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Fanzone Wien: Die Forderungen der Wirte

Das Aufstellen von Gastronomieständen alleine macht noch kein Event. Unter diesem Leitsatz lässt sich die Kritik der Wirte in der Wiener Fanzone zusammenfassen.

In einer Unterschriftenliste, die bereits von zwei Dritteln der Standpächter unterzeichnet worden sein soll, wird der Stadt Wien das Fehlen des versprochenen “attraktiven Programms für Tagesbesucher” vorgeworfen. Seit Jänner sei von “Sport, Musik, Event und Fun” die Rede gewesen, man habe mit Veranstaltungen wie beim Donauinselfest gerechnet.

Die Umsätze liegen weit unter den Erwartungen und stünden in keiner Relation zu den Mieten, heißt es in der Unterschriftenliste. Bei der Planung sei ein Eintreffen der Fans ab 12.00 Uhr und ein Erreichen der Kapazitätsgrenzen um 15.00 Uhr angekündigt worden, klagen die Wirte. Die Realität sehe anders aus: Es gebe keine Tagesfrequenz, schuld daran seien die fehlenden Veranstaltungen rund um die Match-Übertragungen. Das Kinderprogramm umfasse beispielsweise nur einige Hüpfburgen, zudem würden die hohen Preise die Besucher fernhalten.

Eingerichtet werden müsste nun dringend ein “attraktives Rahmenprogramm für verschiedene Altersgruppen”, unter anderem mit Fußballstars und Musikgruppen. Auch Sitzmöglichkeiten sollen geschaffen werden, fordern die Wirte in ihrem Schreiben. Von den Vertragspartnern – dem Caterer Impacts, der Stadt Wien Marketing und der Prater Service GmbH, der UEFA und den Sponsoren – fordern die Wirte weiters eine 50-prozentige Rückzahlung der Mieten für die Stände. Die Pauschalen und Extra-Ausgaben mit einbezogen kostet eine Getränkehütte 44.000 Euro, ein Speisenzelt mindestens 27.000 Euro.

Die Verkaufspreise sollen – so der Wunsch der Wirte – um einen Euro gesenkt werden. Die Pächter wollen außerdem bessere Einkaufskonditionen. Auch ein späteres Aufsperren der Hütten ab 11.00 oder 13.00 Uhr sollte überlegt werden. Sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden, drohen die Wirte damit, ihren Betrieb für einige Tage einzustellen.

Sollten sich die Wirte tatsächlich zu diesem Schritt entschließen, könnte laut Vertrag eine einmalige Pönale von 3.000 Euro oder eine Strafe von 750 Euro täglich – je nach Dauer des Streiks – verlangt werden. In den Rahmenvereinbarungen mussten die Wirte garantieren, während der EM täglich von 9.00 Uhr bis 0.00 Uhr offen zu halten. Zurücktreten kann man vom Vertrag, wenn das für die Fanzone verantwortliche Cateringunternehmen “Handlungen gesetzt hat, um dem Partner in betrügerischer Absicht Schaden zuzufügen”.

Auch weitere Klauseln machen den Wirten zu schaffen. Bier darf beispielsweise nicht in einem bereits gebrauchten Becher nachgeschenkt werden, bei jedem Kauf muss ein frisch gewaschener Plastik-Cup verwendet werden. Für eine Missachtung der Kleidervorschrift oder einen Engpass bei der Ware gebe es hohe Pönale, so die Gastronomen. Die Beteiligung an der Fanzone dürfe man zudem nirgends bewerben, auch nicht außerhalb der Partymeile.

Ein Gastronom, der jeden Sommer am Rathausplatz einen Stand betreut, hat nach eigenen Angaben gut daran getan, “die Finger von einem Stand in der Wiener Fanzone zu lassen”. Pro Tag hätte er zumindest 18 Fässer Bier zu je 50 Liter verkaufen müssen, um gewinnbringend auszusteigen, so die Kalkulation des Branchenkenners. Nachsatz: “Und das an allen Tagen.” Viele heimische Gastronomen hätten sich von den Bildern aus Berlin während der Fußball-Weltmeisterschaft “blenden” lassen, wo zigtausende Fans fahnenschwenkend für Stimmung sorgten. Dabei sei nicht bedacht worden, dass diese Bilder aus dem Halbfinale und Finale stammten und dass die Standgebühren in Berlin um 50 Prozent billiger waren. Hierzulande haben sogar einige Standbetreiber einen Kredit aufgenommen, um die Standgebühren bezahlen zu können, weiß der Gastronom, der nicht genannt werden möchte. Selbst erfahrene Gastronomen hätten das sportliche Großereignis “gewaltig überschätzt”.

Der Chef-Gastronom der Wiener Fanmeile, Christian Chytil, sagte im Ö1-Mittagsjournal des ORF, dass es einen zusätzlichen Eingang geben werde, zusätzliche Fernsehbildschirme seien schon aufgestellt. Es sei eben nicht möglich gewesen Garantien abzugeben, wie viel die Leute trinken, ebenso wenig wie man eine Schönwettergarantie abgeben könne, so Chytil. Der Wunsch der Standbetreiber, Sessel aufstellen zu dürfen, sei aus Sicherheitsgründen aus derzeitiger Sicht nicht möglich, sagte Chytil im Beitrag. Sie könnten zu Wurfgeschoßen werden.

Die Wirtschaftskammer sieht die Lage nicht so dramatisch. Der Tourismus- und Gastronomiesprecher in Wien, Josef Bitzinger, sagte im Ö1-Mittagsjournal, dass der Großteil der Wirte in der Wiener Fanzone zufrieden sein könne. Bitzinger, der selbst in der Fanzone einen Stand betreibt, hält auch die Preise nicht für zu hoch. Immerhin seien zur Errichtung der Fanzone und der Großbildleinwände enorme Investitionen nötig gewesen. Auch die EURO-Sprecherin der Stadt Wien, Anja Richter, glaubt, dass am Schluss alle zufrieden sein werden. Zur Kritik über zu teures Bier sagte sie: Da spielt auch die Überlegung eine Rolle, dass dann weniger getrunken wird und es zu weniger Raufereien und Ausschreitungen kommt.

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