Falsche Corona-Medikamente und Impfungen im Umlauf

Die im Internet angebotenen Mittel sind mit ziemlicher Sicherheit gefälscht.
Die im Internet angebotenen Mittel sind mit ziemlicher Sicherheit gefälscht. ©pixabay.com
Vor im Internet angebotenen Medikamenten zur Behandlung oder Vorbeugung von COVID-19 wird ausdrücklich gewarnt. Es gibt Anzeichen, dass solche Mittel im Internet und auf Social Media angeboten werden.

"Die Mittel können nur gefälschte und niemals echte, geprüfte Medikamente sein. Denn die Arzneimittel, mit denen eine COVID-19-Erkrankung behandelt wird, werden ausnahmslos in den Krankenhäusern angewendet. Die Impfstoffe zur Vorbeugung einer COVID-19-Erkrankung wiederum sind nicht am freien Markt erhältlich, sondern werden strikt nur im Rahmen der nationalen Impfstrategie über öffentliche Stellen ausgegeben, und zwar an die in der Impfstrategie vorgesehenen Einrichtungen und nie an einzelne Privatpersonen", erklärt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG. Somit können diese Arzneimittel auch über keinen anderen Weg angeboten und verteilt werden.

Es gibt Anzeichen, dass gefälschte COVID-19-Medikamente und Impfstoffe vermehrt im Internet auf Webseiten und auf Social Media Plattformen angeboten werden. Dazu Herzog: "Niemand sollte auf derartige Angebote reinfallen, auch wenn derzeit bei vielen der Wunsch nach einer Impfung sehr groß ist. Wer gefälschte Arzneimittel einnimmt, stellt seine Gesundheit und im Extremfall auch sein Leben aufs Spiel. Das gilt jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie und das gilt auch in Zukunft."

Malariamittel Chloroquin: Nichts als Nebenwirkungen

Das Faible des Ex-US-Präsidenten Donald Trump für das Malariamittel Hydroxychloroquin zur Verhinderung von Covid-19 ist höchstens schädlich. Die Anwendung bringt nichts als Nebenwirkungen. Das hat jetzt eine groß angelegte Studie aus der spanischen Provinz Katalonien ergeben: Das Mittel verursacht fast zehnmal häufiger gesundheitliche Probleme als sie ohne es auftreten würden. Die Untersuchung wurde jetzt im New England Journal of Medicine (4. Februar) publiziert.

Auf die Erkrankungen hatte die medikamentöse Prophylaxe überhaupt keinen Effekt: 5,7 Prozent der Personen, die das Arzneimittel bekommen hatten, entwickelten eine labormäßig bestätigte symptomatische Covid-19-Erkrankung. In der Vergleichsgruppe lag die Häufigkeit einer Erkrankung bei 6,2 Prozent. Mit 18,7 Prozent (Hydroxychloroquin) bzw. 17,8 Prozent Infektionsrate bei den engen Kontakten war auch bei der Häufigkeit der Übertragung von SARS-CoV-2 de facto gleich.

Schwere Nebenwirkungen durch Hydroxychloroquin

"Außer Spesen (vor allem Nebenwirkungen; Anm.) nichts gewesen", könnte man zu den weiteren Ergebnissen formulieren. "Die Häufigkeit von Nebenwirkungen war in der Gruppe mit Hydroxychloroquin höher als unter sonstiger Betreuung (56,1 Prozent versus 5,9 Prozent)", schrieben jetzt die Autoren. Bei der Häufigkeit schwerer gesundheitlicher Probleme hätte es zwischen den Gruppen aber keinen Unterschied gegeben.

Jedenfalls kam es bei den Personen, die Chloroquin erhalten hatten, mit einer Frequenz von 0,4 Prozent zu viermal mehr Herzproblemen als in der Vergleichsgruppe (0,1 Prozent). Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen gab es bei 42,6 Prozent der Hydroxychloroquin-Benutzer, hingegen nur bei 2,5 Prozent der Menschen aus der Vergleichsgruppe. Hydroxychloroquin sorgte auch bei 21,7 Prozent für Kopfschmerzen, Geschmacksveränderungen und Schwindel (Vergleichsgruppe: 2,5 Prozent). Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Übelkeit traten bei 8,6 Prozent der Personen unter medikamentöser Prophylaxe auf, hingegen klagten darüber nur 0,8 Prozent der Menschen ohne diese Intervention.

Das Malariamittel wird von Tropenreisenden gerade wegen seiner häufigen Nebenwirkungen seit Jahrzehnten nur ungern verwendet. Durch den Wirkstoff hervorgerufene Herzrhythmusstörungen können sogar lebensgefährlich sein. Die Studie wurde über Crowd-Funding in Spanien finanziert.

(APA/red)

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