von pressetext klar. Die Höhe des allgemeinen Leistungsniveaus der Tiere bestimme dabei die Stärke der möglichen Beeinflussung. “Die moderne Milchkuh ist mit einem Spitzensportler vergleichbar. Um die bestmögliche Leistung zu erzielen, ist eine Investition in das Wohlbefinden der Tiere sicherlich lohenswert”, betont Bigler.

Ob das russische Farm-2.0-Experiment Erfolg hat, sei pauschal aber nur schwer abzuschätzen. “Ich finde dieses Projekt zwar interessant, bin in Bezug auf ein positives Resultat aber eher skeptisch”, meint Bigler und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass in der Vergangenheit bereits ähnliche Versuche mit Musikbeschallung stattgefunden hätten. “Auch hier ging es darum, eine bessere Stimmung bei den Kühen auszulösen. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Studien sind aber nur schwer zu vergleichen und insgesamt gesehen eher unbrauchbar”, schildert Bigler.

Ergebnisse nach einem Monat

Zur Klärung der Frage, ob sich die Großbild-TV-Geräte mit vorbeiziehenden grünen Graswiesen tatsächlich positiv auf die Milchqualität der Kühe auswirken können, wurde auf der “Farm 2.0” eine Kontrollgruppe eingerichtet, die auf die Hightech-Innenausstattung verzichten muss. Eine vergleichende Auswertung nach Ende des Experiments, das vorerst auf ein Monat angesetzt ist, soll dann letztendlich Klarheit bringen. Wer sich selbst ein Bild vom Geschehen machen will, kann hierfür unter http://www.ferma-tv.ru/site/stream sogar eine extra installierte Webcam nutzen.

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